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23.11.2016

20:21 Uhr

Lufthansa

Piloten streiken auch am Freitag

Die Lufthansa-Piloten wollen auch am Freitag streiken. Betroffen sind die Kurzstrecken. Bereits für Donnerstag mussten rund 900 Flüge gestrichen werden. Die Airline will eine alte Schadenersatzklage wieder aufnehmen.

In der Sache zeigen sich beide Seiten unnachgiebig. dpa

Lufthansa-Pilotenstreik in Frankfurt

In der Sache zeigen sich beide Seiten unnachgiebig.

FrankfurtDer Pilotenstreik bei der Lufthansa soll nun bis einschließlich Freitag dauern und trifft Hundertausende Passagiere. Zum Ende des ersten Streiktages setzte die Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwochabend noch eins drauf und dehnte den Ausstand auf nun drei Tage aus. Am Freitag würden ganztägig Kurzstreckenflüge bestreikt, die aus Deutschland starten, teilte VC in Frankfurt mit.

Die Lufthansa kündigte einen Sonderflugplan auch für den Freitag an. Er werde bis Donnerstagmittag fertiggestellt, hieß es. Betroffen seien innerdeutsche und europäische Verbindungen, Langstreckenflüge würden planmäßig starten. Die erneute Verlängerung des Ausstands habe man mit „vollkommenem Unverständnis“ zur Kenntnis genommen. Alle Kunden sollten sich vor der Anreise zum Flughafen auf LH.com über den Status ihres Fluges zu informieren.

„Das Lufthansa-Management zeigt weiterhin keinerlei Bewegung und hat kein verhandlungsfähiges Angebot übermittelt“, begründete Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg die erneute Verlängerung. „Der Vorstand lässt nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch die Kunden zunehmend unter dieser kompromisslosen Unternehmenspolitik leiden.“

Weil die Pilotengewerkschaft ihren am Mittwoch begonnenen Ausstand zuvor bereits um 24 Stunden verlängert hatte, fallen am Donnerstag weitere 912 Verbindungen aus, darunter 82 Langstrecken, wie das Unternehmen mitteilte. Am Mittwoch waren 876 Flüge streikbedingt abgesagt worden. An beiden Tagen zusammen waren 215.000 Passagiere betroffen. Nun kommt der Freitag als dritter Streiktag hinzu, die genauen Auswirkungen für die Fluggäste waren zunächst noch unklar.

Lufthansa reservierte für gestrandete Kunden nach eigenen Angaben im Rhein-Main-Gebiet sowie im Raum München vorsorglich fast 4000 Hotelzimmer. Für Passagiere, die aufgrund fehlender Visa nicht nach Deutschland einreisen dürfen, seien im Frankfurter Terminal zudem rund 400 Feldbetten aufgebaut worden. Viele Fluggäste konnten aber auch umgebucht werden oder kamen mit der Bahn an ihr Ziel.

Der Konzern forderte die Pilotengewerkschaft erneut zur Schlichtung auf. „Die Forderung der VC nach einer Vergütungserhöhung von mehr als 20 Prozent geht weit über das hinaus, was andere Beschäftigtengruppen erhalten haben“, teilte Personalchefin Bettina Volkens mit.

Die Streichungen entsprechen etwa der Hälfte des Flugprogramms der Kernmarke Lufthansa. In der gesamten Lufthansa-Gruppe fänden am Donnerstag 2088 von rund 3000 geplanten Flügen statt, teilte das Unternehmen weiter mit. Konzerngesellschaften wie Swiss, AUA oder Eurowings werden von den Piloten derzeit nicht bestreikt.

Die in der VC organisierten Piloten hatten die Fluglinie seit der Nacht zum Mittwoch mit ihrem mittlerweile 14. Streik zum Großteil lahmgelegt. Die Gewerkschaft verteidigte den auf Freitag verlängerten Ausstand. „Wir sind abgekoppelt worden von der Lohnentwicklung in Deutschland in den letzten fünf Jahren, und da möchten wir nicht länger zuschauen“, sagte Handwerg im ZDF.

Immer wieder Streiks bei Lufthansa und ihren Töchtern

Frühjahr 2001

Flugkapitäne der Lufthansa legen mehrmals die Arbeit nieder. Von dem Premieren-Streik sind mehrere tausend Verbindungen betroffen. Am Ende erstreitet die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ihren ersten Tarifvertrag. (Quelle: DPA)

Sommer 2008

Das Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa streikt fünf Tage lang. Mehrere hundert Flüge fallen aus. Die Gewerkschaft Verdi und das Unternehmen einigen sich am Ende auf höhere Gehälter.

September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, es trifft über 100.000 Passagiere. Beide Seiten beschließen eine Schlichtung.

April 2013

Ein Warnstreik des Bodenpersonals legt den Flugverkehr der Lufthansa in Deutschland fast lahm. Der Airline zufolge sind rund 150.000 Passagiere betroffen. Im Mai verabreden Verdi und der Konzern anschließend gestufte Entgelterhöhungen und einen Kündigungsschutz.

2. bis 4. April 2014

Start einer Streikserie von mittlerweile 13 Runden der Lufthansa-Piloten. Anfangs fallen rund 3800 Flüge aus. Es geht um Übergangsrenten, Gehalt, Altersvorsorge und im Hintergrund auch immer um die Billigtochter Eurowings.

6. Juli 2015

Die Piloten erklären die im Mai begonnene Schlichtung für gescheitert. Drei Wochen später bieten sie Lufthansa Einsparungen von über 400 Millionen Euro an, um Job-Verlagerungen zu verhindern.

8. bis 9. September 2015

16 Stunden Ausstand auf der Langstrecke sowie am folgenden Tag auch auf den Kurz- und Mittelstrecken. Das Landesarbeitsgericht Hessen erklärt den Ausstand für unrechtmäßig, weil die VC tariffremde Ziele verfolge.

6. November 2015

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo startet einen einwöchigen Ausstand des Lufthansa-Kabinenpersonals. Der Konflikt wird schließlich vom SPD-Politiker Matthias Platzeck geschlichtet.

27. Oktober 2016

Ufo ruft bei Eurowings und Germanwings das Kabinenpersonal zu einem 24-stündigen Streik auf.

22. November 2016

Ufo-Mitglieder legen an den Standorten Düsseldorf und Hamburg die Arbeit nieder.

23. November 2016

Nachdem Verhandlungen über die Vergütung von rund 5400 Piloten der Kerngesellschaft Lufthansa und der Tochter Germanwings gescheitert sind, ruft die VC erneut zum Streik auf.

Die Lufthansa setzte im Gegenzug die VC unter finanziellen Druck. Eine zwischenzeitlich ruhende Schadenersatz-Klage über 60 Millionen Euro werde nun wieder weiterverfolgt, erklärte ein Sprecher in Frankfurt. Die Forderung bezieht sich auf die erste Streikrunde im aktuellen Tarifkonflikt aus dem April 2014, die vom Unternehmen als nicht rechtmäßig eingeschätzt wird. Lufthansa hatte die Klage ruhen lassen, um die laufenden Gespräche mit der Vereinigung Cockpit nicht zu belasten. Das hat sich mit dem aktuellen Streik nun erledigt.

Eine Schlichtung hat die VC wiederholt abgelehnt. Den Piloten hatte die Airline zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. „Das ist aus unserer Sicht kein seriöses Angebot“, sagte Handwerg. Die VC verlangt Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über den kürzeren Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass es seit 2012 keine Gehaltserhöhungen gegeben habe, während das Unternehmen Milliardengewinne eingefahren habe.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte die Einbußen pro Streiktag auf einen Betrag im oberen einstelligen Millionenbereich beziffert. Auf weit höhere Zahlen kommt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das von rund 25 Millionen Euro an Kosten ausgeht.

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens: Im Netz der Gewerkschaften

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens

Premium Im Netz der Gewerkschaften

Kein Personaler in Deutschland kämpft gegen so viele Streiks wie Bettina Volkens. Für die Arbeitsdirektorin der Lufthansa ist Nachgeben keine Option – schon gar nicht im aktuellen Tarifkonflikt mit den Piloten.

Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) kritisierte die harte Haltung der VC. „Die vergangenen Jahre haben bewiesen, dass die Luft gerade für die europäischen Traditions-Airlines dünner wird“, erklärte BTW-Generalsekretär Michael Rabe. „Indem die Piloten dies durch ihre ständigen Streiks sogar verschärfen, sägen sie ganz massiv immer weiter am Ast, auf dem sie sitzen.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

22.11.2016, 17:20 Uhr

@ handelsblatt-online

Wieso ist es hier möglich, dass ein bereits bestehender Account von einer weiteren Person unter exakt demselben Namen posten kann???

Das ist sonst in keinem Forum möglich.

Der eifrige HB-Troll, bekannt unter den Namen Peter Spiegel, Peter Delli, Adolf Schickelgruber, Baron von Fink, Hein Blöd etc. etc. schreibt auf einmal als Carlos Santos. Am nächsten Tag meldet sich der echte Carols Santos hier ab. Jetzt schreibt der Troll als Marc Hofmann. Auch dieser (echte) Marc Hofmann schreibt daraufhin nicht mehr. Irgendwann kommt wohl jeder dran.

Wieso unterbinden Sie das nicht?

Account gelöscht!

23.11.2016, 08:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

G. Nampf

23.11.2016, 10:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich

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