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08.09.2015

09:14 Uhr

Lufthansa

Piloten streiken auch am Mittwoch – und drohen weiter

Die Pilotengewerkschaft Cockpit weitet im Tarifkonflikt mit der Lufthansa ihren Streik aus: Am Mittwoch sollen auch die Kurz- und Mittelstreckenflüge am Boden bleiben. Und weitere Streiktage sind möglich.

Gewerkschaft Cockpit verärgert

„Lufthansa ist nicht interessiert“ an konstruktiven Wegen

Gewerkschaft Cockpit verärgert: „Lufthansa ist nicht interessiert“ an konstruktiven Wegen

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FrankfurtPassagiere der Lufthansa müssen sich auf immer härtere Streiks der Piloten einstellen. Zum Start des 13. Arbeitskampfes in der aktuellen Tarifrunde am Dienstag hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit dem Unternehmen mit weiteren Streiks gedroht. „Streiks in dieser Woche können wir nicht ausschließen“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl. „Bis auf weiteres ist es jede Woche möglich, dass es neue Ausstände gibt.“

Dort war wie an den anderen deutschen Flughäfen nur wenig von den zunächst auf die Langstrecke beschränkten Streiks der Piloten zu spüren. Die Lufthansa setzte zwar mehr Service-Personal im Terminal ein, aber es erschienen kaum Passagiere, die noch nicht von den Flugausfällen oder Umbuchungen erfahren hatten. Die Fluggesellschaft informiert ihre Kunden gezielt über SMS und E-Mails.

Lufthansa-Streik: Was Passagiere jetzt wissen sollten

Lufthansa-Streik

Was Passagiere jetzt wissen sollten

Heute bestreiken die Piloten der Lufthansa die Langstreckenflüge. Am Mittwoch ist dann die Kurz- und Mittelstrecke an der Reihe. Auf Fluggäste wartet eine neue Geduldsprobe. Wie man sich am besten vorbereiten kann.

Schon am Montagabend hatte die Vereinigung Cockpit angekündigt, den Streik an diesem Mittwoch auf die viel zahlreicheren Kurz- und Mittelstrecken auszudehnen. Lufthansa wollte auch dafür einen Sonderflugplan erarbeiten, der nach Angaben eines Sprechers am frühen Nachmittag stehen soll. Man habe am Mittwoch 1520 Flüge mit 180 000 gebuchten Passagieren im Programm.

Definitiv gestrichen waren am Dienstag 84 Fernflüge von und nach München, Frankfurt und Düsseldorf. Demgegenüber sollten 90 Überseeflüge stattfinden, bevor am Mittwoch wieder der Normalbetrieb auf den Interkontinentalstrecken geplant war.

Die Tarifbaustellen der Lufthansa

Es ist kompliziert

Die Lufthansa führt mit mehreren Gewerkschaften getrennte Tarifverhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Piloten

Im Tarifstreit der rund 5400 Piloten im Lufthansa-Konzerntarifvertrag (KTV) geht es nicht nur um Gehalt oder Betriebsrenten, wenn letztere auch der offizielle Anlass für bislang 13 Streikrunden waren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will den ungebremsten Ausbau der Lufthansa-Billigschiene „Eurowings“ verhindern, unter deren Dach etliche Fluggesellschaften mit weit geringer bezahlten Piloten agieren können.

Bodenpersonal

Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Verhandlungsauftakt für rund 33.000 Bodenbeschäftigte der Lufthansa versucht, das Rententhema herauszuhalten. Nach vier Runden will die Airline aber immer noch die Gehaltsverhandlungen mit der Frage künftiger Betriebsrenten verknüpfen. Die Parteien haben sich bis Ende September vertagt und wollen die Rentenfrage in Arbeitsgruppen besprechen. Von Streiks war noch nicht die Rede.

Flugbegleiter

Die Kabinengewerkschaft Ufo war nach der gescheiterten Schlichtung zu den Rentenfragen schon bereit zu einem Streik, der Ende Juni erst in letzter Minute abgesagt wurde. Lufthansa hatte ihr Angebot zur Neuregelung der Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa aufgestockt. Anders als Cockpit ist Ufo zu einem Systemwechsel bei den Renten bereit und lehnt auch den geplanten Unternehmensumbau nicht kategorisch ab. Für die Gespräche hat man sich bis zum 1. November Zeit genommen.

Quelle: dpa

In den bislang zwölf Streikrunden seit April 2014 hat die VC der Lufthansa nach deren Angaben rund 330 Millionen Euro Schaden zugefügt. Offizieller Streikgrund bleibt die Übergangsversorgung der rund 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings bis zur Rente. Es geht aber auch um die künftige Unternehmensstruktur mit der geplanten Billigschiene Eurowings.

Die Piloten hatten seit März nicht mehr gestreikt, sich dann aber nicht mit Lufthansa auf eine neue Tarifstruktur einigen können. Sie werfen dem Unternehmen Tarifflucht vor, weil bei Eurowings Arbeitsplätze zu günstigeren Konditionen ins Ausland verlagert werden sollen. Lufthansa begründet die Pläne mit dem hohen Kosten- und Konkurrenzdruck durch Billigflieger wie Ryanair und Easyjet.

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