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24.11.2016

18:26 Uhr

Lufthansa

Piloten streiken auch am Samstag

Die Lufthansa-Piloten wollen auch am Samstag streiken. Betroffen sind alle Langstreckenverbindungen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollen. Im festgefahrenen Tarifkonflikt ist derzeit keine Lösung in Sicht.

Lufthansa

Pilotenstreik bis Freitag: Passagiere sind über Flugausfälle verärgert

Lufthansa: Pilotenstreik bis Freitag: Passagiere sind über Flugausfälle verärgert

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FrankfurtFür die Fluggäste der Lufthansa kommt es immer dicker. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wird nun auch am Samstag streiken, wie sie am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Betroffen sind alle Langstreckenflüge, die an diesem Tag von Deutschland aus starten sollen.

Die VC betonte, gerade in dem Bereich, in dem die angeblich überbezahlten Piloten beschäftigt sind, verdiene die Lufthansa gutes Geld. „Eine Schlichtung nach mehr als vier Jahren Verhandlungen macht nur dann Sinn, wenn der ernsthafte Wille an einem solchen Kompromiss nicht durch Scheinangebote konterkariert wird“, betonte der VC-Vorsitzende Tarifpolitik, Ingolf Schumacher.

Streitpunkte: Das fordern die Lufthansa-Piloten

Vergütung

Seit fast vier Jahren verhandelt die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit über höhere Vergütungen, hat bislang aber alle Angebote der Lufthansa abgelehnt. Den Piloten hatte die Airline zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Die VC verlangt Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. Die Piloten der Fluggesellschaft erhalten aber auch ohne tarifliche Erhöhungen jedes Jahr automatisch einen Zuschlag von drei Prozent auf ihr Gehalt – bis zu einem Alter von 55 Jahren.

Vorruhestand

Früher mussten Piloten mit 55 Jahren in den Ruhestand gehen – und erhielten für die Zeit bis zum offiziellen Renteneintritt 60 Prozent ihres letzten Gehalts. Doch nicht nur das Bundesarbeitsgericht kippte diese Altersgrenze, sondern auch der Europäische Gerichtshof – und zwar auf Klage mehrerer Piloten. Entsprechend versucht der Vorstand, die sogenannte Übergangsvergütung zu verringern.

Altersrente

In der betrieblichen Altersversorgung garantierte Lufthansa bislang eine Verzinsung von sechs bis sieben Prozent des eingezahlten Betrags. Weil dies in Zeiten der Nullzinspolitik zu überbordenden Pensionsrückstellungen führt, will man sich von der Zusage trennen.

Bereits an diesem Freitag fallen wegen des Pilotenstreiks bei Lufthansa erneut 830 Flüge aus. Am dritten Streiktag hintereinander sind dieses Mal nahezu ausschließlich Kurz- und Mittelstrecken betroffen, mit zusammen rund 100.000 Passagieren, wie das Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Anders als an den Vortagen werde die Langstrecke „nahezu planmäßig durchgeführt“. „Insgesamt sind an den drei Streiktagen mehr als 315.000 Passagiere von 2618 Flugausfällen betroffen“, resümierte die Fluggesellschaft. Nur wenige Fluggäste wichen auf die Bahn aus.

Der Dax-Konzern forderte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit Nachdruck dazu auf, nach der 14. Streikrunde einer Schlichtung zuzustimmen. „Wir sind als Vorstand für mehr als 120.000 Mitarbeiter verantwortlich und wollen Lufthansa zukunftsfähig aufstellen. Das wird mit einer Forderung von 20 Prozent mehr Lohn nicht möglich sein“, sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister.

Pilotenstreik: Lufthansa-Vorstand drängt auf eine Schlichtung

Pilotenstreik

Lufthansa-Vorstand drängt auf eine Schlichtung

Mitten im Streik bei der Lufthansa wendet sich der Vorstand der Airline direkt an die Piloten. Der direkte Schaden belaufe sich schon auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Doch noch bleibt die Pilotenvereinigung hart.

In dem bis Anfang 2014 zurückreichenden Tarifkonflikt hatte Lufthansa den Piloten zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Die Vereinigung Cockpit lehnt das ab. Sie verlangt für die rund 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings Tariferhöhungen von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschließlich April 2017.

Hohmeister nannte das „abstrus“ und „völlig unakzeptabel“. Jeder Streiktag koste Lufthansa rund zehn Millionen Euro. Hinzu komme ein Imageschaden, der nicht genau zu beziffern sei. „Wir merken das aber in unseren mittelfristigen Buchungszahlen.“

Immer wieder Streiks bei Lufthansa und ihren Töchtern

Frühjahr 2001

Flugkapitäne der Lufthansa legen mehrmals die Arbeit nieder. Von dem Premieren-Streik sind mehrere tausend Verbindungen betroffen. Am Ende erstreitet die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ihren ersten Tarifvertrag. (Quelle: DPA)

Sommer 2008

Das Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa streikt fünf Tage lang. Mehrere hundert Flüge fallen aus. Die Gewerkschaft Verdi und das Unternehmen einigen sich am Ende auf höhere Gehälter.

September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, es trifft über 100.000 Passagiere. Beide Seiten beschließen eine Schlichtung.

April 2013

Ein Warnstreik des Bodenpersonals legt den Flugverkehr der Lufthansa in Deutschland fast lahm. Der Airline zufolge sind rund 150.000 Passagiere betroffen. Im Mai verabreden Verdi und der Konzern anschließend gestufte Entgelterhöhungen und einen Kündigungsschutz.

2. bis 4. April 2014

Start einer Streikserie von mittlerweile 13 Runden der Lufthansa-Piloten. Anfangs fallen rund 3800 Flüge aus. Es geht um Übergangsrenten, Gehalt, Altersvorsorge und im Hintergrund auch immer um die Billigtochter Eurowings.

6. Juli 2015

Die Piloten erklären die im Mai begonnene Schlichtung für gescheitert. Drei Wochen später bieten sie Lufthansa Einsparungen von über 400 Millionen Euro an, um Job-Verlagerungen zu verhindern.

8. bis 9. September 2015

16 Stunden Ausstand auf der Langstrecke sowie am folgenden Tag auch auf den Kurz- und Mittelstrecken. Das Landesarbeitsgericht Hessen erklärt den Ausstand für unrechtmäßig, weil die VC tariffremde Ziele verfolge.

6. November 2015

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo startet einen einwöchigen Ausstand des Lufthansa-Kabinenpersonals. Der Konflikt wird schließlich vom SPD-Politiker Matthias Platzeck geschlichtet.

27. Oktober 2016

Ufo ruft bei Eurowings und Germanwings das Kabinenpersonal zu einem 24-stündigen Streik auf.

22. November 2016

Ufo-Mitglieder legen an den Standorten Düsseldorf und Hamburg die Arbeit nieder.

23. November 2016

Nachdem Verhandlungen über die Vergütung von rund 5400 Piloten der Kerngesellschaft Lufthansa und der Tochter Germanwings gescheitert sind, ruft die VC erneut zum Streik auf.

Die VC verteidigte ihr Vorgehen damit, dass das Lufthansa-Management weiter keinerlei Bewegung zeige und kein verhandlungsfähiges Angebot übermittelt habe. Sprecher Jörg Handwerk warf dem Vorstand eine „kompromisslose Unternehmenspolitik“ vor. Die Piloten lehnen eine Schlichtung bisher ab und kritisieren das aus ihrer Sicht zu niedrige Angebot der Lufthansa.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Herr Percy Stuart

24.11.2016, 14:53 Uhr

„Die Vereinigung Cockpit lehnt das ab. Sie verlangt Tariferhöhungen von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschließlich April 2017.“

Richtig wäre für die letzten 5 1/2 Jahre, warum schreibt man dies nicht dazu?

Hier gibts im Video der VC die Gründe:
http://www.vcockpit.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/news/video-zur-pk-der-vereinigung-cockpit-zum-scheitern-der-verguetungsverhandlungen-bei-lh.html

Somit kann man auch die Anliegen der Piloten und deren Begründungen für die Gehaltssteigerungen erfahren, die hier im Handelsblatt mal wieder komplett untergehen und verschwiegen werden. Schade, dass die Medien weiterhin nichts dazulernen und weiter einseitig pro LH-Managementspitze berichten.

Herr Gerd Hohn

24.11.2016, 15:10 Uhr

Sind z.B. Ryanair-Piloten schlechter als Lufthansa-Piloten?
Wenn das nicht so ist, sollte die LH-Geschäftsführung darüber nachdenken, die Streikenden zu feuern und sich aus dem Ryanair-Pool zu bedienen.
Was rechtfertigt höhere Bezüge bei LH, wenn man mal von hochnäsigem Pfründedenken absieht?

Herr Percy Stuart

24.11.2016, 15:33 Uhr

Es geht sicherlich nicht um schlechtere oder bessere Piloten, sondern darum, dass die Piloten, wie jeder andere angestellte Arbeitnehmer auch, Gehaltssteigerungen einfordert. Schauen Sie sich einfach das Video der Vereinigung Cockpit an, dort wird nachvollziehbar begründet, wieso die Piloten sich für Streiks aussprechen.
Natürlich sind die Leute gut bezahlt, aberwarum sollten sie dann nicht das gleiche Recht auf Gehaltssteigerungen haben, wie alle anderen angestellt Beschäftigten auch? Nur weil sie jetzt bereits gut verdienen, heisst da ja nicht zwangsläufig, dass sie jahrelang keine Gehaltszuwächse erhalten. Vor allem auch in Anbetracht der Gewinne beim Lufthansakonzern. Würde der Konzern rote Zahlen schreiben, wären die Piloten sicherlich bereit, auch weitere Nullrunden zu akzeptieren. Wenn aber der Konzern wirtschaftlich sehr gut dasteht und dann am Personal einsparen will, nur um Kunden und Sharefolder zu bedienen, ist das nicht in Ordnung. Da bin ich voll auf der Seite der Piloten, auch wenn sie im verhältnis zu mir, Topverdiener sind. Warum soll ich auf die Piloten neidisch sein, sie machen einen guten Job und sollen deshalb auch leistungsgerecht bezahlt werden. Genau dass ist nämlich auch das Problem in der heutigen Arbeitswelt. Man hat in diesem Land so langsam den Eindruck, dass selbst geschenkt noch zu teuer ist. Übrigens nimmt auch bei den Piloten die Leiharbeit (über Broker) immer mehr zu. Ich finde es gut, dass eine Berufsgruppe klare Kante zeigt. Letztlich sitzen die Piloten am längeren Hebel. Wenn sie nicht fliegen, wird der LH-Konzern in Schwierigkeiten kommen, es ist nur eine Frage der Zeit. Wenn die Piloten hart bleiben, wird die Konzernspitze nachgeben, man muss dass jetzt einfach durchziehen. Vor allem sollten die Kunden, von welchen viele ja auch angestellte Arbeitnehmer sind, sich nicht über die Flugausfälle beschweren, sondern sich solidarisieren. Gewerkschaften müssen wieder eine starke Vertretung der Arbeitnehmerinteressen darstellen.

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