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27.11.2016

22:54 Uhr

Lufthansa

Piloten streiken Dienstag und Mittwoch erneut

Die Lufthansa-Piloten legen nach gescheiterten Tarifgesprächen auch am Dienstag und Mittwoch die Arbeit nieder. Wie viele Flüge ausfallen werden, ist unklar. Diesen Montag will die Lufthansa Ersatzflugpläne vorlegen.

Dienstag und Mittwoch legen die Piloten erneut die Arbeit nieder. dpa

Pilotenstreik bei der Lufthansa

Dienstag und Mittwoch legen die Piloten erneut die Arbeit nieder.

FrankfurtLufthansa-Passagiere müssen sich nach einer Streikpause am Sonntag und Montag wieder auf massive Flugausfälle einrichten. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ruft am Dienstag und Mittwoch zum Ausstand auf, teilte die Organisation am Sonntagabend mit.

Am Dienstag sollten alle Piloten der Kurzstreckenflotte und am Mittwoch alle Piloten der Kurz- und Langstreckenflotte streiken. Es seien jeweils alle Flugverbindungen betroffen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollen. Wie viele Flüge ausfallen werden, war noch nicht bekannt. An den vergangenen Streiktagen hatte die Lufthansa mit Sonderflugplänen auf den Ausstand reagiert. Die VC kündigt bisher Streiks mindestens mit einem Vorlauf von mindestens 24 Stunden an.

Bis zu diesem Montag will die Lufthansa Sonderflugpläne ausarbeiten. „Lufthansa arbeitet bis morgen circa 14 Uhr an einem Sonderflugplan für Dienstag und Mittwoch“, teilte die Fluglinie am Sonntagabend mit.

Zuletzt hatten die streikenden Piloten die Lufthansa am Samstag zur Absage von 137 Flügen, darunter 88 Interkontinental-Verbindungen, gezwungen. Am Sonntag wurde „aus Rücksicht auf die Kunden“ nicht gestreikt, wie die VC angekündigt hatte. Dennoch fielen noch 35 Verbindungen den Spätfolgen des Streiks zum Opfer. Für den ebenfalls streikfreien Montag rechnete die Lufthansa wieder mit einem normalen Flugbetrieb. Nun muss die Airline erneut einen Sonderflugplan aufstellen. Wie der aussehen wird, war zunächst noch nicht bekannt.

Was verdient ein Pilot?

Grundgehalt

Lufthansa-Piloten gehören zu den bestbezahlten Angestellten in Deutschland. Nach Unternehmensangaben steigen junge Flugoffiziere nach der zweijährigen, teils selbstbezahlten Flugschule mit einem Brutto-Grundgehalt von 55.500 Euro ein, das inklusive Zulagen für Schichtdienst und Flugstunden über das vereinbarte Maß hinaus ein realistisches Anfangsgehalt von rund 73.000 Euro ergibt.

Das „Senioritätsprinzip“

Nahezu jedes Jahr folgt nun nach dem „Senioritätsprinzip“ die nächste Gehaltsstufe. Nach derzeit 23 Schritten ist die oberste Kapitänsstufe mit einem Grundgehalt von 193.000 Euro erreicht, inklusive Zulagen können das pro Jahr mehr als 255.000 Euro brutto werden.

Im europäischen Vergleich

Ähnliche Gehälter werden bei europäischen Ex-Staatsfluglinien wie der Air France-KLM auch bezahlt. Etwas unter diesem Niveau liegen nach einer Aufstellung der Website Airliners.de die British Airways und Easjet, die von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in der Vergangenheit schon als Messlatte für einen möglichen Low-Cost-Tarifvertrag im Lufthansa-Konzern genannt worden ist.

Zulagen-Modell

Das untere Marktende markieren kleinere Gesellschaften wie die Air-Berlin-Tochter Niki, bei der ein Kapitän laut dem Portal Pilotjobsnetwork bis zu 74.000 Euro im Jahr verdienen kann. Allerdings locken hier vergleichsweise hohe Zulagen für tatsächlich geleistete Flugstunden.

Vorwurf Sozialdumping

Der irische Billigflieger Ryanair wehrt sich gegen den Vorwurf des Sozialdumpings. Bei der Airline könnten Kapitäne bis zu 170.000 Euro verdienen, erklärte noch am Donnerstag ein Unternehmensvertreter. In Branchenvergleichen ist hingegen von 85.000 Euro Höchstgehalt und 25.000 Euro Einstiegssalär die Rede.

Wie eine Lösung des festgefahrenen Streits aussehen könnte, ist völlig offen. Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens hatte die VC am Sonntag via Zeitung erneut zu Gesprächen aufgerufen. „Ich wünsche mir sehr, dass die Vereinigung Cockpit von ihrer unnachgiebigen Haltung endlich abrückt“, sagte Volkens der „Bild am Sonntag“. Man müsse einen Kompromiss finden, mit dem beide Partner leben können. „Das kann nicht durch Streik erzwungen werden.“

Die Piloten der Fluggesellschaft warten hingegen auf ein – aus ihrer Sicht – „verhandlungsfähiges Angebot“. Alles, was das Unternehmen bisher auf den Tisch gelegt hat, reichte der VC nicht aus. Cockpit hatte am Freitag ein weiteres Lufthansa-Angebot zurückgewiesen und betont, dass es kein Enddatum für den Streik gebe.

Die Inhalte des jüngsten Angebots seien bereits vor zwei Monaten auf den Tisch gelegt worden. Das ganze sei allenfalls ein PR-Schachzug, sagte ein VC-Sprecher. Die VC verlangt Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen von fünf Jahren bis April 2017. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass es seit 2012 keine Gehaltserhöhungen gegeben habe, während das Unternehmen Milliardengewinne eingefahren habe. Die Lufthansa hatte zuletzt um 4,4 Prozent höhere Vergütungen, eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern sowie die Zusage von Neueinstellungen angeboten.

Und so dürften den Passagieren der Lufthansa in der Adventszeit noch weitere Streiks ins Haus stehen. Für den kommenden Mittwoch hat die VC bereits eine Piloten-Demonstration am Frankfurter Flughafen angemeldet. Seit Mittwoch strich die Airline insgesamt 2755 Flüge; davon betroffen waren insgesamt rund 345.000 Kunden. Dazu kommen die 35 Flugausfälle vom Sonntag als Streikfolge.

Kommentare (7)

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Herr Max Nolte

28.11.2016, 09:02 Uhr

Streikrecht bis zum letzten ausgeschlachtet und ein Vorstand der sich Kohle einsackt aber keinen Cent abgeben will - beidseigig gut asoziales Verhalten ggü dem Kunden...

Ich fliege ohnehin lieber Aeroflot - die streiken nie, sind so gut wie immer pünktlich und der Service ist mindestens genauso gut...Airberlin darf auf keinen Fall untergehen, keinen Bock mehr auf den LH-Konzern!

Frau Brigitte Hüffel

28.11.2016, 09:30 Uhr

Freiwillig fliege ich mit Fluggesellschaften die ständig streiken nicht mehr.

Herr Percy Stuart

28.11.2016, 10:03 Uhr

Augstein hat Recht - „Der Ausstand der Piloten war ein Lehrstück: Klassenkampf war vorgestern - solidarisch sind wir nur noch mit den Unternehmern. Aber warum sollen eigentlich Angestellte Verzicht üben, während Manager sich die Taschen füllen?“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/augstein-kolumne-streik-der-lufthansa-piloten-ein-lehrstueck-a-962964.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://www.pilots.de/ubb/NonCGI/Forum1/HTML/006513-9.html

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