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09.12.2016

15:25 Uhr

Lufthansa

Piloten wollen wieder verhandeln

Die Streik-Gefahr bei der Lufthansa ist vorerst gebannt: Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit kehrt nach ihrem Streik wieder an den Verhandlungstisch zurück. Thema soll dabei auch eine mögliche Schlichtung sein.

Die Piloten kehren nach ihrem Streik an den Verhandlungstisch zurück. dpa

Arbeitskampf bei der Lufthansa

Die Piloten kehren nach ihrem Streik an den Verhandlungstisch zurück.

FrankfurtBei der Lufthansa ist die Gefahr weiterer Streiks der Piloten vorläufig gebannt. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat ein verbessertes Gehaltsangebot des Unternehmens geprüft und kündigte am Freitag an, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. In der kommenden Woche solle mit der Lufthansa über das weitere Vorgehen inklusive einer möglichen Schlichtung beraten werden, teilte die Gewerkschaft in Frankfurt mit. „In der Folge werden bis zum Abschluss dieser Beratungen bei Lufthansa keine weiteren Streikmaßnahmen zu einem neuen Vergütungstarifvertrag durchgeführt.“

Die Piloten hatten zuletzt Ende November in der 14. Runde des Arbeitskampfes sechs Tage lang gestreikt und dem Unternehmen nach dessen Angaben einen Schaden von rund 100 Millionen Euro zugefügt. Rund 4450 Flüge mit 525.000 betroffenen Passagieren blieben am Boden.

Was verdient ein Pilot?

Grundgehalt

Lufthansa-Piloten gehören zu den bestbezahlten Angestellten in Deutschland. Nach Unternehmensangaben steigen junge Flugoffiziere nach der zweijährigen, teils selbstbezahlten Flugschule mit einem Brutto-Grundgehalt von 55.500 Euro ein, das inklusive Zulagen für Schichtdienst und Flugstunden über das vereinbarte Maß hinaus ein realistisches Anfangsgehalt von rund 73.000 Euro ergibt.

Das „Senioritätsprinzip“

Nahezu jedes Jahr folgt nun nach dem „Senioritätsprinzip“ die nächste Gehaltsstufe. Nach derzeit 23 Schritten ist die oberste Kapitänsstufe mit einem Grundgehalt von 193.000 Euro erreicht, inklusive Zulagen können das pro Jahr mehr als 255.000 Euro brutto werden.

Im europäischen Vergleich

Ähnliche Gehälter werden bei europäischen Ex-Staatsfluglinien wie der Air France-KLM auch bezahlt. Etwas unter diesem Niveau liegen nach einer Aufstellung der Website Airliners.de die British Airways und Easjet, die von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in der Vergangenheit schon als Messlatte für einen möglichen Low-Cost-Tarifvertrag im Lufthansa-Konzern genannt worden ist.

Zulagen-Modell

Das untere Marktende markieren kleinere Gesellschaften wie die Air-Berlin-Tochter Niki, bei der ein Kapitän laut dem Portal Pilotjobsnetwork bis zu 74.000 Euro im Jahr verdienen kann. Allerdings locken hier vergleichsweise hohe Zulagen für tatsächlich geleistete Flugstunden.

Vorwurf Sozialdumping

Der irische Billigflieger Ryanair wehrt sich gegen den Vorwurf des Sozialdumpings. Bei der Airline könnten Kapitäne bis zu 170.000 Euro verdienen, erklärte noch am Donnerstag ein Unternehmensvertreter. In Branchenvergleichen ist hingegen von 85.000 Euro Höchstgehalt und 25.000 Euro Einstiegssalär die Rede.

Nach der am 30. November ausgelaufenen Streikwelle hatten Lufthansa und VC sondiert, ob sie wieder in Verhandlungen einsteigen können. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte sich in einem großen Treffen den Fragen und der Kritik der Piloten gestellt.

Personalchefin Bettina Volkens hatte den Piloten Ende November ein verbessertes Angebot unterbreitet. Die Airline bietet darin eine Erhöhung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent und zusätzlich eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern an. Dieses Angebot ist nicht wie die vorherige Offerte an weitere Bedingungen zum Beispiel in der Altersversorgung geknüpft. Die Piloten hatten für einen Fünfjahreszeitraum 22 Prozent höhere Gehälter verlangt.

Lufthansa und Cockpit streiten schon seit Jahren um die Gehälter und weiteren Arbeitsbedingungen von rund 5400 Piloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Der Versuch einer Gesamtlösung ist bereits mehrfach gescheitert. Wirtschaftsvertreter wie die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hatten vor weiteren Arbeitsniederlegungen und Flugausfällen in den nächsten Wochen gewarnt. Lufthansa-Chef Spohr hatte sich am Donnerstag optimistisch gezeigt, dass man noch in diesem Jahr mit den Piloten in eine Schlichtung komme. Das Unternehmen hat intern bereits zwei mögliche Schlichter benannt.

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Mit der Ankündigung der VC sind Streiks zu anderen Tarifthemen wie beispielsweise der Übergangsversorgung zwar unwahrscheinlicher geworden, aber durchaus nicht ausgeschlossen. Auch in dieser Frage kann sich die Tarifkommission der Gewerkschaft auf ein eindeutiges Votum der VC-Mitglieder für einen Arbeitskampf stützen.

Andere Fluggesellschaften haben von dem Dauer-Arbeitskampf bei Lufthansa profitiert. Die Schwestergesellschaften Austrian und Swiss verbuchten im November Zuwächse von 10,9 und 4,3 Prozent, weil sie auf ihren Verbindungen nach Deutschland größere Maschinen einsetzen, um Lufthansa-Passagiere mitnehmen zu können. Auch die Lufthansa selbst flog im November 5,8 Prozent mehr Passagiere als vor einem Jahr. Das heißt allerdings wenig, weil im November 2015 ebenfalls ein Streik den Betrieb in weiten Teilen lahmgelegt hatte. Die Flugbegleiter hatten damals sogar noch einen Tag länger gestreikt als aktuell die Piloten.

Kommentare (8)

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09.12.2016, 14:23 Uhr

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09.12.2016, 17:09 Uhr

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