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06.07.2015

20:16 Uhr

Lufthansa

Schlichtung mit Piloten gescheitert – Streiks möglich

Bleibt die Lufthansa in den Sommerferien am Boden? Die Gewerkschaft Cockpit steigt aus der Schlichtung aus. Die Piloten werfen der Airline ein „taktisches Manöver“ vor – und beraten bald über einen Streiktermin.

Die Schlichtung ist gescheitert. APN

Piloten der Lufthansa

Die Schlichtung ist gescheitert.

FrankfurtDie Sommerferien stehen vor der Tür, und bei der Lufthansa muss ab sofort wieder mit Streiks der Piloten gerechnet werden. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat die Vorgespräche mit dem Unternehmen zu einer Gesamtschlichtung für gescheitert erklärt.

Mit dem Ende der Sondierungen sei auch die versprochene Aussetzung von Streiks bis Ende Juli hinfällig, erläuterte VC-Sprecher Markus Wahl am Montag in Frankfurt. Ein Termin für die 13. Streikrunde in dieser Tarifauseinandersetzung steht aber noch nicht fest. Unruhe gibt es auch beim britischen Billigflieger Easyjet: Mitten in der Urlaubszeit wollen die Mitarbeiter über einen Streik abstimmen.

Lufthansa und VC hatten versucht, über Sondierungsgespräche in eine Gesamtschlichtung zu allen offenen tariflichen Fragen zu kommen. Dem Unternehmen zufolge sind mit der Gewerkschaft sechs Tarifverträge offen - unter anderem zum Gehalt, zur Übergangsversorgung und zu den Betriebsrenten der etwa 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Für Zündstoff sorgt zudem die von Lufthansa-Chef Carsten Spohr weiter forcierte Einführung der neuen Billigplattform Eurowings, mit der auch Arbeitsplätze zu billigeren Konzerntöchtern ins Ausland verlagert werden sollen. Lufthansa wollte dieses Thema gesondert besprechen, weil es um rein unternehmerische Entscheidungen gehe. Als möglicher Schlichter hatte der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) Vermittlungsgespräche geführt, letztlich aber kein Schlichtungsmandat erhalten.

Die VC warf der Lufthansa nun vor, die Arbeitsplatzthemen außen vor gelassen zu haben. Damit verkenne sie die elementaren Interessen des Cockpit-Personals. Das Angebot einer Gesamtschlichtung auf der Hauptversammlung Ende April habe sich als „kurzfristiges taktisches Manöver“ entpuppt, mit dem die VC, aber auch Kunden und Aktionäre getäuscht worden seien.

Lufthansa bedauerte, dass die VC aus dem von ihr selbst vorgeschlagenen Verfahren ausgestiegen sei. Sie forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), Ralph Beisel, teilte mit: „Die deutschen Flughäfen fordern die Tarifparteien auf, endlich ihrer Verantwortung gerecht zu werden und erneute unverantwortliche Streiks in der Ferienzeit zu unterlassen.“

Einen Termin für einen erneuten Arbeitskampf gibt es noch nicht. Er soll in den Gremien der VC beraten werden. Bislang haben die Piloten in dem Konflikt seit April 2014 zwölfmal gestreikt und der Lufthansa nach Konzernangaben mehr als 300 Millionen Euro Schaden zugefügt.

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Bei Easyjet sollen rund 2000 Flugbegleiter von Dienstag kommender Woche an im Streit um Bezahlung darüber entscheiden, ob sie die Arbeit niederlegen, wie die Gewerkschaft Unite am Montag in London mitteilte. „Von einem Streik sind wir noch weit entfernt“, sagte ein Gewerkschaftssprecher der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir hoffen, dass wir davor eine Lösung finden.“ Im Falle eines Ausstands, der frühestens am 10. August beginnen dürfe, werde es aber erhebliche Störungen geben, die auch Deutschland betreffen könnten. Die Fluggesellschaft zeigte sich hingegen zuversichtlich, den Sommer-Flugplan einhalten zu können.

Kommentare (1)

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Herr A Kurzer

06.07.2015, 16:14 Uhr

Wer was auf sich hält und seine Kunden und Gesprächpartner nicht enttäuschen will fliegt nicht mehr Lufthansa. Auf der Langstrecke qualitativ im letzten Drittel, in Europa mit ausreichend Alternativen braucht die Airline LH kein Mensch mehr. Was sich die Herrschaften dort einbilden und woher die Einbildung kommt, wird deren Geheimniss bleiben. Genauso wie der totale Realitätsverlust weshalb man die alten Zöpfe einfach nicht abschneiden möchte. Auf einen meiner letzten LH Flüge habe ich mit Stolz mein M&M Karte einer Dame des Kabinenpersonal in die Hand gedrückt. Als Zeichen meiner "Zufriedenheit".

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