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20.02.2015

15:18 Uhr

Lufthansa-Sparpakt

Fünf-Sterne-Airline braucht Fünf-Sterne-Personal

VonTobias Döring

Die Lage bei der Lufthansa ist ernst, das zeigt der HGB-Verlust am Freitag. Ihren Mitarbeitern schlägt die Airline ein Zukunftsbündnis vor, sie sollen kleinere Brötchen backen. Das kann nicht gutgehen – ein Kommentar.

Wohin steuert die Kernmarke des Luftfahrtriesen? dpa

Flugbegleiterinnen im Lufthansa-Dirndl

Wohin steuert die Kernmarke des Luftfahrtriesen?

Kritiker werfen Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor, eine Vision für das Kerngeschäft der Fluggesellschaft vermissen zu lassen. Die Billigangebote werden unter der Marke Eurowings zusammengefasst und ausgeweitet. Aber sonst? Wohin steuern die Flieger der Airline, die unter der Marke „Lufthansa“ vor allem von Frankfurt und München aus unterwegs sind? Jetzt hofft die Führung des Luftfahrtriesen, eine Antwort gefunden zu haben.

Tobias Döring ist Redakteur am Newsdesk von Handelsblatt Online. Frank Beer für Handelsblatt

Der Autor

Tobias Döring ist Redakteur am Newsdesk von Handelsblatt Online.

Am Donnerstag bot der Chef des Passagiergeschäfts, Karl Ulrich Garnadt, den Mitarbeitern ein „Bündnis für Wachstum und Beschäftigung“ an. Der Vorschlag lässt sich kurz zusammenfassen: Wachstum, wenn die Kosten ausreichend sinken. Die Zahl der Flugzeuge an den Drehkreuzen soll bis 2020 von 313 auf 340 wachsen, 500 Piloten und 1300 Flugbegleiter könnten eingestellt werden. Auch wenn die Details erst noch mit den Arbeitnehmern ausgehandelt werden: Der Vorschlag zielt zu kurz.

Der Druck auf die Airline bleibt hoch. Am Freitag vermeldete die Airline ein Minus nach HGB. Billigflieger wie Ryanair und Golf-Airlines wie Emirates treiben dem Management Schweißperlen auf die Stirn.

Bisher hat Konzernchef Spohr nur ein neues strategisches Ziel ausgegeben: Die Lufthansa will den fünften Stern nach dem Skytrax-Ranking erreichen. Doch einen Fünf-Sterne-Service gibt es nur mit einem Fünf-Sterne-Personal.

Das grundlegende strategische Problem bliebe auch mit einem Zukunftsbündnis ungelöst: Wie will die Lufthansa den Spagat zwischen Billigmarke (Eurowings) und Premium (Lufthansa) schaffen – und wieder stärker wachsen als Ryanair, Emirates und Co.?

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Die Piloten wagen den Aufstand gegen das Eurowings-Konzept. In den vergangenen Monaten haben sie oft tagelang gestreikt, der Tarifkonflikt schwelt weiter. Um diesen Knoten zu zerschlagen, muss sicher ein groß angelegtes Bündnis mit den Beschäftigten her, denn hinter dem Streit mit den Piloten steckt auch ein grundsätzliches Unbehagen über die Billigstrategie. Und die kann nur aufgehen, wenn die Kosten niedrig sind, sprich Piloten und Bordcrew für weniger Geld fliegen.

Kommentare (1)

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Herr M F

20.02.2015, 14:42 Uhr

Das wird sehr schwer, wenn die Konkurrenz bessere Leistung für den Kunden bietet aber die Gehälter deren Mitarbeiter trotzdem unter denen der Lufthansa liegen (die Lufthansa-Piloten sind dabei ein extremes Beispiel).
Neben der Qualität der Mitarbeiter muss man in den letzten Jahren als Lufthansa-Kunde leider bemerken, dass an ganz anderer Stelle mit erheblicher Auswirkung bereits für den Kunden gespart wurde. In einem neuen A380 ist eine alte Business-Class Bestuhlung eingebaut oder Flüge der Lufthansa werden an Billig-Töchter ausgelagert und es wird bei einem Ausfall eines Fliegers plötzlich nach dem Niveau von Ryanair die Bereitstellung eines Hotelzimmers für die notwendige Übernachtung verweigert. Statuskunden-Regelungen wurden auch einseitig erheblich beschnitten.
Dies im Fokus wäre schlechteres Personal zwar auch unangenehm, der Schuh drückt für die Kunden der Lufthansa aber bereits an ganz anderer Stelle.

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