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01.01.2016

16:34 Uhr

Lufthansa stellt ein

Piloten gesucht – für Billig-Airline

Service-Mitarbeiter, Auszubildende, Piloten: 2016 will die Lufthansa massiv Personal ausbauen. Mehr als 4000 neue Mitarbeiter sollen eingestellt werden – größtenteils allerdings bei der Billig-Tochter Eurowings.

Mit Eurowings will die Lufthansa eine Billig-Airline etablieren. Der Mutterkonzern gerät immer wieder wegen der Streiks seiner Piloten in die Schlagzeilen. Reuters

Günstige Tochter

Mit Eurowings will die Lufthansa eine Billig-Airline etablieren. Der Mutterkonzern gerät immer wieder wegen der Streiks seiner Piloten in die Schlagzeilen.

FrankfurtDie Lufthansa-Gruppe will 2016 mehr als 4000 neue Mitarbeiter einstellen. Vor allem die auf Wachstumskurs fliegende Billigtochter Eurowings sowie die Airline CityLine, die erst seit Kurzem auch Langstrecken anbietet, sollen auch unterm Strich mehr Personal bekommen, wie der Konzern am Freitag in Frankfurt am Main mitteilte. Bei der Lufthansa-Mutter dagegen werde es eher weniger echten personellen Zuwachs geben, sagte der Sprecher Michael Lamberty der Deutschen Presse-Agentur.

Schwerpunkt der Neueinstellungen seien 2800 Flugbegleiter. Die meisten sollten bei Lufthansa und Swiss arbeiten. Aber auch für Eurowings, Austrian Airlines und Lufthansa CityLine würden Flugbegleiter gesucht. Zudem will der Konzern nach eigenen Angaben im neuen Jahr 240 Piloten einstellen – 140 bei Eurowings und 100 bei Austria Airlines. Hinzu kämen etwa viele Auszubildende in mehr als 30 Berufen sowie 150 neue Service-Mitarbeiter am Flughafen München.

Insgesamt zählt die Lufthansa-Gruppe derzeit rund 119.000 Mitarbeiter. Wie viele davon den Konzern 2016 altersbedingt oder aus anderen Gründen verlassen werden, konnte Lamberty nicht sagen. „Es wird aber im neuen Jahr unterm Strich ein personelles Wachstum geben.“

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Mit der Billigtochter Eurowings will der unter Druck geratene Konzern die Kosten drücken. Seine bislang extrem streikträchtigen Tarifkonflikte mit den Flugbegleitern und Piloten laufen 2016 weiter. Während bei den Flugbegleitern im Januar eine Schlichtung beginnen soll, zeichnet sich bei den Piloten noch keine Lösung ab.

Von

dpa

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