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16.10.2014

10:12 Uhr

Lufthansa stoppt Abu-Dhabi-Flüge

Etihad gewinnt

ExklusivDie arabische Konkurrenz macht der Lufthansa zu schaffen. So sehr, dass die deutsche Fluggesellschaft nun ihre Verbindungen nach Abu Dhabi streicht. Hinter der Entscheidung steckt ein Vorwurf mit politischer Brisanz.

Kein Anflug auf Abu Dhabi: Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa streicht ihre Flüge in die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Grund: „Unfairer“ Wettbewerb. dpa

Kein Anflug auf Abu Dhabi: Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa streicht ihre Flüge in die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Grund: „Unfairer“ Wettbewerb.

DüsseldorfDie Lufthansa zieht Konsequenzen aus dem Wettbewerb mit arabischen Fluggesellschaften. Zum Sommerflugplan werde die größte deutsche Fluggesellschaft die Verbindung von Frankfurt nach Abu Dhabi einstellen, wie das Handelsblatt (Freitagausgabe) aus Regierungskreisen erfuhr.

„Etihad fliegt inzwischen mit seinen Tochtergesellschaften wie Air Berlin 49 mal nach Abu Dhabi, die Lufthansa sieben mal – das ist einfach nicht durchzuhalten“, hieß es zur Begründung. Die Verbindung sei nicht mehr wirtschaftlich und werde daher eingestellt. Damit würden auch Arbeitsplätze wegfallen. Zur Begründung wurde der „unfaire“ Wettbewerb mit dem Luftverkehrsstandort der Vereinigten Arabischen Emirate genannt. „Es muss fairen Wettbewerb geben“, hieß es in Kreisen der Lufthansa.

Die drei großen Airlines vom Golf

Newcomer in der Luftfahrt

Vor allem die Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways mischen das weltweite Luftfahrtgeschäft auf. Sie zählen zu den Großkunden der Flugzeughersteller Airbus und Boeing.

Emirates mit großer Marktmacht

Schlagzeilen macht vor allem Emirates, die rasant wachsende Airline aus dem Golf-Emirat Dubai. Sie schreckt europäische Konkurrenten wie die Lufthansa auf und spielt auch gegenüber den Flugzeugbauern ihre Marktmacht aus. Emirates ist der weltweit größte Betreiber der Großraumjets Airbus A380 und Boeing 777. Erst im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft ihre Bestellungen für den Superjumbo A380 von 90 auf 140 Maschinen aufgestockt.

Dubai soll zum Weltumsteige-Flughafen werden

Geführt wird die Airline vom Briten Tim Clark, das uneingeschränkte Sagen hat jedoch Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, der zugleich Chef des Flughafens und der Luftfahrtbehörde ist. Er treibt seit Jahren seine Pläne voran, Emirates zur führenden Airline und Dubai zum Weltumsteige-Flughafen zwischen Europa und Asien zu machen. Nach Angaben der Gruppe lag der Jahresumsatz zuletzt bei knapp 24 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro).

Etihad startete auf königlichen Erlass

2003 hob Etihad, die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate, erstmals ab – auf königlichen Erlass. Der Rivale der großen Emirates zählt zu den schnell wachsenden Golf-Airlines. Noch ist die Flotte mit Drehkreuz in Abu Dhabi mit 72 Flugzeugen halb so groß wie die der Air Berlin, schon in sechs Jahren sollen es aber 158 Maschinen sein.

Kräftiges Passagierplus

2013 beförderte Etihad knapp 12 Millionen Passagiere, ein Plus von 16 Prozent. Das wirkt gegen die 31,5 Millionen der Beteiligung Air Berlin auch deshalb bescheiden, weil bei Etihad lange Strecken dominieren. Die knapp 11.000 Beschäftigten erwirtschafteten 2013 6,1 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Qatar Airways Erstkunde bei der A350

Qatar Airways aus dem Emirat Katar komplettiert das Trio vom Golf. Die Fluggesellschaft wurde 1993 gegründet, ebenfalls auf Betreiben der Herrscherfamilie. Die Airline ist Großkunde bei Airbus und Boeing und hat nach eigenen Angaben 280 Flugzeuge bestellt. Beim neuen Airbus-Mittelstreckenjet A350 ist Qatar Airways Erstkunde.

Kritik wegen Arbeitsbedingungen

Zuletzt wurde Qatar Airways wegen der Arbeitsbedingungen kritisiert. Unter anderem wird der Arline vorgeworfen, dass seine überwiegend ausländischen Mitarbeiter unter Aufsicht in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und eine Sperrstunde einhalten müssen. Außerdem dürfen sie demnach in den ersten fünf Jahren ihrer Firmenzugehörigkeit nicht heiraten, Schwangerschaften sind ein sofortiger Kündigungsgrund.

Am Mittwoch hatten sich Flughafen- und Airline-Chefs wie Carsten Spohr von der Lufthansa in Berlin mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) getroffen. Im Anschluss an das Treffen der Initiative Luftverkehr hatte der Minister angekündigt, mit den Vereinigten Arabischen Emiraten über das bilaterale Luftverkehrsabkommen verhandeln zu wollen. Es regelt die Wettbewerbsbedingungen im zwischenstaatlichen Flugverkehr.

In den vergangenen Jahren hatte das Luftfahrtbundesamt der Fluggesellschaft Etihad offenkundig ungerechtfertigt Flugrechte für Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin, an der Etihad beteiligt ist, zugesprochen und dies kürzlich untersagt. Lufthansa wirft den arabischen Fluggesellschaften vor, bewusst Flüge in die arabische Region zu verlagern, um die Flughafen-Drehkreuze in Europa zu schwächen.

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der 12-Uhr-Ausgabe der Digitalzeitung Handelsblatt Live.

Von

dhs

Kommentare (8)

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Herr Theo Gantenbein

16.10.2014, 10:34 Uhr

Die LH muss ja auch ihre (...) Luxus-Piloten bezahlen.

Ich fliege gerne Emirates und Etihad. Die wissen noch was Service bedeutet. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr wulff baer

16.10.2014, 11:18 Uhr

Wie die Zukunft von Lufthansa aussieht, kann man sich an folgenden Zahlen ausrechnen:

Lufthansa:
Kosten pro Passagier und km = 6 cent.

Emirates:
Kosten pro Passagier und km = 3 cent (mit Staatshilfe).

Herr Fernando Fernandez

16.10.2014, 11:40 Uhr

...es ist schön hier zu lesen, dass einzelne Personen offensichtlich ein Neidproblem haben und dies so offenkundig kommunizieren. Als Vielflieger kann ich nur aufführen, dass es ein Unding ist wie weit einige deutsche Fluggesellschaften immer wieder getragen werden, das wirtschaftliche Gefüge stören und damit dafür sorgen, dass subventionierte Gesellschaften Strukturen aus Deutschland und Europa wegziehen.
Beim buchen von Flügen gibt es auch eine soziale Verantwortung und die sieht m.E. auch vor gewisse Entwicklungen, Meinungen und politische Tatsachen nicht zu unterstützen, denn nur so kann man langfristig Einfluß auf Veränderung nehmen. Leider über wiegt hier wohl bei den Meisten die Geiz ist Geil Mentalität, aber wehe Di ge ändern sich und Die Preise ziehen an, dann wird nach dem Staat und nach Regularien gerufen. Das ist nicht das was ich mir unter einem mündigen Bürger vorstelle....aber das soll jeder für sich selber entscheiden...und ja, der Service der LH kann verbessert werden, so wie der jedes ändern Unternehmens auch...

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