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09.11.2015

16:57 Uhr

Lufthansa-Streik

„Das ist für mich Erpressung“

VonKathrin Witsch

Schon wieder Streik. Schon wieder bei der Lufthansa. Das Verständnis der Passagiere an den Flughäfen sinkt. Sie verlieren mit der Airline die Geduld, aber auch mit den streikenden Flugbegleitern. Ein Ortstermin.

Etwa 113.000 Passagiere waren von den Streiks am Montag betroffen. ap

Wartende Passagiere in München

Etwa 113.000 Passagiere waren von den Streiks am Montag betroffen.

DüsseldorfDer Blick wandert zwischen Schalter und Uhr, entnervt verdreht der Geschäftsmann im Jackett die Augen. Wieder geht er einen kleinen Schritt vor in der Warteschlange. Koffer und Aktentasche schiebt er resigniert mit dem Fuß ein Stück weiter. Ab zwölf Uhr wird es langsam voll vor dem Lufthansa-Schalter am Düsseldorfer Flughafen. Während sich drinnen ein Koffer nach dem anderen vor dem gelben Absperrband in die Warteschlange einreiht, stehen ein paar Meter weiter vor der Abflughalle an die zwanzig streikende Flugbegleiter in neongelben Warnwesten. „Ufo – United we stand“, steht auf den Rücken einiger geschrieben.

Am vergangenen Freitag hat Ufo, die Gewerkschaft der Flugbegleiter, zum bisher längsten Streik in der Geschichte der Lufthansa aufgerufen. Am frühen Montagmorgen begannen die Arbeitsniederlegungen in Frankfurt, Düsseldorf sowie erstmals auch in München. Wie ein Lufthansa-Sprecher bestätigte, fielen 929 der normalerweise etwa 3.000 Flüge des Unternehmens aus. Betroffen seien etwa 113.000 Passagiere. In Düsseldorf wurden 32 von rund 200 Flügen gestrichen. Bereits seit Sonntagabend seien die Passagiere über die Flugausfälle benachrichtigt und mit Alternativmöglichkeiten versorgt worden, sagte der Sprecher der Lufthansa in Düsseldorf.

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Davon wissen die meisten Passagiere in der Abflughalle am Montag allerdings wenig. „Wir waren am Sonntagabend schon mal hier, aber da war der Informationsschalter schon geschlossen“, sagt ein junges Paar aus Köln. Der Flieger nach New York gehört zu den Verbindungen, die streikbedingt ausgefallen sind. Dass sie fast die ganze Nacht wach waren, um Informationen über ihren Flug zu bekommen, sieht man ihnen kaum an.

Benachrichtigt habe sie keiner, und am Flughafen habe man ihnen abends gesagt, dass sie ab fünf Uhr in der früh Informationen über die eigens eingerichtete Telefon-Hotline bekommen würden. „Da sind wir nur leider nicht durchgekommen“, sagt der junge Mann resigniert. Ab drei Uhr nachts hätten sie es versucht, um halb fünf hätten sie dann endlich mit jemandem sprechen können.

Das Mitgefühl für die streikenden Flugbegleiter hält sich da in Grenzen: „Das ist für mich eine Erpressung des Arbeitgebers. Da hab' ich kein Verständnis für.“ Ähnlich geht es einer Gruppe von drei jungen Männern auf dem Weg nach Frankreich. Auch sie habe niemand benachrichtigt, in der Hotline seien sie ebenfalls nicht durchgekommen. Deswegen habe man auf eigene Faust umgebucht. „Wir hoffen jetzt, dass wir das Geld ersetzt bekommen.“ Die Geduld der leiderprobten Lufthansa-Kunden neigt sich dem Ende.

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