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28.11.2016

17:30 Uhr

Lufthansa-Streik

Die Piloten bewegen sich auf sehr dünnem Eis

VonJens Koenen

Mit ihrer harten Haltung tun sich die Piloten der Lufthansa keinen Gefallen. Sie verpassen jegliche Chance, am notwendigen Umbau der Airline im eigenen Sinne mitzuwirken. Ein Kommentar.

Fluggesellschaft

Lufthansa unter Druck – Eurowings muss profitabler werden

Fluggesellschaft: Lufthansa unter Druck – Eurowings muss profitabler werden

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Kennen Sie die Eispiloten, jene knallharten Kerle, die in den Dokumentationen auf zahlreichen TV-Kanälen ihr Können unter Beweis stellen? Die 5400 Flugzeugführer von Lufthansa erinnern derzeit stark an ihre Kollegen im hohen Norden. Auch sie bewegen sich mit ihren Dauerstreiks auf dünnem Eis. Doch anders als die Eispiloten scheinen sie nicht wirklich zu wissen, wie lange es Maschine und Crew noch trägt.

Der Kurs der Flugzeugführer von Europas größter Fluggesellschaft ist hochriskant. Zwar bergen Arbeitskämpfe stets Risiken. Es werden bei den Mitarbeitern hohe Erwartungen geweckt, das Enttäuschungspotenzial ist folglich groß. Zudem müssen Wirkung und Folgen eines Arbeitskampfes wohl abgewogen sein. Doch der aktuelle Ausstand der Piloten hat mittlerweile eine ganz andere Dimension erreicht.

Lufthansa-Piloten

Erneute Streiks – Noch keine Einigung in Sicht

Lufthansa-Piloten: Erneute Streiks – Noch keine Einigung in Sicht

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Hier geht es um die entscheidende Frage, inwieweit eine Berufsgruppe bereit ist, sich an einem notwendigen Umbau eines Unternehmens zu beteiligen. Für das Lufthansa-Management ist der Aufbau der Billigtochter Eurowings dringend geboten, ja unausweichlich, will man in der Kurz- und Mittelstrecke den Billiganbietern wie Ryanair oder Easyjet das Feld nicht kampflos überlassen. Für die Piloten der Kernmarke ist die Entscheidung dagegen schlicht falsch, weil es das in ihren Augen nach wie vor funktionierende, etablierte Geschäftsmodell unterminiert.

Unabhängig von der Frage, ob die Flugzeugführer mit dieser Einschätzung richtig liegen, steht fest: Mit dem Management und dem Aufsichtsrat haben sich die dafür zuständigen Gremien für Eurowings entschieden. Man mag als Pilot darüber lamentieren, dass man bei dieser Entscheidung nicht ausreichend gehört wurde. Doch deshalb über Jahre jeglichen Kompromiss bei Tariffragen zu verweigern, ist keine probate Reaktion.

Streitpunkte: Das fordern die Lufthansa-Piloten

Vergütung

Seit fast vier Jahren verhandelt die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit über höhere Vergütungen, hat bislang aber alle Angebote der Lufthansa abgelehnt. Den Piloten hatte die Airline zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Die VC verlangt Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. Die Piloten der Fluggesellschaft erhalten aber auch ohne tarifliche Erhöhungen jedes Jahr automatisch einen Zuschlag von drei Prozent auf ihr Gehalt – bis zu einem Alter von 55 Jahren.

Vorruhestand

Früher mussten Piloten mit 55 Jahren in den Ruhestand gehen – und erhielten für die Zeit bis zum offiziellen Renteneintritt 60 Prozent ihres letzten Gehalts. Doch nicht nur das Bundesarbeitsgericht kippte diese Altersgrenze, sondern auch der Europäische Gerichtshof – und zwar auf Klage mehrerer Piloten. Entsprechend versucht der Vorstand, die sogenannte Übergangsvergütung zu verringern.

Altersrente

In der betrieblichen Altersversorgung garantierte Lufthansa bislang eine Verzinsung von sechs bis sieben Prozent des eingezahlten Betrags. Weil dies in Zeiten der Nullzinspolitik zu überbordenden Pensionsrückstellungen führt, will man sich von der Zusage trennen.

Besser wäre es, den neuen Billigableger dort, wo es möglich ist, mitzugestalten. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, auch nicht gerade den Arbeitskämpfen abgeneigt, hat das verstanden. In sicherlich zähen, aber am Ende dann doch erfolgreichen Verhandlungen hat man bei Entgelt und Arbeitsbedingungen für die Mitglieder das herausgeholt, was möglich war.

Auch Streikrunde 15, 16 und 17 werden weder das Lufthansa-Management noch Eurowings in die Knie zwingen. Sie werden vielmehr den Druck erhöhen, noch stärker mit Eurowings zu wachsen und stattdessen die Kernmarke Lufthansa weiter zu schrumpfen. Das ist bitter und unnötig – für die Piloten wie für die Passagiere.

Kommentare (6)

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Herr Percy Stuart

28.11.2016, 17:40 Uhr

Liebe Handelsblatt-Redaktion,

Klassenkampf war vorgestern - solidarisch sind wir nur noch mit den Unternehmern. Aber warum sollen eigentlich Angestellte Verzicht üben, während Manager sich die Taschen füllen?“
warum wird von euch nicht einmal die Vergütungsentwicklung der DAX 30 Vorstände zwischen 1997 bis heute dargestellt.
In der Vergütungshöhe und der prozentualen Steigerung und diese dann den Reallohnentwicklungen des Durchschnittarbeitnehmers gegenübergestellt?
Warum wird sowas nicht veröffentlicht?

Vergütung 2001 LH-Vorstand 1.9 Mio. D-Mark €
Vergütung 2002 LH-Vorstand 3.8 Mio. D-Mark €
Veränderung von 2001 auf 2002 +100 %

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/vorstandsgehaelter/a-248736.html

Die Vorstände der 30 größten deutschen DAX-Unternehmen haben sich zwischen 2001 - 2016 ihre Vergütungen größtenteils um das Doppelte erhöht.
Ebenso haben sich unsere „Volksvertreter“ ihre Diäten seit 2002 bis heute um knapp 30% und ihre steuerfreie Kostenpauschale seit 2002 - heute um 20% erhöht (seit Euroeinführung knapp 30% höhere Diäten!).
Aber warum sollen eigentlich Angestellte seit Jahren Reallohnverzicht üben und Reallohnverluste hinnehmen, während die Manager und Politiker sich schamlos weiterhin die Taschen füllen?

http://www.flegel-g.de/entwicklung-abgeordneten-entschaedigung.html

Wie waren doch gleich die Reallohnsteigerungen der Mittel- und Unterschicht seit Euroeinführung im Jahr 2002? Solidarisch sind wir nur noch mit den Unternehmern, Politikern und Spitzenmanagern. Aber warum sollen eigentlich Angestellte seit Jahren Verzicht üben, während die Manager sich schamlos weiterhin die Taschen füllen?
Egal ob bei der Lufthansa oder in anderen Vorstandsetagen.
Wie kann es sein, dass Angestellte, die ihren Teil wollen, zu Gesellschaftsfeinden gestempelt werden?

Herr Percy Stuart

28.11.2016, 17:40 Uhr

In 2015!
Spohr erhält nun auf sein Jahresgehalt von jetzt rund 2 Millionen Euro einen Zuschlag von rund 300.000 Euro (15 Prozent), die übrigen vier Vorstandsmitglieder jeweils rund 100.000 Euro mehr. Im Dax-Vergleich zahlt Lufthansa ihren Vorständen relativ geringe und wenig gestaffelte Gehälter.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/lufthansa-chef-carsten-spohr-bekommt-mehr-gehalt-a-1068779.html

In 2016 gabs dann wieder eine fette Gehaltssteigerung für die LH-Vorstände.
Hier:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lufthansa-vorstand-bekommt-mehr-geld-a-1089862.html

Baron v. Fink

28.11.2016, 17:40 Uhr

Da weiß der Investor warum er nicht mit dem Mob fliegt und seine eigenen Piloten
anständigt bezahlt. Wie sollte man auch zu seinen HV kommen und die Höhe seiner Dividenden zu bestimmen.

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