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01.12.2014

12:26 Uhr

Lufthansa-Streik

Jeder zweite Flug gestrichen

Lufthansa-Passagiere müssen sich erneut auf Flugausfälle und Verspätungen einrichten. Zum neunten Mal seit April geht die Piloten-Gewerkschaft Cockpit in den Ausstand. Heute Mittag soll der Streik beginnen.

Über 150.000 Passagiere betroffen

Lufthansa streicht 1.350 Flüge

Über 150.000 Passagiere betroffen: Lufthansa streicht 1.350 Flüge

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FrankfurtDie Piloten der Lufthansa wirbeln mit ihrem erneuten Streik den Flugplan von Europas größter Airline durcheinander. Wegen des am Montagmittag beginnenden Ausstands streicht die Lufthansa insgesamt 1350 Flüge, wie der Konzern mitteilte. Rund die Hälfte aller geplanten Verbindungen fällt aus. Insgesamt werden laut Lufthansa etwas mehr als 150.000 Passagiere von dem 36-stündigen Streik betroffen sein.

Seit Monaten streiten sich die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) über die Ruhestandsregelung für die rund 5400 Piloten des Konzerns. Die jüngsten Gespräche hatte die Gewerkschaft am Wochenende für gescheitert erklärt.

Der Deutschland- und Europaverkehr der Lufthansa von ihren Drehkreuzen Frankfurt und München entfällt ab Montagmittag um 12 Uhr. Wie Cockpit mitteilte, wird der Ausstand ab Dienstagfrüh (3 Uhr) bis Mitternacht auch auf Langstrecken und Fracht ausgeweitet. Die Langstrecke wird am Montag noch abgefertigt, wird aber Dienstag komplett stillstehen.

Enden soll der Streik am Dienstag um 23.59 Uhr. Die Töchter Swiss, Austrian Airlines, Germanwings und Air Dolomite sind nicht betroffen. Der Ausstand entbehre erneut jeglicher Verhältnismäßigkeit, erklärte die Lufthansa. „Wir rufen die VC zur unverzüglichen Fortsetzung der Gespräche auf.“ Lufthansa sei jederzeit dazu bereit.

Die Streiks bei der Lufthansa 2014

2.-4. April 2014

Mit einem dreitägigen Streik legen Piloten die gesamte Lufthansa praktisch lahm. 3800 Flüge fallen aus, etwa 425.000 Fluggäste sind betroffen.

29. August

Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) bestreikt die Lufthansa-Tochter Germanwings. 116 Flüge fallen aus. Laut Schätzungen der Airline sind rund 15.000 Passagiere betroffen.

5. September

VC bestreikt Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa, die in Frankfurt starten. 218 Verbindungen fallen aus.

10. September

VC streikt am Drehkreuz München. 140 Flüge fallen aus.

16. September

Den in Frankfurt geplanten Langstrecken-Streik sagt die VC am Vorabend mit der Begründung ab, dass neue Gespräche angepeilt würden. Die Lufthansa hatte zuvor angekündigt, alle 40 bedrohten Überseeflüge auch ohne VC-Piloten anzubieten.

25. September

VC erklärt die erneuten Verhandlungen mit der Lufthansa für gescheitert und kündigt weitere Streiks an.

30. September

Im Zuge eines erneuten Streiks am Drehkreuz Frankfurt streicht die Lufthansa knapp 50 Flüge - inklusive Rückflüge. Rund 20.000 Kunden sind den Angaben zufolge betroffen.

16. Oktober

Germanwings-Piloten legen ihre Arbeit nieder. 100 Flüge werden gestrichen.

Gestritten wird vor allem um die Übergangsversorgung für die rund 5400 Piloten im Konzern. Die Fluggesellschaft will, dass ihre Piloten künftig frühestens mit 60 statt wie bisher mit 55 Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Die Piloten wehren sich dagegen.

Strittig sind zusätzlich die Gehälter der Piloten und die künftige Billig-Strategie des neuen Konzernchefs Carsten Spohr, die von den Piloten nicht mitgetragen wird. Beim Billigableger Eurowings und einer geplanten Billigtochter für die Langstrecke gilt der Konzerntarifvertrag nicht. Piloten und Flugbegleiter verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen in den Maschinen mit dem Kranichlogo. Auch die komfortable Übergangsversorgung vor dem Renteneintritt kommt ihnen nicht zugute.

Kommentare (2)

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Frau Stephanie Maurer

01.12.2014, 09:50 Uhr

Mind. 200 Mio. Kosten zzgl. Folgekosten und Schäden...Und die Konsequenz ist klar: in Zukunft werden die Kunden die Lufthansa AG und ihre Angestellten meiden. Gleiches gilt natürlich auch für die DB. Mit solchen Mitarbeitern steuert jede Firma zielgenau in die Insolvenz. Die Mentalität der Angestellten findet sich auch durchgängig in Service und Produkt wieder. Vergleicht man z.B. nur First und Business mit der Konkurrenz, ist LH weit abgeschlagen....Die Marke Lufthansa funktioniert allenfalls noch in der Werbung, wird aber vom Konzern weder umgesetzt noch gelebt.

Herr Michael Röse

02.12.2014, 08:26 Uhr

Liebe Regierung,
Wann unternimmst Du etwas? Ganz offensichtlich nutzen hier einzelne Personen in den Gewerkschaften Ihre Position aus, um egoistische unangemessene Forderungen durchzusetzen in für die gesamte Bevölkerung wichtigen Bereichen.
Für mich schon längst ein Grund, da einzuschreiten.
Ich kann mir schon denken, wer die folgende Zeche bezahlen wird inkl. der entstehenden Schäden und folgenden Förderungen durch den Staat.
Wie lange wird das noch geduldet???

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