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31.03.2014

16:28 Uhr

Lufthansa-Tarifkonflikt

425.000 Geiseln

Die Fronten im Streit zwischen Piloten und Lufthansa sind verhärtet. Der Drei-Tages Streik wird einer der größten in der Firmengeschichte, 3.800 Flüge fallen aus. Die Parteien schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Die Fronten zwischen Piloten und der Lufthansa sind verhärtet. ap

Die Fronten zwischen Piloten und der Lufthansa sind verhärtet.

DüsseldorfEs sind dramatische Worte, die die Lufthansa gewählt hat: Der Streik der Piloten sei „einer der größten Ausstände in der Geschichte“ des Unternehmens. Es gebe „massive Flugausfälle“, mehr als 425.000 Fluggäste seien betroffen, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Die vielen Superlative zeigen es: Die Fronten zwischen der Fluggesellschaft und der Pilotenvereinigung Cockpit sind verhärtet. Von Mittwoch bis Freitag wollen die Piloten ihre Arbeit niederlegen. Leidtragende bei dem Machtkampf sind vor allem die Kunden, die nicht transportiert werden.

Der Konflikt schwelt bereits seit zwei Jahren. Solange hat sich die Lufthansa mit ihren Piloten nicht auf einen neuen Gehaltstarif geeinigt. Die Kündigung der betrieblichen Altersversorgung und der sogenannten Übergangsversorgung zu Ende 2013 brachten das Fass für die Piloten zum Überlaufen. In einer Urabstimmung hatten sie zu 99,1 Prozent für einen Arbeitskampf zu diesem Thema gestimmt.

Bislang wurden die Piloten spätestens mit 60 Jahren in Rente geschickt. Doch der Europäische Gerichtshof (EuGH) erklärte die entsprechende Regelung 2011 für unzulässig. Da sie jetzt bis 65 arbeiten könnten, entfalle auch die Notwendigkeit einer Übergangsversorgung, argumentierte kurzerhand die Lufthansa. Der Vertrag sei deshalb zum 31. Dezember 2013 gekündigt worden.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Die Piloten sind außer sich und greifen zu harten Maßnahmen. Dabei hat die Vereinigung Cockpit (VC) bislang eher selten gestreikt. Den letzten mehrtägigen Arbeitskampf bestritten die Piloten im Mai 2001. Der im Februar 2010 auf zunächst vier Tage angesetzte Streik wurde bereits nach einem Tag abgebrochen, da sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht Frankfurt auf neue Verhandlungen einigten. Damals waren an einem Streiktag rund 1000 Flüge ausgefallen.

Die Parteien schieben sich nun gegenseitig die Schuld zu. „Ich bedaure zutiefst, dass die Vereinigung Cockpit nicht bereit ist, ohne Arbeitskampf und auf dem Verhandlungswege mit uns zu einer Lösung zu kommen“, sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens. „Wir haben sowohl für eine verbesserte Vergütung als auch für eine künftige Regelung zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Flugdienst gute Angebote gemacht.“ Dass die Gewerkschaft VC auf dieser Basis gleich zu einem dreitägigen Streik aufruft, sei schwer nachvollziehbar.

Kommentare (7)

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31.03.2014, 16:38 Uhr

Naja, wir alle sind doch Geiseln der Reichen. Die wollen ihr Geld immer gewinnbringender arbeiten lassen, indem sie denen, die arbeiten immer weniger zahlen. Die Arbeitenden haben NUR die Waffe Streik. Ohne Streiks würden wir alle für 1ct/Stunde arbeiten gehen; die Reichen würden 99.999% der Vermögen der Wlet besitzen.

Und so gesehen ist die Wortwahl etwas unglücklich. Mögen die Piloten ihre Forderungen durchsetzen, und den Eignern etwas abringen!

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31.03.2014, 17:23 Uhr

Ich fliege schon lange nicht mehr mit LH. So wird LH auch noch ruiniert, siehe AirBerlin! Wer bezahlt den Millionenschaden u. die Forderungen?? Natürlich die Fluggäste. Wird fliegen eben wieder teurer!! Gegen Dummheit kann man nichts machen!

Als Pilot verdient man zwischen 8000 und 15000 Euro brutto pro Monat. Das Einstiegsgehalt ist
bei den meisten Airlines nicht ganz so hoch, aber spätestens bei Beförderung zum Kapitän rentiert sich das Ganze auf jeden Fall.
Das wird wohl reichen zum Leben!!!

Account gelöscht!

31.03.2014, 17:48 Uhr

Problem ist das Streikrecht.

Das macht es möglich, dass kleine, eher privilegierte Berufsgruppen, wie die Lufthansa-Piloten, ihre materiellen Interessen ohne Rücksicht auf volkswirtschaftliche Versluste, durchzusetzen.

Möge die Lufthansa diesem dreisten Erpressungsversuch standhalten.

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