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23.08.2012

10:46 Uhr

Lufthansa-Tarifkonflikt

Fünf Tage für den letzten Versuch

Die Gewerkschaft Ufo und die Lufthansa wollen es noch einmal versuchen. Bis Montag suchen die Verhandlungspartner nach einer Lösung im Tarifkonflikt. Ohne Einigung wollen die Flugbegleiter streiken.

Flugbegleiter der Lufthansa. dapd

Flugbegleiter der Lufthansa.

Frankfurt Die Flugbegleiter der Lufthansa drohen der Airline ab Dienstag mit Streik. Falls in dem Tarifkonflikt in den nächsten fünf Tagen keine Einigung erzielt werde, „werden wir ab Dienstag nächster Woche zu konkreten Arbeitskampfmaßnahmen aufrufen“, teilte die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Donnerstag mit. Die neue Verhandlungsrunde mit der Lufthansa sei „ein klar terminierter, letzter Versuch“.

Die Fronten in dem seit gut einem Jahr dauernden Tarifstreit sind verhärtet. Die Lufthansa hatte am Vortag noch ein verbessertes Gehaltsangebot für die 18.000 Flugbegleiter vorgelegt. Großen Anklang fand der Vorschlag nicht: Die Offerte sei nicht verhandelbar, da es sich „erwartungsgemäß um ein reines Spar- und Forderungspaket“ handle, erklärte die Gewerkschaft. Frischen Wind in die Sache brachte nun, dass Lufthansa-Passagiervorstand Peter Gerber die Gespräche zur Chefsache erklärte - ein aus Ufo-Sicht längst überfälliger Schritt.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Ufo verlangt nach mehreren Nullrunden fünf Prozent höhere Entgelte. Laut der Lufthansa verdient ein Flugbegleiter in der letzten Tarifstufe mehr als 4000 Euro brutto im Monat. Das Einstiegsgehalt beträgt 1780 Euro inklusive Zulagen. Alle zwei Jahre erfolgt die Einstufung in die nächsthöhere Tarifstufe, von denen es derzeit 17 gibt. Der Servicechef an Bord kann nach Lufthansa-Angaben auf 7000 Euro Bruttoverdienst im Monat und mehr kommen.

Ufo fordert nicht nur höhere Gehälter, sondern stemmt sich auch gegen den Sparkurs des Dax-Konzerns. Unternehmensweit will die Lufthansa den operativen Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigern.

Streiks sind in der Luftfahrtbranche keine Seltenheit. Kleine Gewerkschaften wie Ufo, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Fluglotsen-Organisation GdF sind straff organisiert und schlagkräftig. Mitarbeiter an wichtigen Schaltstellen können mit einem Ausstand eine ganze Fluggesellschaft oder einen Airport weitgehend lahmlegen.

Zuletzt hatte sich das bei der GdF gezeigt. Im Februar legten 200 Flugzeugeinweiser am Frankfurter Flughafen ihre Arbeit wiederholt nieder - rund 1800 Flüge fielen aus. Ufo wollte die Lufthansa zuletzt im Januar 2009 bestreiken - der Konflikt konnte aber in letzter Minute durch eine Tarifeinigung beigelegt werden.

Am Dienstag hatte der Aufsichtsrat-Chef und ehemalige Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Jürgen Weber, dem Konzernmanagement im Tarifstreit zu einer harten Linie gegenüber den Arbeitnehmern geraten. „Besser man lässt es zum großen Knall kommen, bevor sich das Unternehmen aus dem Wettbewerb katapultiert“, sagte Weber der Wochenzeitung „Die Zeit“. Im harten Konkurrenzkampf der Branche hätten es die Gewerkschaften vor Jahren verhindert, einen echten Billigflieger unter dem Konzerndach der Lufthansa zu etablieren. Darunter leide der Konzern heute.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Kommentare (1)

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flyupsidedownts

24.08.2012, 23:11 Uhr

Der Konzern leidet nicht unter der Nichteinführung einer Billigmarke sondern einem aufgeblähten Verwaltungsapparat, der nur damit beschäftigt ist sich zu Controllen. LH ist ein Controlling Betrieb mit angeschlossenem Flugebtrieb. Hätte sich das Management die letzten Jahre nicht nur damit beschäftigt wie man Tarifvertäge durch Auslagerungen umgehen könnte, sondern sich auf das Produkt und neue Absatzmärkte konzentriert, wäre man jetzt die wirklich Nummer eins. Aber die Herren Manager wissen ja alles so viel besser und wenn's dann mal wieder nicht klappt kann man es sich ja beim Personal wieder hohlen.

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