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16.02.2017

17:17 Uhr

Lufthansa-Tarifkonflikt

Piloten sehen Gespräche „schwer belastet“

Bei Lufthansa hängt nach dem Gehaltskompromiss mit den Piloten der Haussegen noch immer schief. Das Unternehmen will noch mehr Jets kostengünstiger fliegen lassen. Die Vereinigung Cockpit ist sauer.

Die Atmosphäre zwischen der Airline und ihren Piloten könnte besser sein. dpa

Lufthansa

Die Atmosphäre zwischen der Airline und ihren Piloten könnte besser sein.

FrankfurtNach dem Gehaltskompromiss für die Lufthansa-Piloten sieht die Vereinigung Cockpit (VC) die weiteren Tarifgespräche als schwer belastet an. Grund ist die gleichzeitige Ankündigung des Konzerns vom Mittwoch, 40 weitere Flugzeuge der Kernmarke Lufthansa nicht mehr mit Piloten zu besetzen, die nach den Regeln des Konzerntarifvertrags bezahlt werden. „Langfristig schrumpft damit die Flotte der Lufthansa Classic“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Donnerstag der Deutschen Presseagentur.

Die VC rechnet damit, dass Flugzeuge, die in den kommenden Jahren aus der Lufthansa-Flotte ausscheiden, durch neue Jets bei anderen Teilgesellschaften ersetzt werden. Es sei noch nicht klar, wie schnell dieser Prozess ablaufe, sagte Wahl. Gleichzeitig schrumpfe die Gruppe der zuletzt noch 5400 Stammpiloten, weil Lufthansa schon seit Jahren zu den Bedingungen des Konzerntarifvertrags (KTV) keine neuen Flugzeugführer mehr einstellt. Wenn die Jets schneller aus der Flotte genommen würden, als Piloten in den Ruhestand wechseln, könne es zu Personalüberhängen kommen.

Tarifkonflikt: Lufthansa und Piloten legen Lohn-Streit bei

Tarifkonflikt

Lufthansa und Piloten legen Lohn-Streit bei

Die Lufthansa und ihre Piloten stimmen der Empfehlung des Schlichters zu und legen den Lohntarifstreit bei. Die Piloten erhalten nun über sieben Jahre 8,7 Prozent mehr Geld. Doch es gibt weiter ungelöste Probleme.

„Die Kollegen sind über das Vorgehen der Lufthansa empört“, sagte Wahl. Dennoch empfehle die Tarifkommission die Annahme des am Mittwoch erreichten Schlichtungskompromisses zum Gehalt. Gerade beim Vergütungstarifvertrag sei man am längsten ohne Abschluss gewesen. Die Piloten sollen neben einer Einmalzahlung Gehaltsteigerungen von 8,7 Prozent in vier Stufen erhalten. Die Urabstimmung läuft bis Ende März.

In einem Interview für Mitarbeitermedien stellte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens hingegen klar, dass die zusätzlichen Gehaltkosten von 85 Millionen Euro pro Jahr kompensiert werden müssten. Dies könne auch auf anderen Wegen als über die Flottenplanung geschehen. „Da aber noch genug andere Tarifverträge offen sind (...), gibt es alternative Möglichkeiten, im Zuge einer Gesamtlösung die Kosten deutlich zu senken“, erklärte sie.

Nun müssten unverzüglich neue Gespräche zu den anderen offenen Tarifthemen aufgenommen werden, sagte Wahl. „Allerdings ist der Einstieg durch die angekündigte Auslagerung schwer belastet.“ Noch sei unklar, ob erneut nach einer Gesamtlösung gesucht oder ein Einzelthema angegangen werde. Große Meinungsunterschiede gibt es sowohl bei der Ausgestaltung des Vorruhestands als auch bei den Betriebsrenten und den Bestimmungen des Manteltarifs. Hier seien auch neue Streiks möglich.

Tarifstreit zwischen Lufthansa und ihren Piloten

Lufthansa und ihre Piloten am Scheideweg

Nach 14 Streiks, 500 Millionen Euro Kosten, ungezählten Verhandlungsrunden und einer Schlichtung stehen Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Scheideweg. Legen die Streithähne ihren bereits 2012 begonnenen Tarifkonflikt bei oder wird der einvernehmliche Weg in die Airline-Zukunft endgültig verbaut? Der Schlichter Gunter Pleuger hat seine Vorstellungen zum Teilaspekt der Gehaltsstrukturen für rund 5400 Piloten auf den Tisch gelegt. Doch es geht um viel mehr als nur um Geld.

Über was mussten die Tarifparteien entscheiden?

Formal ging es in der Mitte Januar begonnenen Schlichtung ausschließlich um die Gehälter der 5400 Piloten, die nach dem Konzerntarifvertrag für die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings fliegen. Pleugers Schlichterspruch musste sich folglich auf dieses Thema beschränken.

Was schlägt der Schlichter vor?

Auf Basis der Einigung erhalten die 5400 Lufthansa-Piloten nun 8,7 Prozent mehr Geld über sieben Jahre. Sie hatten rückwirkend ab 2012 rund 3,7 Prozent mehr Gehalt im Jahr gefordert. Die Lufthansa bot bei einer Laufzeit von sechs Jahren eine Lohnsteigerung von 0,7 Prozent pro Jahr.

Warum bringt ein Gehaltskompromiss allein keinen Frieden?

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister hat bereits klargemacht, dass zusätzliche Kostenbelastungen an anderer Stelle wieder hereingeholt werden müssten. Zwischen Lufthansa und der VC gibt es noch etliche weitere ungelöste Tarifprobleme, mit schwierigen Regelungen zum Vorruhestand und zu den Betriebsrenten an der Spitze. Auch zu diesen Fragen könnte die VC jederzeit Streiks vom Zaun brechen. Ein isolierter Gehaltsabschluss könnte die weiteren Gespräche sogar erschweren, weil damit die Verhandlungsmasse kleiner würde. In der Vergangenheit hatte der Vergütungstarifvertrag häufig als „Verschiebebahnhof“ fungiert, wenn für andere Regelungen ein Ausgleich gesucht wurde.

Um was geht es wirklich?

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will unbedingt spürbare Kostensenkungen auch in den Cockpits durchsetzen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die gut verdienenden Piloten streiten für den Fortbestand ihrer hergebrachten Lufthansa mit garantierten Arbeitsplätzen und geplantem Wachstum innerhalb des Konzerntarifvertrags (KTV). Aus ihrer Sicht wollen sie nicht „erpressbar“ sein, wenn Lufthansa immer mehr Strecken auf andere Konzerngesellschaften verlagert, deren Piloten nicht nach dem KTV bezahlt werden. Schon jetzt sind die KTV-Piloten in der Minderheit, denn bei den Konzerngesellschaften Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings wird überall weniger verdient.

Warum soll gerade jetzt der große Durchbruch gelingen?

Weil intern alle Argumente auf dem Tisch liegen. Es hat vor, während und nach der Schlichtung immer wieder parallele Sondierungen gegeben, um nach einer Gesamtlösung zu suchen. Ohne sie scheint ein isolierter Gehaltstarifvertrag die Lage eher zu komplizieren.

Die VC hat im gesamten Tarifkonflikt seit April 2014 bereits 14 Mal gestreikt. In der Vorruhestandsfrage gibt es auch eine Urabstimmung aus dem Jahr 2014, bei der mehr als 90 Prozent der Teilnehmer ihre Bereitschaft zu Arbeitskämpfen erklärt hatten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Bernhard Ramseyer

16.02.2017, 17:30 Uhr

„Langfristig schrumpft damit die Flotte der Lufthansa Classic“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Donnerstag der Deutschen Presseagentur."

Ja natürlich, da das Unternehmen sonst untergeht und sich die VC-Angehörigen richtig die Taschen voll machen. Ist das so schwer zu verstehen? Die Piloten gehören doch zu den Intelligenten. Wenn VC so weiter macht, wird künftig die Flotte der Lufthansa Classic noch stärker schrumpfen.

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