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26.11.2016

15:48 Uhr

Lufthansa-Tarifkonflikt

Streikpause ja, Einigung nein

Die Vorwürfe ebben nicht ab, doch eine Lösung hat niemand so recht parat. Der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten spitzt sich immer weiter zu – auf Kosten der Fluggäste.

Lufthansa-Streik

„Keine Aussicht auf Einigungen“

Lufthansa-Streik: „Keine Aussicht auf Einigungen“

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Frankfurt/BerlinLufthansa-Passagiere können nach vier Tagen Pilotenstreik am Sonntag wieder mit einem weitgehend normalen Flugbetrieb rechnen. „Es wird jedoch aufgrund der vorangegangenen Streiktage noch zu vereinzelten Flugstreichungen kommen“, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Kunden sollten sich vorsorglich im Internet vorab über ihren Flug informieren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte nach ihrer Absage an das jüngste Angebot der Lufthansa zunächst nicht zu weiteren Streiks aufgerufen.

Das geschehe aus Rücksicht auf die Kunden, sagte ein Sprecher der VC. Ob und wann die Gewerkschaft möglicherweise bereits für Montag erneut zum Streik aufruft, war am Samstagnachmittag offen. Die VC betonte, es gelte die Zusage, dass weitere Aktionen wie bisher mindestens 24 Stunden im Voraus angekündigt werden sollten. Bereits am Freitag hatte die Gewerkschaft betont, dass es kein Enddatum für den Streik gebe. Am Samstag zwang der Ausstand die Lufthansa zur Absage von 137 Flügen, darunter 88 Interkontinental-Verbindungen.

Immer wieder Streiks bei Lufthansa und ihren Töchtern

Frühjahr 2001

Flugkapitäne der Lufthansa legen mehrmals die Arbeit nieder. Von dem Premieren-Streik sind mehrere tausend Verbindungen betroffen. Am Ende erstreitet die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ihren ersten Tarifvertrag. (Quelle: DPA)

Sommer 2008

Das Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa streikt fünf Tage lang. Mehrere hundert Flüge fallen aus. Die Gewerkschaft Verdi und das Unternehmen einigen sich am Ende auf höhere Gehälter.

September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, es trifft über 100.000 Passagiere. Beide Seiten beschließen eine Schlichtung.

April 2013

Ein Warnstreik des Bodenpersonals legt den Flugverkehr der Lufthansa in Deutschland fast lahm. Der Airline zufolge sind rund 150.000 Passagiere betroffen. Im Mai verabreden Verdi und der Konzern anschließend gestufte Entgelterhöhungen und einen Kündigungsschutz.

2. bis 4. April 2014

Start einer Streikserie von mittlerweile 13 Runden der Lufthansa-Piloten. Anfangs fallen rund 3800 Flüge aus. Es geht um Übergangsrenten, Gehalt, Altersvorsorge und im Hintergrund auch immer um die Billigtochter Eurowings.

6. Juli 2015

Die Piloten erklären die im Mai begonnene Schlichtung für gescheitert. Drei Wochen später bieten sie Lufthansa Einsparungen von über 400 Millionen Euro an, um Job-Verlagerungen zu verhindern.

8. bis 9. September 2015

16 Stunden Ausstand auf der Langstrecke sowie am folgenden Tag auch auf den Kurz- und Mittelstrecken. Das Landesarbeitsgericht Hessen erklärt den Ausstand für unrechtmäßig, weil die VC tariffremde Ziele verfolge.

6. November 2015

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo startet einen einwöchigen Ausstand des Lufthansa-Kabinenpersonals. Der Konflikt wird schließlich vom SPD-Politiker Matthias Platzeck geschlichtet.

27. Oktober 2016

Ufo ruft bei Eurowings und Germanwings das Kabinenpersonal zu einem 24-stündigen Streik auf.

22. November 2016

Ufo-Mitglieder legen an den Standorten Düsseldorf und Hamburg die Arbeit nieder.

23. November 2016

Nachdem Verhandlungen über die Vergütung von rund 5400 Piloten der Kerngesellschaft Lufthansa und der Tochter Germanwings gescheitert sind, ruft die VC erneut zum Streik auf.

Seit Mittwoch strich die Airline insgesamt 2755 Flüge; davon betroffen waren insgesamt rund 345.000 Kunde. Gleichwohl konnte die Lufthansa-Gruppe am Samstag 2863 von 3000 geplanten Flügen anbieten. Flüge der Billigtöchter Eurowings und Germanwings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti wurden am Samstag erneut nicht bestreikt. Inhaltlich sind sich beide Seiten seit Streikbeginn keinen Schritt näher gekommen.

Zwar hatte die Lufthansa am Freitag ein weiteres umfassendes Angebot vorgelegt, die VC verwarf das aber als Ablenkungsmanöver. Aus Sicht der Piloten war das erneuerte Angebot der Lufthansa keine Grundlage für neue Gespräche. „Das ist alter Wein in neuen Schläuchen“, sagte ein VC-Sprecher am Freitagabend.

Die Inhalte des Angebots habe Lufthansa bereits vor zwei Monaten auf den Tisch gelegt, in Wahrheit gehe es nicht um ein neues Angebot. „Im Ergebnis heißt das „rechte Tasche-linke Tasche“ und ist kein Versuch zu Ergebnissen zu kommen, sondern ein PR-Schachzug“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg.

Im Einzelnen sah das Angebot 4,4 Prozent Gehaltsteigerungen in zwei Stufen bis Mitte 2018 vor. Auch die anderen offenen Tarifthemen wie die Betriebs- und Übergangsrenten sollten in neuen Verhandlungen gelöst werden – möglicherweise mit Hilfe eines Mediators. „Da eine Schlichtung seitens der VC bedauerlicherweise bislang kategorisch ausgeschlossen wird, würde ich gerne mit der VC diese Chance ergreifen, um die bestehenden Gräben zu überwinden“, sagte Personalchefin Bettina Volkens laut einer Mitteilung.

Von

dpa

Kommentare (13)

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Frau Lana Ebsel

25.11.2016, 12:29 Uhr

Es ist zwar schade für Deutschland, aber die größenwahnsinnigen Piloten schaffen gerade die Lufthansa und ihre eigenen Arbeitsplätze ab. Im Endeffekt muss sich die Lufthansa im Ausland neu gründen, um diesem Schwachsinn zu entgehen.

Account gelöscht!

25.11.2016, 12:34 Uhr

14. STREIK in den letzten Jahren der Piloten.


Denen scheint -sowie bei sehr vielen Poltikern- der Beruf und den Vorteilen mit dem Salär zu Kopf gestiegen zu sein.


Weiter so.


Herr Hans Glück

25.11.2016, 12:39 Uhr

Lufthansapiloten gehören in Europa zu den bestbezahlten. Piloten von Ryanair können von solchen Gehältern nur träumen und auf einen Schlag 22% mehr Gehalt wollen, dann endet Lufthansa da, wo Swiss Air vor Jahren gelandet ist, in der Pleite. Dümmer geht es meiner Meinung nach nicht mehr. Da hab ich als Arbeitnehmer kein Verständnis mehr für die "abgehobenen" Lufthanseaten.

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