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22.07.2016

17:58 Uhr

Lufthansa Technik

Experte für Flugzeugwartung baut 700 Stellen ab

Lufthansa Technik ist Weltmarktführer in der Wartung von Flugzeugen. Wegen einer neuen Triebwerksgeneration, die seltener überholt werden muss, spart die Lufthansa-Tochter nun Stellen ein: 700 Jobs sind betroffen.

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Lufthansa Technik, Verdi und der Betriebsrat auf eine Zukunft für die Triebwerksüberholung am Standort Hamburg verständigt. dpa

Lufthansa Technik

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Lufthansa Technik, Verdi und der Betriebsrat auf eine Zukunft für die Triebwerksüberholung am Standort Hamburg verständigt.

FrankfurtBei Lufthansa Technik müssen wegen einer neuen Triebwerksgeneration mehrere Hundert Leute gehen. Mit der Gewerkschaft Verdi und dem Betriebsrat sei vereinbart worden, die Zahl der Mitarbeiter in der Triebwerksüberholung von derzeit 2000 auf 1300 zu senken, teilte Lufthansa Technik am Freitag mit.

Am Stammsitz in Hamburg verbleiben dann noch 1100 Arbeitsplätze. Die Stellen sollten in den nächsten fünf bis acht Jahren abgebaut werden, vor allem über Regelungen für den vorzeitigen Ruhestand. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, sagte ein Sprecher von Lufthansa Technik.

Geschuldet ist der Umbau dem technischen Wandel. Neue Triebwerke müssen über die Einsatzzeit von 20 Jahren nicht wie bisher dreimal, sondern nur noch zweimal überholt werden. Zudem gehen die Hersteller wie Rolls-Royce, Pratt & Whitney und General Electric zunehmend dazu über, zusammen mit dem Verkauf der Antriebe auch langfristige Wartungsverträge abzuschließen. Ein Geschäftsfeld, in dem Lufthansa Technik als unabhängiger Dienstleister stark ist.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

„Wir haben erkannt, dass wir günstiger werden müssen, und das trifft auch die Mitarbeiter“, sagte der Sprecher. Wie hoch die nun vereinbarten Kosteneinsparungen ausfallen, könne nicht veröffentlicht werden. Gleichzeitig werde in dem Bereich künftig rund um die Uhr gearbeitet, um die Anlagen besser auszulasten. Für neue Maschinen und die Schulung der Mitarbeiter seien 80 Millionen Euro vorgesehen.

Lufthansa Technik ist Weltmarktführer bei der Wartung, Reparatur und Überholung von Flugzeugen und beschäftigt rund um den Globus mehr als 20.000 Mitarbeiter. Die 100-prozentige Lufthansa-Tochter steigerte den Umsatz 2015 um 17,6 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn (bereinigtes Ebit) erhöhte sich um ein Fünftel auf 454 Millionen Euro.

Von

rtr

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