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21.03.2016

14:33 Uhr

Lufthansa

Technik-Tochter verdoppelt die Investitionen

Die Technik-Tochter des Lufthansa-Konzerns hat finanziell ein starkes Jahr hinter sich. Das eröffnet ihr die Möglichkeit, die Geschäfte international auszubauen. Größte Herausforderung ist die Digitalisierung.

Johannes Bußmann, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Technik steht in Hamburg in einer Wartungshalle der LHT vor einem Triebwerk eines Airbus 330 der Fluglinie Eurowings. Lufthansa Technik gab am Montag die Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2015 bekannt. dpa

Lufthansa Technik AG

Johannes Bußmann, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Technik steht in Hamburg in einer Wartungshalle der LHT vor einem Triebwerk eines Airbus 330 der Fluglinie Eurowings. Lufthansa Technik gab am Montag die Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2015 bekannt.

HamburgDie Lufthansa Technik will ihre Investitionen in diesem Jahr auf 354 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Das Geld solle vor allem in die weitere Internationalisierung des Geschäfts sowie die Stärkung der Innovationskraft fließen, sagte der Vorstandsvorsitzende Johannes Bußmann am Montag in Hamburg. „Derzeit gehen so viele neue Flugzeugtypen mit neuen Technologien, Materialien, Komponenten und Triebwerken in den Flugbetrieb wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, erklärte er. Die Lufthansa-Tochter sei als technischer Dienstleister auf die Entwicklung gut vorbereitet und betreue weltweit 800 Kunden und 3700 Flugzeuge.

Die bevorstehenden Marktveränderungen gehe das Unternehmen aus einer Position der Stärke an, um seine Position als Weltmarktführer für die Wartung, Überholung und Reparatur von zivilen Verkehrsflugzeugen zu behaupten. „Neue Fertigungsmethoden machen Flugzeuge und Triebwerke zuverlässiger und wartungsärmer“, sagte Bußmann. „Dadurch fällt schon einiges an Volumen für uns weg.“ Der Kostendruck steige, weil auch die Hersteller ihr Service-Geschäft ausbauen.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Im vergangenen Jahr steigerte der Tochterkonzern der Lufthansa den Umsatz um 17,6 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro und den bereinigten Gewinn vor Steuern und Zinsen um 20 Prozent auf 454 Millionen Euro. Der hohe Gewinn war durch Wechselkurseinflüsse begünstigt und ist nach Einschätzung des Managements vermutlich nicht wiederholbar. Lufthansa Technik beschäftigt weltweit rund 20 300 Mitarbeiter, davon mehr als 10 000 in Deutschland.

„Der für mich entscheidende Mega-Trend ist das Thema Digitalisierung“, sagte Bußmann. „Daten bestimmen auch die Zukunft unseres Geschäfts.“ Ein aktuelles Flugzeug wie der Airbus A350 liefere rund 400 000 Messparameter, beim A330 waren es noch 30 000. Die Herausforderung sei es, die ungeheuren Datenmengen zu sammeln und auszuwerten, um bei Bedarf frühzeitig eingreifen zu können.

Internet bei der Lufthansa: WLAN auf der Mittelstrecke noch in diesem Jahr

Internet bei der Lufthansa

WLAN auf der Mittelstrecke noch in diesem Jahr

Wie auf der Langstrecke sollen Lufthansa-Passagiere künftig auch auf Mittelstreckenflügen kostenpflichtig im Internet surfen können. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Maschinen mit WLAN-Routern ausgestattet werden.

Um die Nummer eins der Branche zu bleiben, müsse die Lufthansa Technik noch effizienter und internationaler werden. Zuletzt eröffnete das Unternehmen einen neuen Auslandsstandort in Puerto Rico und verbesserte damit die Präsenz im wichtigen amerikanischen Markt. Der Standort auf den Philippinen wurde wesentlich erweitert. Asien ist der wachstumsstärkste Teilmarkt für die Branche.

Von

dpa

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