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18.12.2016

08:35 Uhr

Lufthansa, Tuifly, Air Berlin

Europas Airlines in starken Turbulenzen

Der heftige Pilotenstreik bei der Lufthansa ist Ausdruck einer umfassenden Branchenkrise. Einst erbitterte Konkurrenten werden bald schon eng zusammenarbeiten – und ihre Leute schlechter bezahlen.

Von den heute rund 90 Jets soll die Flotte der Lufthansa-Tochter 2017/2018 auf 180 Maschinen zur europäischen Nummer drei wachsen. dpa

Eurowings

Von den heute rund 90 Jets soll die Flotte der Lufthansa-Tochter 2017/2018 auf 180 Maschinen zur europäischen Nummer drei wachsen.

Frankfurt/MainStreikchaos bei Lufthansa, Massen- Krankmeldungen bei Tuifly und die Dauerpatientin Air Berlin am Abgrund: In Deutschlands Luftfahrtbranche ist der Teufel los. Die massenhaften Flugausfälle, die Hunderttausende Reisende in den vergangenen Wochen ungewollt am Boden hielten, sind nur ein Symptom für die Umwälzungen der Branche, die mit dem Erfolg von Billigfliegern wie Ryanair und arabischen Luxus-Airlines wie Emirates begonnen hat. Die Luftfahrt sortiert sich neu – nicht nur in Deutschland. Für manche Fluglinie geht es ums Überleben.

Es sei nicht zu erwarten, dass die arabischen Herausforderer und Turkish Airlines von ihrem Konzept der Mega-Drehkreuze abgehen, sagt Dirk Bremer, Präsident des Travel Industry Clubs. Vor allem nach Südostasien sind die Umsteigeverbindungen in der Wüste attraktiv und machen den europäischen Anbietern das Leben schwer. Aber auch bei den Europaflügen stehen die etablierten Airlines mächtig unter Druck.

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

„Tempo ist für uns das Wichtigste“, sagt Matthias Wenk, Marketing-Manager beim wichtigsten Angreifer Ryanair. Jede Woche stellen die Iren mindestens eine neue Boeing 737-800 in Dienst, sind mit jährlich 119 Millionen Passagieren die am stärksten genutzte Airline Europas. Schlechte Nachrichten für die Konkurrenz: Zu den 353 Jets im Bestand sind 305 weitere Maschinen bestellt. Wichtigster Wachstumsmarkt ist Deutschland, wo die Iren bis 2020 ihren Marktanteil von derzeit 6 bis 7 auf dann 20 Prozent nahezu verdreifachen wollen.

Ausflüge auf die Langstrecke hat Ryanair nicht vor. „Wir konzentrieren uns auf das, was wir gut können – die Kurzstrecke“, sagt Wenk. Man sei im Gespräch mit sämtlichen europäischen Flughäfen und auch mit allen großen Netzgesellschaften wie der Lufthansa, für die man perspektivisch die Zubringerflüge übernehmen will. Dass man sich damit komplexere Abläufe bei den Passagier- und Gepäckströmen ins Haus holt, sei wohl nicht zu vermeiden, wenn man sein Geschäft ausweiten wolle.

Pilot und Flugbegleiter waren bis vor wenigen Jahren noch Jobs mit dem gewissen Etwas – das galt auch fürs Gehalt. Bei einstigen Staatsfluglinien wie der Lufthansa, aber auch bei etablierten Ferienfliegern wie Tuifly kann ein Flugkapitän immer noch deutlich mehr als 200.000 Euro im Jahr verdienen. Air Berlin beschäftigt noch Piloten der vor Jahren übernommenen LTU zu Konditionen, die den Düsseldorfer Ferienflieger einst zum Sanierungsfall gemacht hatten.

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