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30.06.2015

08:31 Uhr

Lufthansa

Ufo sagt Flugbegleiter-Streik für Mittwoch ab

Die Parteien kommen sich näher, endlich ist ein Durchbruch erzielt: Die Gewerkschaft Ufo sagt den für Mittwoch angedachten Streik der Lufthansa-Flugbegleiter ab. Die Tarifverhandlungen können wieder aufgenommen werden.

Die Gewerkschaft Ufo vertritt 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter. AFP

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Die Gewerkschaft Ufo vertritt 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter.

FrankfurtZehntausende Lufthansa-Passagiere können vorerst aufatmen: Die Flugbegleiter haben den für Mittwoch geplanten Streik nach Annäherungen in den zähen Tarifverhandlungen mit der Airline abgesagt. Das kündigte der Chef der Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters an. Darüber hinaus werde es zunächst bis Mitte Juli keine Ausstände geben.

Grund für die Absage: Die Lufthansa sei Ufo in allen wichtigen Punkten so weit entgegengekommen, dass Tarifverhandlungen wieder aufgenommen werden könnten. Zudem habe sich Konzernchef Carsten Spohr wie von den Arbeitnehmervertretern lange gefordert mit an den Verhandlungstisch gesetzt, erklärte Ufo. Die Gewerkschaft werde nun in weitere Gespräche mit dem Management und auch dem Konzernvorstand eintreten, „um zu gucken, wie wir das Ganze vertieft kriegen“.
Die Lufthansa bestätigte die vorläufige Einigung auf weitere Gespräche.

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Der Konzern zieht seine Flugzeuge für die Langstrecke aus Düsseldorf ab. In NRW ist die Airline künftig fast nur noch mit der Tochter Eurowings am Markt. Die nächsten Schritte in Richtung „Billig“ werden vorbereitet.

Beigelegt ist der Tarifclinch damit aus Ufo-Sicht aber noch nicht: Erst wenn es belastbare Fortschritte in den Verhandlungen gebe, könnten Streiks endgültig ausgeschlossen werden. Wenn die Gespräche bis Mitte Juli nicht erfolgreich verlaufen, „dann kann es danach auch tatsächlich wieder zu Arbeitskämpfen kommen“.

Die Gewerkschaft, die 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter vertritt, kämpft für die Beibehaltung der bisherigen Betriebsrente. Die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag wurden erst kürzlich nach einem Jahr abgebrochen. Gleichzeitig drohte Ufo mit einer massiven Streikwelle in der Hauptreisezeit im Sommer.

Ufo lieferte der Lufthansa zuletzt vor knapp drei Jahren einen Arbeitskampf. Im jetzigen Konflikt geht es um die Strategie des Dax-Konzerns und um die Tarifverträge für die Altersversorgung der Flugbegleiter - letztere kündigte die Lufthansa Ende 2013. Dem Unternehmen zufolge ist das bisherige System wegen der niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten und längeren Rentenzeiten nicht mehr bezahlbar. Eingeführt werden soll deshalb eine Vorsorge, bei der die Mitarbeiter stärker in die Finanzierung eingebunden sind.

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Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Konzernchef Spohr will zudem, dass Flugbegleiter, die bereits mit 55 Jahren in Vorruhestand gehen wollen, künftig weniger Geld erhalten. Die Lufthansa gab voriges Jahr rund 3,7 Milliarden Euro aus, um die Renten der Kabinenmitarbeiter zu finanzieren. Neben der Altersversorgung pocht Ufo auf acht Prozent mehr Lohn für zwei Jahre. Die Lufthansa bietet ein Gehaltsplus von 2,5 Prozent über zweieinhalb Jahre.

Von

rtr

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