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01.02.2017

13:10 Uhr

Lufthansa und Etihad

Partner mit unterschiedlichen Ansichten

VonJens Koenen

Lufthansa und Etihad feiern den Beginn einer neuen Partnerschaft. So arbeiten beide Airlines nun auch bei Catering und Wartung zusammen. Von tiefer Freundschaft wird diese Beziehung wohl nicht geprägt sein – vorerst.

Die Chefs von Lufthansa und Etihad stellten in Abu Dhabi Details zu ihrer Partnerschaft vor. dpa

Carsten Spohr (links) und James Hogan

Die Chefs von Lufthansa und Etihad stellten in Abu Dhabi Details zu ihrer Partnerschaft vor.

FrankfurtSein Unternehmen unter Wert verkaufen, das kommt für Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht infrage. Das zeigte sich gleich zu Beginn der gemeinsamen Pressekonferenz von Lufthansa und Etihad am Mittwoch. Die fand zwar in Abu Dhabi, dem Sitz von Etihad statt. Eröffnet wurde sie aber mit einem Werbefilm der Lufthansa.

Ob es Spohr schwer gefallen ist, gemeinsam mit Etihad-Chef James Hogan aufzutreten, ist nicht bekannt. Eines aber stellte der Konzernchef auch in Abu Dhabi noch einmal klar: Seine Kritik, dass die Airlines vom Persischen Golf staatlich sehr stark unterstützt, ja subventioniert werden, hält er aufrecht. „Daran hat sich nichts geändert“, sagt Spohr: „Aber ich stimme mit James insofern überein, als dass man abweichende Ansichten vertreten und trotzdem Partner sein kann.“

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Ein Konflikt ohne Ende

Die Schlichtung im Tarifstreit mit den Lufthansa-Piloten ist beendet. Ob es zu einer Einigung kommt oder neue Streiks drohen, bleibt offen. Warum eine Lösung in dem verfahrenen Konflikt so schwer fällt.

Und das sind beide Airlines mit dem heutigen Tag nicht mehr nur auf dem Papier. Das kurz vor Weihnachten vereinbarte Codeshare-Abkommen zwischen den beiden Fluggesellschaften startete parallel zur Pressekonferenz. Dabei bekommen Etihad-Flüge zwischen Abu Dhabi und Frankfurt sowie München auch eine Flugnummer der Lufthansa. Lufthansa-Flüge zwischen Frankfurt und Rio de Janeiro sowie Frankfurt und Bogota erhalten wiederum eine Etihad-Flugnummer.

„Wir wollen den Passagieren damit ein nahtloses Reiseerlebnis liefern“, erklärte Spohr. Und damit das künftig noch besser funktioniert, wird Etihad an den beiden Drehkreuzen Frankfurt und München in das dortige Lufthansa-Terminal umziehen. „Die Partnerschaft ist gut für Etihad und Lufthansa, aber auch für die Passagiere, die dadurch viel mehr Möglichkeiten erhalten“, sagte der in der zweiten Jahreshälfte scheidende Etihad-Chef Hogan.

Die Baustellen bei Eurowings

Große Herausforderungen für den neuen Chef

Lufthansa hat die Latte für sein neues Vorstandsmitglied Thorsten Dirks ordentlich hoch gelegt. Der frühere Chef der Telekommunikationsanbieter E-Plus und O2 muss ab Mai das Billigkonzept Eurowings zum Erfolg führen, nicht weniger erwarten Aufsichtsrat und Konzernchef Carsten Spohr von dem 53-Jährigen. Neben seiner Rolle als Ideengeber für neue Digitalstrategien muss der frühere Luftwaffen-Pilot handfeste Airline-Probleme lösen, denn die aktuell in der Verlustzone operierende Eurowings ist kompliziert aufgebaut und teurer als die Konkurrenz.

Komplizierte Integration

Die Billig-Plattform Eurowings soll eigentlich auch externen Fluggesellschaften offenstehen. Bislang sind aber nur Gesellschaften der Lufthansa-Familie unter Wings-Flagge unterwegs: Eurowings, Germanwings, die Wiener Eurowings Europe und SunExpress. 2017 kommen die kürzlich komplett übernommene Brussels Airlines und bis zu 35 Jets der Air Berlin dazu, die im so genannten „Wet Lease“ zugemietet werden sollen – die niedrigste vorgesehene Kooperationsstufe mit einem Externen. Lufthansa hat ein detailliertes Regelwerk für die neu zu gewinnenden Partner aufgestellt. „Alles, womit der Kunde in Berührung kommt, soll gleich sein“, sagt der scheidende Vorstand Karl Ulrich Garnadt. Bei der Integration könnten Dirks Erfahrungen aus der Fusion der Mobilfunker E-Plus und O2 sehr nützlich sein.

Wackelkandidat Air Berlin

Wenn alles klappt, gehen die 35 Jets der Air Berlin samt Personal ab Ende März 2017 für Eurowings an den Start. Der mehrjährige Mietvertrag gehört zum Rettungspaket, das AB-Großaktionär Etihad für seine deutsche Beteiligung geschnürt hat, die aber erst einmal über den einnahmeschwachen Winter gebracht werden muss. Helfen soll dabei die 300-Millionen-Euro-Spritze, die Etihad offiziell für den Verkauf der AB-Tochter Niki lockergemacht hat. Doch auch damit ist Air Berlin nicht aus dem Schneider. Dem Vernehmen nach zahlt Eurowings für die Flieger so wenig Miete, dass Air Berlin auch 2017 Geld drauflegt. Seit Jahren hält sich die Gesellschaft nur dank der arabischen Finanzspritzen in der Luft. Ein Aus würde künftig auch Eurowings treffen. Lufthansa-Insider behaupten aber, das Problem einer möglichen Insolvenz im Griff zu haben und den Flugbetrieb auch in diesem Fall schnell weiterführen zu können.

Kein Frieden mit den Gewerkschaften

In den zersplitterten Fluggesellschaften, die Flüge der Marke Eurowings anbieten, haben unterschiedliche Gewerkschaften das Sagen, die zudem nach Berufsgruppen aufgeteilt sind. Die Piloten der Vereinigung Cockpit bekämpfen das Wings-Konzept ohnehin nach Kräften, legten in der Vergangenheit auch immer wieder die größte Teilgesellschaft Germanwings lahm. Beim Kabinenpersonal der kleineren Eurowings GmbH bekämpfen sich die Gewerkschaften Verdi und Ufo mit wechselnden Streikszenarien, wobei eine Klarstellung durch das Tarifeinheitsgesetz noch in weiter Ferne liegt. Bei den Passagieren kann sich der Eindruck festsetzen, dass bei Eurowings und Lufthansa immer irgendwo gestreikt werde.

Kaum noch Nischen

Lufthansa bietet im Eurowings-Plattformkonzept auch Fernflüge an. In den wenigen, ebenfalls geleasten Langstreckenjets sitzen Piloten der deutsch-türkischen Sun Express. Lowcost rechnet sich auf lange Entfernungen aber deutlich schlechter, weil Crews übernachten müssen und komplizierte Umläufe entstehen. Technische Probleme können schnell zu massiven Verspätungen führen, wie die Lufthansa-Tochter bereits mehrfach schmerzhaft erfahren hat. Außerdem drängen andere Gesellschaften wie Norwegian und WOW Air (über Island) in das Nordatlantikgeschäft. Aus den asiatischen Massenmärkten will unter anderem der malaysische Billigriese Air Asia künftig nach Europa und zurück fliegen.

Brexit macht Billig-Konkurrenz aggressiver

Eigentlich könnte der Brexit der Lufthansa fast schnuppe sein. Das Großbritannien-Geschäft ist für den Konzern nicht bedeutend, und das billige britische Pfund lockt zusätzliche Urlauber auf die Insel. Doch der erwartete EU-Austritt des Landes treibt Europas größten Billigflieger Ryanair aus Irland noch stärker auf den Kontinent. Ryanair-Chef Michael O'Leary will seine für das nächste Geschäftsjahr erwarteten 50 neuen Flugzeuge nur außerhalb Großbritanniens einsetzen. Die britische Rivalin Easyjet fürchtet um ihre Verkehrsrechte - und plant den Aufbau eines Flugbetriebs innerhalb der Europäischen Union. Für Lufthansa und ihre Tochter Eurowings droht der Wettbewerb noch härter zu werden, weil sie trotz aller Anstrengungen das Kostenniveau der Herausforderer nicht erreicht. Schon heute macht der Ansturm der Konkurrenz dem Konzern an vielen deutschen Flughäfen zu schaffen. Ab März landet Ryanair auch am größten Lufthansa-Drehkreuz in Frankfurt.

Gleichzeitig kündigten beide Unternehmen eine Zusammenarbeit auch jenseits des eigentlichen Fliegens an. So wird die Lufthansa-Cateringtochter LSG Skychefs in den kommenden vier Jahren Etihad-Flugzeuge jenseits des Heimatflughafens Abu Dhabi mit Essen und Getränke versorgen. „LSG wird damit unserer wichtigster Caterer außerhalb von Abu Dhabi“, sagte Hogan.

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