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11.12.2015

14:26 Uhr

Lufthansa und Eurowings

50.000 Euro sollen Piloten zur Billig-Tochter locken

Die Lufthansa will Eurowings zur Billigfluglinie ausbauen. Doch wegen des geringen Gehalts mangelt es dem Ableger noch an Piloten. Nun erwägt der Konzern eine saftige Prämie für wechselwillige Flugzeugführer.

Als Ausgleich für das geringere Gehalt beim Billigableger sollen die Beschäftigten 50.000 Euro als Einmalzahlung bekommen. dpa

Lufthansa-Pilot

Als Ausgleich für das geringere Gehalt beim Billigableger sollen die Beschäftigten 50.000 Euro als Einmalzahlung bekommen.

BerlinAuf der Suche nach geeigneten Piloten für die Billig-Tochter Eurowings erwägt die Lufthansa eine Prämie von 50.000 Euro für Flugzeugführer. Die Pläne würden derzeit mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt, sagte ein Konzern-Sprecher am Freitag und bestätigte damit Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“. Die Airline strebt an, dass sich konzerneigene Kapitäne oder langjährige Kopiloten für bis zu drei Jahre beurlauben lassen können, um für Eurowings zu arbeiten. Die Piloten müssten nach zwei Jahren entscheiden, ob sie bleiben oder auf ihren eigentlichen Posten zurückkehren wollen.

Als Ausgleich für das geringere Gehalt beim Billigableger sollen die Beschäftigten die Prämie als Einmalzahlung bekommen. „Wir sehen das als win-win Situation“, sagte der Sprecher. „Eurowings bekommt erfahrene Piloten und die Piloten, die in Bereichen arbeiten, die schrumpfen, bekommen Perspektiven.“

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Die Lufthansa will Eurowings zur Billigfluglinie ausbauen und die Kosten im Vergleich zur angestammten Kranichlinie um rund 40 Prozent senken. Dies stößt auf Kritik unter anderem der Piloten, was zu einem zähen Tarifstreit geführt hat.

Von

rtr

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