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14.11.2016

17:06 Uhr

Lufthansa

Verhandlungen mit Piloten gescheitert – Streiks drohen

Die Verhandlungen über die Gehälter der Piloten von Lufthansa und Germanwings sind offenbar gescheitert. Auch die Altersversorgung ist ungeklärt. Die Lufthansa will mögliche Streiks durch eine Schlichtung verhindern.

Tarifstreit erneut entfacht

Lufthansa streikt wieder

Tarifstreit erneut entfacht: Vereinigung Cockpit: Lufthansa-Streiks ab sofort möglich

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FrankfurtBei der Lufthansa drohen neue Streiks der Piloten. Art und Umfang der Arbeitsniederlegungen, die neben Passagierflügen auch die Frachtsparte des Konzerns betreffen, werden mit einem Vorlauf von 24 Stunden angekündigt werden, wie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Montag mitteilte. Zuvor hatte die Gewerkschaft die Lohn-Tarifverhandlungen mit der Lufthansa für gescheitert erklärt. "Mittlerweile befinden wir uns im fünften Jahr des Tarifkonflikts ohne eine Lösung", sagte Cockpit-Chef Ilja Schulz.

Die Lufthansa versuchte, die Arbeitsniederlegungen abzuwenden. Der Konzern habe Cockpit am Morgen eine Schlichtung zum Lohntarifvertrag vorgeschlagen und zwei Vorschläge für Vermittler genannt, sagte ein Lufthansa-Sprecher. "Es ist absolut unverständlich, warum Cockpit Streiks androht, die erneut auf dem Rücken unserer Kunden ausgetragen werden, anstatt mit uns in eine Schlichtung zu gehen", sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens. Cockpit lehnte das Angebot aber ab. Zuletzt legten die Flugzeugführer die Arbeit vor 14 Monaten nieder. Der Streik war damals von einem Gericht gestoppt worden.

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Cockpit fordert für die 5400 nach Konzerntarif bezahlten Flugzeugführer von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings mehr Lohn. Konkret verlangen die Arbeitnehmer rückwirkend ab Mai 2012 pro Jahr im Schnitt eine Erhöhung von 3,7 Prozent. Die Forderung bewege sich weit unterhalb dessen, was in den letzten Jahren in Deutschland an Tariferhöhungen erzielt worden sei, sagte Cockpit-Tarifexperte Ingolf Schumacher.

Allerdings ist das Ausgangsniveau wesentlich höher als bei den meisten anderen Angestellten: Im Schnitt verdient ein Co-Pilot 140.000 Euro im Jahr. Die Lufthansa hingegen bietet der Gewerkschaft 2,5 Prozent über gut sechs Jahre. Nach Gewerkschaftsangaben verlangte der Konzern in den vorherigen Verhandlungen aber, dass das Gehaltsplus an anderer Stelle eingespart werden müsse.

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

In dem seit Jahren schwelenden Tarifstreit geht es zudem um den Fortbestand der im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften großzügigen Frühpensions-Regelung für die Lufthansa-Piloten. Hinter den Kulissen wird aber auch um den Ausbau der Billigtochter Eurowings gerungen.

Von

rtr

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