Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.09.2015

17:18 Uhr

Lufthansa vor neuem Streik

Spohr bringt Aktionäre gegen Piloten in Stellung

Der Lufthansa-Chef will im Tarifstreit mit den Piloten hart bleiben – und fühlt sich in seiner Haltung von den Anlegern bestätigt. Aus Kundensicht sei jeder Streiktag einer zu viel. Doch ohne Kostensenkung gehe es nicht.

Interview mit Lufthansa-Chef Spohr

„Die Lufthansa-Aktie gehört in den Dax“

Interview mit Lufthansa-Chef Spohr: „Die Lufthansa-Aktie gehört in den Dax“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Stuttgart/FrankfurtTrotz der neuerlichen Streikdrohung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ist der Verhandlungsfaden zur Lufthansa noch nicht abgerissen. Die VC bestätigte am Freitag, dass das Unternehmen neue Gespräche angeboten hat. Allerdings sei die Beschreibung möglicher Themen „absolut substanzlos“ gewesen, so dass man nicht darauf eingegangen sei, erläuterte ein Sprecher. Sollte Lufthansa noch nachbessern, sei man zu Gesprächen bereit. „Unsere Angebote stehen“, sagte der VC-Sprecher.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr setzt auf die Rückendeckung seiner Aktionäre im Arbeitskampf mit den Piloten. „Per se goutiert der Finanzmarkt, wenn wir in diesen Arbeitskämpfen hart bleiben“, sagte Spohr am Donnerstagabend vor Journalisten in Stuttgart. „Ich glaube, die Aktionäre stehen hinter uns, dass diese notwendige Kostensenkung stattfinden muss.“

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte am Mittwoch die Gespräche mit dem Unternehmen erneut für gescheitert erklärt. Passagiere der Lufthansa müssen sich daher in den kommenden Wochen auf erneute Streiks der Piloten einstellen. Der Aktienkurs war daraufhin zunächst gesunken, hatte dann aber wieder angezogen.

Lufthansa-Tochter Aerologic: Warum die Chefs nichts vom Betriebsrat halten

Lufthansa-Tochter Aerologic

Premium Warum die Chefs nichts vom Betriebsrat halten

Die Fracht-Airline Aerologic gilt als Blaupause für die Zukunft der Lufthansa. Doch der Versuch der Belegschaft, dort einen Betriebsrat zu wählen, sorgt für Zoff. Juristisch könnte der Fall Signalwirkung erhalten.

Nach Darstellung der VC hat die Lufthansa es in einem Spitzengespräch mit Spohr abgelehnt, die geplante Verlagerung von Flugzeugen und Jobs ins Ausland für die Zeit der Verhandlungen auszusetzen. „Es geht nicht anders: Wir müssen, um die Führungsrolle zu erhalten und nicht von Low-Cost-Carriern verdrängt zu werden, unsere Kostensituation auf das Niveau der Wettbewerber bringen“, begründete Spohr seine Linie.

„Natürlich ist jeder Streiktag aus Sicht unserer Kunden einer zu viel“, ergänzte er. Trotz der Arbeitskämpfe sei die Auslastung aber zuletzt so hoch gewesen wie nie in der Geschichte der Lufthansa.

Seit dem Jahresbeginn hat die Lufthansa-Aktie gut ein Fünftel an Wert verloren. Denn die Streiks kosten auch: 2014 hatten sie den operativen Gewinn des größten europäischen Luftverkehrskonzerns schon mit 222 Millionen Euro belastet. In diesem Jahr kamen bislang weitere Ergebnisbelastungen von 100 Millionen Euro hinzu.

Die Tarifbaustellen der Lufthansa

Es ist kompliziert

Die Lufthansa führt mit mehreren Gewerkschaften getrennte Tarifverhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Piloten

Im Tarifstreit der rund 5400 Piloten im Lufthansa-Konzerntarifvertrag (KTV) geht es nicht nur um Gehalt oder Betriebsrenten, wenn letztere auch der offizielle Anlass für bislang 13 Streikrunden waren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will den ungebremsten Ausbau der Lufthansa-Billigschiene „Eurowings“ verhindern, unter deren Dach etliche Fluggesellschaften mit weit geringer bezahlten Piloten agieren können.

Bodenpersonal

Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Verhandlungsauftakt für rund 33.000 Bodenbeschäftigte der Lufthansa versucht, das Rententhema herauszuhalten. Nach vier Runden will die Airline aber immer noch die Gehaltsverhandlungen mit der Frage künftiger Betriebsrenten verknüpfen. Die Parteien haben sich bis Ende September vertagt und wollen die Rentenfrage in Arbeitsgruppen besprechen. Von Streiks war noch nicht die Rede.

Flugbegleiter

Die Kabinengewerkschaft Ufo war nach der gescheiterten Schlichtung zu den Rentenfragen schon bereit zu einem Streik, der Ende Juni erst in letzter Minute abgesagt wurde. Lufthansa hatte ihr Angebot zur Neuregelung der Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa aufgestockt. Anders als Cockpit ist Ufo zu einem Systemwechsel bei den Renten bereit und lehnt auch den geplanten Unternehmensumbau nicht kategorisch ab. Für die Gespräche hat man sich bis zum 1. November Zeit genommen.

Quelle: dpa

Zuletzt war wegen des Kursrückgangs unklar gewesen, ob die Papiere wegen des gesunkenen Börsenwerts noch im deutschen Leitindex Dax bleiben würden. In der jüngsten Überprüfung hat es die Lufthansa nun aber noch einmal geschafft. „Wir sind im Dax geblieben - und das ist auch wichtig, weil wir ja auf deutsche Aktionäre angewiesen sind aufgrund der Verkehrsrechtssituation“, erklärte Spohr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×