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04.03.2006

14:20 Uhr

Lufthansa-Wettbewerber expandieren

Konkurrenz über dem Großen Teich

VonAnke Pedersen

Die US-Fluggesellschaften Delta und Continental verbinden immer mehr deutsche Großstädte mit den USA. Doch statt in Frankfurt oder München zu starten, legen sie in Köln, Düsseldorf, Berlin-Tegel oder Hamburg los. Bei den gleichen Strecken hatte die Lufthansa abgewunken – „nicht rentabel“.

Foto: AP

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DÜSSELDORF. Wenn Rainer Schwarz Ende Mai seinen Chefsessel am Düsseldorfer Flughafen gegen den bei den Berliner Airports eintauscht, hinterlässt er der Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen ein Abschiedsgeschenk: Ab 4. April will die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines täglich die Metropole am Rhein mit Atlanta verbinden, einem der bedeutendsten Luftverkehrs-Drehkreuze in Nordamerika.

Für NRW-Geschäftsreisende entfallen dann Umsteigeflüge via Frankfurt, München, London, Paris oder Amsterdam. „Unsere Aufgabe ist es, Wirtschaftsräume gezielt miteinander zu vernetzen“, konstatiert Schwarz. Und ergänzt mit einem Seitenhieb Richtung Lufthansa: „Dabei dürfen wir uns nicht von Drehkreuz-Strategien des nationalen Carriers abhängig machen.“ Neben Delta will auch Continental Airlines stärker deutsche Städte bedienen, die bisher kaum Interkontinental-Flüge bieten. Ab Mai wird der US-Carrier Köln/Bonn mit seinem Drehkreuz in New York/Newark verbinden. Newark und Atlanta bieten Anschlüsse zu rund 200 Zielen in den USA, Kanada, Lateinamerika und der Karibik.

Bereits seit Juni 2005 steht die Strecke Hamburg – Newark auf dem Flugplan. Und ab Berlin-Tegel fliegen Continental und Delta seit Sommer 2005 sogar um die Wette zu ihren jeweiligen Hubs. Wer Washington als Ziel hat: Vom 2. April an erhöht United Airlines die Frequenzen zwischen Frankfurt und Washington auf drei pro Tag.

Die Expansion der US-Airlines kommt nicht von ungefähr. Anders als in ihrem Binnenmarkt sehen sie noch gute Chancen für Sprünge über den Großen Teich. „Die Idee hinter alldem ist es, einen guten Ausgleich zwischen dem lokalen und dem internationalen Business zu schaffen“, sagt Steve Knackstedt, Continental-Statthalter in Deutschland. Direktflüge nach Deutschland böten sich dazu an: Die dezentrale Struktur der Bundesrepublik begünstige auch Einfallstore außerhalb der von Lufthansa bedienten Drehkreuze Frankfurt und München.

Keck verkauft Knackstedt das Angebot seiner Airline in die „zweitgrößten Metropolen“ daher „als Ergänzung zur Lufthansa“. Die spricht den Strecken ab Köln und Düsseldorf, Hamburg und Berlin dagegen das Potenzial ab. „Sie können ganz sicher sein: Wenn die Lufthansa sähe, dass dieser Markt profitabel ist, würden wir selber fliegen“, kommentiert kühl ein Konzern-Sprecher. Die Lufthansa beruft sich auf die Erfahrungen mit der Direktverbindung zwischen Berlin und Washington. Die war konzernintern schon vor ihrer Aufnahme heftig umstritten und wurde nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 schnell wieder eingestellt – mangels Kundschaft.

Selbst NRW hat laut Lufthansa nicht genügend Passagier-Potenzial, um eine Verbindung wirtschaftlich zu betreiben. Bei den angebotenen reinen Business-Class-Flügen zwischen Düsseldorf und Newark bzw. Chicago zählt die Gesellschaft 38 Geschäftsreisende pro Tag.

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