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25.02.2014

06:19 Uhr

Luftverkehr

Hilfe, die Billig-Araber kommen!

VonTobias Döring

Mit Ölmilliarden gegen Lufthansa & Co.: Emirates, Etihad und Qatar Airways sind auf der Langstrecke längst harte Konkurrenten für Europas Luftfahrtriesen. Nun nehmen die Araber auch die Billigairlines ins Visier.

Dubai International Airport: Flugzeug-Flotte der Airline Flydubai - Low-Cost-Konzept in Reinkultur. PR

Dubai International Airport: Flugzeug-Flotte der Airline Flydubai - Low-Cost-Konzept in Reinkultur.

DüsseldorfDer Milliardenauftrag ging unter. Als Boeing im Januar einen Auslieferungsrekord vermeldete, nahmen nur wenige Notiz davon, dass Flydubai einen Kaufvertrag über fast 90 Mittelstrecken-Jets unterzeichnet hatte. Listenpreis: 6,5 Milliarden Euro. Die Fluggesellschaft vom Persischen Golf ist in Europa und den USA bislang weitgehend unbekannt, gehört sie doch nicht zu den großen Drei: Emirates, Etihad und Qatar Airways. Doch der Name könnte bald die Runde machen.

Denn die Bestellung untermauert eine rasante Entwicklung. Finanziert durch die Öl- und Gasmilliarden der arabischen Herrscherhäuser wachsen Emirates, Etihad und Qatar Airways seit Jahren kräftig und jagen vor allem den etablierten europäischen Fluggesellschaften Kunden ab. Die Golf-Airlines stehen für viel Komfort in der Economy- und für Luxus in der Business-Klasse. Doch die Araber können auch anders – nämlich zweckmäßig und billig.

Flydubai aus Dubai und Air Arabia aus dem weniger bekannten Nachbar-Emirat Sharjah sind längst zu Größen der Billigflieger-Branche geworden. „Die beiden Fluggesellschaften setzen das klassische Low-Cost-Konzept fast in Reinkultur um und sind damit sehr erfolgreich“, sagt Gerd Pontius von der Airline-Beratung Prologis. In ihrem Modell sind die Airlines der Ryanair sehr ähnlich.

Das müssen Sie über die arabischen Billigflieger wissen

Flydubai – Gründung

Die Fluggesellschaft aus Dubai wurde von der Herrscherfamilie des arabischen Emirats gegründet. Am 1. Juni 2009 fand der erste Flug von Dubai in Libanons Hauptstadt Beirut statt. Schon zwei Jahre später feierte Airline-Chef Ghaith Al Ghaith seine Flydubai als „wachstumsstärkste Start-up-Airline in der Geschichte“.

Flydubai – Entwicklung

Im Jahr 2012 beförderte die Fluggesellschaft bereits 5,1 Millionen Passagiere. Mit den bestellten Flugzeugen von Boeing dürfte die Zahl weiter rasant steigen. Allein in 2013 kamen 16 neue Routen hinzu. Ende des Jahres führte die Airline nach eigenen Angaben 1200 Flüge in der Woche durch.

Air Arabia – Gründung

Der Billigflieger wurde im Jahr 2003 vom Emir des eher unbekannten Emirats Sharjah gegründet, das direkt an Dubai grenzt. Im Laufe der Jahre kamen Tochtergesellschaften in Ägypten und Marokko hinzu, eine Expansion nach Jordanien ist in Planung.

Air Arabia – Entwicklung

Im Jahr 2013 hoben 6,1 Millionen Passagiere mit Air Arabia ab – nach Unternehmensangaben ein Zuwachs von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Gegensatz zu Flydubai veröffentlicht Air Arabia Finanzzahlen. Für 2013 wurden dabei rund 86 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen.

Das kostet ein Flug mit Flydubai

Istanbul (Sabiha, SAW) – Dubai (DXB) und zurück:

Günstigster Preis: 286,00 Euro

Preissuche am 18. Februar direkt bei der Airline, Hinflug Mittwoch 19. März, Rückflug 26. März, Economy-Klasse

Das kostet ein Flug mit Air Arabia

Istanbul (Sabiha, SAW) – Sharjah (SHJ) und zurück:

Günstigster Preis: 303,31 Euro

Preissuche am 18. Februar direkt bei der Airline, Hinflug Mittwoch 19. März, Rückflug 26. März, Economy-Klasse

Zum Vergleich: Das kostet ein Flug mit Turkish Airlines

Istanbul (IST) – Dubai (DXB) und zurück:

Günstigster Preis: 381,77 Euro

Preissuche am 18. Februar direkt bei der Airline, Hinflug Mittwoch 19. März, Rückflug 26. März, Economy-Klasse

Zum Vergleich: Das kostet ein Flug mit Pegasus (Türkei)

Istanbul (Sabiha, SAW) – Dubai (DXB) und zurück:

Günstigster Preis: 308,99 Euro

Preissuche am 18. Februar direkt bei der Airline, Hinflug Mittwoch 19. März, Rückflug 26. März, Economy-Klasse

Zum Vergleich: Das kostet ein Flug mit Wizzair (Ungarn)

Budapest (BUD) – Dubai (DWC) und zurück:

Günstigster Preis: 363,33 Euro

Preissuche am 18. Februar direkt bei der Airline, Hinflug Mittwoch 19. März, Rückflug 26. März, Economy-Klasse

Mit dem Kaufvertrag stößt Flydubai nun auch bei den Bestellungen in eine Dimension vor, die unter den Billigfliegern sonst nur Ryanair und seine europäische Konkurrenten Easyjet und Norwegian erreichen. Die Iren hatten im Sommer 175 Boeing 737 bestellt und fliegen aktuell mit einer Flotte von knapp 300 Maschinen.

Die Araber tätigten ebenfalls eine beachtliche Großbestellung und orderten 86 Mittelstrecken-Jets Boeing 737 und des Nachfolgers 737 MAX. Für weitere 25 Maschinen sicherte sich die Airline zudem eine Kaufoption. Flydubai hat zwar momentan lediglich 35 Flugzeuge im Einsatz, erwartet aber noch Maschinen aus einer vorherigen Bestellung. Und wenn ab dem Jahr 2016 die bis zu 111 neuen Boeing-Flieger aus Seattle ausgeliefert werden, erhöht sich die Flottengröße erst recht beträchtlich. Auch Air Arabia (zurzeit gut 30 Flugzeuge) erwartet in den kommenden Jahren die Auslieferung neuer Mittelstrecken-Jets des Typs Airbus A320.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

25.02.2014, 08:06 Uhr

...haben wir schon etwas Ähnliches in Richtung Kreuzfahrten zu vermelden???

Account gelöscht!

25.02.2014, 08:16 Uhr

find ich super! Endlich freundliche und höfliche Mitarbeiter sogar in den (so genannten) Billigfliegern. Die Webpage bitte!

statisticonly

25.02.2014, 08:30 Uhr

die hoffnung, dass es nun günstigere tickets bzw. besseren service gibt, ist aber leider auch der verlust von arbeitsplätzen... meine freude ist also verhalten.. in der schifffahrt hat es dasselbe vor 30 jahren, und in der industrie vor 20 jahren gegeben. eine volkswirtschaft kann nicht nur aus kellnern und fiseure bestehen. meine hoffnung besteht darin, dass die deutschen manager sich nach und nach selber abschaffen, und ausländischen managern weichen. der deutsche arbeitnehmer kann nichts dafür, dass ihm und dem arbeitgeber zu hohe abgaben aufgebrummt werden, und ihn somit zu teuer werden lassen...

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