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17.06.2015

15:07 Uhr

Luftverkehrs-Strategie

Airlines schreiben Wunschzettel an EU-Kommission

Kosten an Flughäfen und bei der Flugsicherung senken, Extra-Steuern für Passagiere abschaffen: Europas größte Fluggesellschaften fordern die EU-Kommission auf, eine neue Strategie für den Luftverkehr zu entwickeln.

Die EU müsse die Konsumenten schützen und den Wettbewerb im Luftverkehr voranbringen, fordern die Fluggesellschaften. dpa

Maschinen von Lufthansa und Air Berlin

Die EU müsse die Konsumenten schützen und den Wettbewerb im Luftverkehr voranbringen, fordern die Fluggesellschaften.

Brüssel/FrankfurtDie fünf größten europäischen Fluggesellschaften haben von der EU-Kommission eine neue Strategie für den Luftverkehr verlangt. Insbesondere die Kosten an den Flughäfen und bei der Flugsicherung müssten im Interesse der Passagiere und der gesamten europäischen Wirtschaft gesenkt werden, erklärten sie am Mittwoch in Brüssel an die Adresse der neuen EU-Verkehrs-Kommissarin Violeta Bulc. Auch müssten Extra-Steuern für Passagiere abgeschafft werden.

Zu der Initiative haben sich erstmals die drei Netz-Anbieter Lufthansa, Air France/KLM und die British Airways-Mutter IAG mit den größten Billigfliegern Ryanair und Easyjet zusammengeschlossen. Man repräsentiere mit jährlich rund 420 Millionen Passagieren rund die Hälfte des europäischen Flugverkehrs und werde voraussichtlich bis zum Oktober einen neuen Verband etablieren, der für alle anderen europäischen Fluggesellschaften offen sei.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Flughäfen mit nur einem Monopol-Anbieter für die Bodenabfertigung seien inakzeptabel, sagte die Easyjet-Chefin Carolyn McCall. Die EU müsse hier die Konsumenten schützen und den Wettbewerb voranbringen.

Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Carsten Spohr, kritisierte die ständig steigenden Kosten für die Passagierkontrollen, deren Qualität aber nicht besser werde. Ryanair-Chef Michael O'Leary verlangte einen besseren Schutz vor Flugausfällen in der Folge von nationalen Fluglotsenstreiks und einen Neustart für das Projekt eines einheitlichen europäischen Luftraums.

Von

dpa

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