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26.06.2012

15:07 Uhr

Luftverkehrsabgabe

Angriff auf die Ticketsteuer

VonThomas Sigmund

Morgen will das Kabinett über die Luftverkehrsabgabe debattieren - und ein Konflikt bahnt sich an. Führende FDP-Politiker fordern die Abschaffung der umstrittenen Abgabe. Der Druck auf Finanzminister Schäuble wächst.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) stellt sich gegen die umstrittene Ticketsteuer. dpa

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) stellt sich gegen die umstrittene Ticketsteuer.

BerlinNach FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Korrekturbedarf an der Ticketsteuer angemeldet. Minister Rösler sei der Auffassung, alle Vorhaben der Regierung sollten wettbewerbskonform ausgestaltet sein, sagte gestern sein Sprecher über die Steuer für Starts von deutschen Flughäfen. Damit stützt Rösler die Argumentation der deutschen Fluglinien und Flughäfen, die in der Steuer einen Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Airlines sehen.

Das Bundesfinanzministerium will an der Steuer, die dem Bund jährlich rund eine Milliarde Euro einbringen soll, dagegen nicht rütteln. Sie sei "ein durchaus erfolgreiches Instrument", wie ein Sprecher von Wolfgang Schäuble sagte.

Der Streit dreht sich um die Anfang 2011 zur Etatsanierung eingeführte Luftverkehrsabgabe. Die Abgabe beträgt zwischen 7,50 und gut 42 Euro pro Fluggast. Sie wird immer dann erhoben, wenn ein Passagier von einem inländischen Flughafen abfliegt.

Welche Airlines der Umwelt schaden

Das Atmosfair-Ranking

Einmal jährlich bewertet die Umweltorganisation Atmosfair die Umweltfreundlichkeit der größten Airlines. Dazu werden u.a. der CO2-Ausstoß der Airlines und die eingesetzten Flugzeuge gemessen. Billigflieger tauchen bisher aus methodischen Gründen nicht im Ranking auf. Welche Airlines am schlechtesten abgeschnitten haben.

Platz 10

SAS Scandinavian Airlines: 45,7 Effizienzpunkte

Harte Konkurrenz, hohe Produktionskosten und eine suboptimale Struktur mit den drei kleinen Heimatflughäfen machen die Fluggesellschaft finanziell angreifbar. Auch die Umweltbilanz fällt trübe aus.

Platz 9

Royal Jordanian: 44,7

Die königliche Airline von Jordanien gehört zur oneworld-Allianz. Insbesondere der vermehrte Einsatz von Kleinjets zieht die Airlines im Ranking auf die hinteren Plätze.

Platz 8

Air India: 43,3

Die indische Regierung musste die Fluggesellschaft im April mit 4,4 Milliarden Euro retten. Zuletzt traten die Piloten der indischen Airlines wegen schlechter Arbeitsbedingungen in einen Hungerstreik. Auch im Umweltranking gehören die Inder zu den Schlusslichtern.

Platz 7

LOT - Polish Airlines: 42,9

Die Polen steckten in den vergangenen Jahren tief in finanziellen Schwierigkeiten. Obwohl die Passagierzahlen um neun Prozent zugelegt haben, fliegt die Airlines weiter in den roten Zahlen. Auch die Umweltbilanz fällt schlecht aus.

Platz 6

Iran Air: 42,4

Der Vogel am Heck der iranischen Airlines soll der Legende nach Glück und Freude bringen. Stattdessen bringen die 49 Maschinen vor allem eins: CO2. Denn die Flotte ist mit einem Durchschnittsalter von 24,5 Jahren gnadenlos überaltet.

Platz 5

Brussels Airlines: 42,3

Die Lufthansa-Tochter ist traditionell sehr stark in Afrika engagiert. Im Umweltschutz nicht. Mit einem Flottenalter von durchschnittlich 12,8 Jahren landet die Airline auf den hinteren Plätzen.

Platz 4

Virgin Atlantic Airways: 42,0

Die Fluggesellschaft von Milliardär Richard Branson schneidet im Klimaranking schlecht ab und verpasst die Top drei der größten Sünder nur knapp.

Platz 3

Saudi Arabian Airlines: 38,0

Die saudi-arabische Airlines gehört zu den größten Fluggesellschaften im Nahen Osten. Die Araber müssen am Treibstoff nicht sparen - das schlägt auf die Klimabilanz durch.

Platz 2

Kuwait Airways: 37,2

Die 24 Flugzeugen verfügt die kuwaitische Fluggesellschaft nur über eine kleine Flotte. Doch die veralteten Maschinen verpesten die Umwelt.

Platz 1

Malaysia Airlines: 35,2 Effizienzpunkte

Die malaysische Fluggesellschaft ist der größte Umweltsünder unter den internationalen Airlines. Due Energieeffizienzklasse F erreichen sonst nur Regionalflieger.

Über deren Auswirkungen will morgen das Bundeskabinett beraten und sich dabei auf ein Gutachten der Schweizer Beratungsfirma Infras stützen. Laut dem Gutachten, über dessen Ergebnisse das Handelsblatt am Freitag bereits berichtet hatte, schadet die Steuer massiv dem Geschäft der deutschen Fluglinien und Flughäfen. Allein 2011 kostete die Steuer der Branche rund zwei Millionen Passagiere. Zudem sind durch die Abgabe im vergangenen Jahr rund 1 000 Arbeitsplätze weniger entstanden. Die Kosten für Flüge seien dadurch um 2,3 Prozent gestiegen.

Kommentar: Weg mit der Luftverkehrsabgabe!

Kommentar

Weg mit der Luftverkehrsabgabe!

Die Abgabe für Flugtickets war von Anfang an ein Flop. Sie macht weder ökologisch noch ökonomisch Sinn. Darum muss die Politik nun die Konsequenzen ziehen - und die Abgabe wieder abschaffen.

Ende vergangener Woche hatte deshalb bereits Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) angekündigt, Konsequenzen aus der Analyse ziehen zu wollen. Er kämpfe für "möglichst umfassende Korrekturen" bei der Abgabe, die "eigentlich weg" gehöre, sagte Ramsauer. Ähnlich deutlich hatte sich Brüderle geäußert: "Sollten die Auswirkungen volkswirtschaftlich negativ sein, müssen wir über den Fortbestand der Steuer nochmals reden", sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende.

Die Erträge aus der gestaffelt nach Zielgebiet ansteigenden Luftverkehrsteuer stehen alleine dem Bund zu. In den ersten fünf Monaten des Jahres brachte sie 338 Millionen Euro ein.

Kommentare (6)

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Gerdi

26.06.2012, 15:56 Uhr

So viel zur Ernsthaftigkeit des Schuldenabbaus

Biwi

26.06.2012, 16:03 Uhr

Da sind wieder die Oberlobbyisten am Werk.

e743087

26.06.2012, 16:14 Uhr

aha bei der praxisgebühr redet man immer wieder
und nix

aber auf ein mal schreit lufthansa wegen luftverkehrsabgabe und da springt die FDP ;-)

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