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12.10.2012

13:23 Uhr

Luftverkehrsabgabe

Mehdorn attackiert die Bundesregierung

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin fühlt sich ungerecht behandelt: Durch die Luftverkehrssteuer würden deutsche Airlines systematisch benachteiligt, sagt Unternehmenschef Hartmut Mehdorn.

Der Vorstandsvorsitzende von Air Berlin, Hartmut Mehdorn. dpa

Der Vorstandsvorsitzende von Air Berlin, Hartmut Mehdorn.

HamburgAir-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hat der Bundesregierung vorgeworfen, die Luftfahrtbranche im Stich zu lassen. „Wir werden in Deutschland zunehmend schlechter behandelt von der Politik. Die Bundesregierung kümmert sich nicht“, sagte Mehdorn am Freitag in Hamburg. Die Luftverkehrssteuer in Deutschland belaste die inländischen Fluggesellschaften enorm. Rund 175 Millionen Euro müsse Air Berlin dafür im Jahr aufwenden. Der Unternehmenschef spricht sich seit langem für eine Abschaffung der „Willkür-Steuer“ aus.

Außerdem forderte Mehdorn eine bessere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene, damit Flugzeuge beispielsweise direktere Strecken im europäischen Luftraum nehmen könnten. Dadurch ließen sich Emissionen weiter senken, ergänzte Mehdorn. „Durch Kleinstaaterei bewegt sich nichts.“

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Während ausländische Fluggesellschaften wie die Ryanair im Kurzstreckensegment wachsen, musste Air Berlin zuletzt mehrere unrentable Routen schließen. Zuletzt hatten die Iren ihren Einstieg am Flughafen Dortmund bekannt gegeben, wo sich Air Berlin zuletzt zurückgezogen hatte.

Auch auf der Langstrecke wächst die Konkurrenz der arabischen Airlines für die deutschen Airlines. Zuletzt hatte Air-Berlin-Aktionär Etihad angekündigt, die Europaaktivitäten durch eine Kooperation mit Air France auszubauen.

Etihad war im Januar zum größten Aktionär aufgestiegen und hatte der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft mit einem Kredit über 255 Millionen US-Dollar (198 Mio Euro) aus der Klemme geholfen. Air Berlin hat den Großteil der Summe bis zur Jahresmitte bereits abgerufen. Vorstandschef Mehdorn will die Gesellschaft nach jahrelangen Verlusten im kommenden Jahr in die Gewinnzone bringen. Dazu soll neben Kürzungen bei Strecken und Flotte auch der vollzogene Eintritt zum Luftfahrtbündnis Oneworld beitragen.

Das Air-Berlin-Sparprogramm

„Shape & Size“

Das Sparprogramm soll bis spätestens 2013 das Betriebsergebnis (Ebit) um 200 Millionen Euro erhöhen.

Kleineres Streckennetz

Unrentable Strecken sollen aufgegeben werden, die Flotte soll von 170 auf 152 Flugzeuge verkleinert werden.

Ausbau der Drehkreuze

Die Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien sollen ausgebaut werden. Mit Beitritt zum Bündnis Oneworld im Frühjahr 2012 sollen sie Verteilerfunktion für Passagiere von Partner-Airlines übernehmen.

Erhöhung der Nebeneinkünfte

Die Nebeneinkünfte sollen aus Zuschlägen für einzelne Leistungen und Preisanhebungen für einige Strecken erhöht werden.

Bessere Abläufe

Bessere Betriebsabläufe, neues Standortkonzept für Flugzeuge und Crews stehen ebenfalls auf dem Plan. So soll es gelingen, mit zehn Prozent weniger Maschinen nur vier Prozent weniger Flugleistung anzubieten.

Modernisierung

Die Vertriebskanäle werden modernisiert. Künftig sollen mehr Tickets über Internet-Reiseportale verkauft werden.

Einsparungen

In der Verwaltung, beim Einkauf und in der Flugabwicklung sollen die Kosten gesenkt werden.

Von

dpa

Kommentare (5)

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E605_forte

12.10.2012, 14:21 Uhr

Guten Tag Herr Mehdorn,

bitte rufen Sie bei der FDP oder im Wirtschaftsministerium an, dort erhalten Sie das Geld und die Unterstützung, die Sie von dieser Lobbypartei benötigen.

Subventionsgeschenke an die Industrie sind das einzige Spezialgebiet der FDP. Solange es die FDP noch gibt, sollten Sie die Möglichkeit nutzen!

emilioemilio

12.10.2012, 15:29 Uhr

Ja der Herr Mehdorn, als Bahnchef hat er die Billigflieger bekämpft, ja inbetriebnahmen von Bahnstrecken zu mindestens einem Flughafen verhindert! (Ertüchtigung stillgelegter Strecke!). Jetzt macht er gemeinsame Sache mit einer Golf-Airline und läßt sich auch Air France gut Munden, soll heißen, Hauptsache am Ruder, wer oder was kaputt gemacht wird egal. Die Kohle muß stimmen. Ein Vaterland kennt er sowieso nicht!

Account gelöscht!

12.10.2012, 17:04 Uhr

Lieber Herr Mehdorn,

Sie attackieren alle Parteien seitdem Sie an der Macht bei Air Berlin sitzen. Es wäre sinnvoller wenn Sie endlich, die notwendige Maßnahmen ergreifen können. Sie schimpfen mit dem Flughafen Berlin, Sie schimpfen mit der Bundesregierung über die Steuer. Die Air Berlin schreibt seit Jahren Verluste und Sie sollen NICHT die anderen dafür Verantwortlich machen. Bald werden Sie Ihre Langstrecken Flotte auch nicht mehr haben, da Air France und KLM dies übernehmen wird. Air Berlin wird dann viel kleiner werden und kann sich auf die Zubringer Flüge konzentrieren damit Etihad alles über Abu Dhabi transferieren kann. Mit dem Verkauf der Air Berlin haben Sie nicht gemerkt das Etihad nur eine Interesse hat (Abu Dhabi zu füllen und endlich mit Emirates auf Augenhöhe als Wettbewerber auf dem Weltmarkt zu Positionieren).

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