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12.10.2012

11:08 Uhr

Lumpenhändler 3.0

Wenn der Altkleidercontainer zur Haustür kommt

VonMaximilian Heinrich

Packmee möchte die Altkleiderspende revolutionieren. In Zukunft soll der Paketbote die im Umzugskarton gesammelten Spenden bequem an der Haustür mitnehmen. Die Erlöse gehen an karitative Zwecke.

Ideengeber Paul Schmitz (links) und Marco Solá mit einem Packmee-Karton. (Foto: Packmee)

Ideengeber Paul Schmitz (links) und Marco Solá mit einem Packmee-Karton. (Foto: Packmee)

Düsseldorf„Ich bin der Sohn eines Lumpenhändlers und weiß, wovon ich spreche“, erklärt der 49-jährige Paul Schmitz, einer der Ideengeber von Packmee. Mit Kleidung kam Schmitz bereits im elterlichen Textilsortierbetrieb in Kontakt. Heute berät er europaweit Unternehmen in allen Fragen rund um Altkleider. Mit Packmee möchten Schmitz und sein befreundeter Unternehmer Marco Solá die deutsche Altkleiderspende revolutionieren.

Die Idee: Kleidung, Schuhe, Haushaltstextilien, Brillen und sogar Hörgeräte können zu Hause in einem Umzugskarton gesammelt und beim Empfang eines Pakets, dem Boten von DHL oder Hermes bequem an der Haustür mit auf den Weg gegeben werden. Einzige Bedingung für den kostenfreien Versand: Das Paket muss über 5 Kilogramm wiegen. Damit erübrigt sich der Gang zum Altkleidercontainer. Möglich wird das durch eine Kooperation mit DHL und Hermes. Damit unterscheidet sich das Projekt von bisherigen Ansätzen, die ebenfalls direkt vor der Haustür sammeln.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo: Die Hamburger erzielten 2010 einen Umsatz von 945 Millionen Euro und landen damit in der Liste der Top 10 Textilhändler in Deutschland, die jährlich von der Fachzeitschrift Textil Wirtschaft veröffentlicht wird, auf Rang 10.

Rang 9

Aldi-Gruppe: Aldi Nord und Aldi Süd erzielten 2010 zusammengerechnet einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Damit zählt der große Player des Lebensmitteleinzelhandels auch im Bereich der Textilwirtschaft zu einem der größten Händler und belegt den neunten Platz.

Rang 8

Lidl: Auch die Neckarsulmer, kein Leichtgewicht im Lebensmitteleinzelhandel, sind vertreten. Mit einem Jahresumsatz (2010) von rund 1,05 Milliarden Euro rangieren sie auf Platz 8.

Rang 7

Tengelmann: Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2010 einen Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro. Damit landet das Familienunternehmen Tengelmann auf Platz 7.

Rang 6

Peek & Cloppenburg: Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz (2010) von 1,33 Milliarden Euro Platz 6.

Rang 5

Karstadt: 1,97 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2010 - das verhilft dem Essener Konzern ins Mittelfeld auf Platz 5.

Platz 4

Metro: Die Düsseldorfer Metro-Group belegt den vierten Platz. Jahresumsatz in 2010 2,42 Milliarden Euro.

Platz 3

C&A: Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von über 3 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland.

Platz 2

H&M: Der zweitgrößte Textil-Player in Deutschland ist die Hamburger Modekette H&M mit einem Jahresumsatz von 3,2 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto: Der größte Textileinzelhändler in Deutschland ist die Hamburger Otto Group mit einem Jahresumsatz (2010) von 4,16 Milliarden Euro.

Die deutsche Textilindustrie setzt jährlich rund 55 Milliarden Euro um. Fast die Hälfte davon entfällt mittlerweile auf den Online-Handel, insbesondere auf Größen wie Zalando oder Amazon. Die Kleidung kommt bequem per Post ins Haus. Aus Sicht des Verbrauchers liegt der Umkehrschluss nahe, die Altkleider auf demselben Weg wieder loszuwerden. Die Initiatoren haben sich ambitionierte Ziele gesetzt. In fünf Jahren soll der Marktanteil bereits bei fünf bis zehn Prozent liegen.

Packmee verkauft das Sammelgut und garantiert, zwischen 50 und 80 Prozent in karikative Einrichtungen zu stecken. Als Partner konnten die beiden Ideengeber und Geschäftsführer der Texforcare GmbH die Stiftung„RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ und „CARE Deutschland-Luxemburg e.V.“ für sich gewinnen. Wolfram Kons, Vorstand der Stiftung „RTL Wir helfen Kindern e.V.“: „Wir haben Packmee ganz genau unter die Lupe genommen und all die unangenehmen Fragen gestellt. Die Antworten waren stets überzeugend und befriedigend.“

Kommentare (5)

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Nachfrager

12.10.2012, 11:29 Uhr

Die Herren von Packmee möchten nicht nur den Anteil der Wiederverwendung von gebrauchter Kleidung maximal steigern, sondern hauptsächlich ihren Gewinn.
Tausende Afrikanische Textilarbeiter sind wegen der Einfuhr von gebrauchter europäischer Kleidung arbeitslos geworden und in Armut verfallen. Ganz oben auf dieser Liste der Profitgierigen steht das Deutsche Rote Kreuz.

pschmitz1

12.10.2012, 20:23 Uhr

PackMee möchte tatsächlich viel Gewinn machen - um möglichst viel an karitative Partner spenden zu können. Bereits von Anfang an spenden wir 50% unseres Gewinns - dieser Anteil soll auf 80% steigen. Überprüft wird das von unabhängigen Fachleuten und wird auf unserer Website dokumentiert. Packmee macht die Arbeit, PackMee investiert, PackMee riskiert das erforderliche Kapital, gibt aber dauerhaft den überwiegenden Anteil seiner Gewinne an karikative Organisationen ab. Wir denken, dass dies fair ist. In der Schweiz existiert bereits seit Jahrzehnten eine Partnerschaft zw. den größten Schweizer Hilfswerken und einem privaten Unternehmen mit entsprechendem Branchen Know-how auf Basis einer hälftigen Teilung der erzielten Wertschöpfung. Dieses Modell ist gesamtgesellschaftlich absolut akzeptiert und bei der Schweizer Bevölkerung hochangesehen. Nur leider gab es ein derartiges Modell in Deutschland bisher nicht und PackMee geht sogar noch einen großen Schritt weiter, indem wir wie in der Schweiz dauerhaft nicht nur 50%, sondern sogar bis zu 80% der u.a. durch unsere Arbeit und unseres Know-hows entstandenen Gewinne an karitative Organisationen abgeben.

Zum Thema Afrika: Der absolut überwiegende Teil der unseren karikativen Partnern gespendeten Kleider geht nach Osteuropa. Der kleine Teil, der nach Afrika geht, konkurriert dort hauptsächlich mit extra für den afrikanischen Markt hergestellter billiger und qualitativ sehr schlechter Neuware aus Fernost. Die im Vergleich zu europäischen Produktionsmethoden tendenziell eher unproduktivere afrikanische Textilindustrie war leider auf Dauer genau wie unsere europäischen und deutschen Textilbetriebe zwangsläufig nicht in der Lage, mit der Kombination aus Niedriglöhnen und modernsten, effektiven Produktionsmethoden in Fernost wettbewerbsfähig zu bleiben. Detaillierte zusätzliche nformationen zum Thema Altkleider und Afrika finden sie auch auf unserer website www.packmee.de in der Q&A Liste. MfG! Paul Schmitz

pschmitz1

12.10.2012, 20:30 Uhr

Wer tatsächlich ausschließen will, dass seine Textilien mit absoluter Sicherheit nicht auf dem afrikanischen Kontinent landen, darf keine Kleider spenden. Selbst die Kleidungsstücke, die persönlich zu Kleiderkammern oder Sozialkaufhäusern gebracht werden, gehen entweder bei meistens vorherschendem zu hohem lokalem Angebot teilweise sofort oder nach der vorübergehenden Nutzung durch einen bedürftigen Menschen in unserem Land bei separater Erfassung z.B. über einen Altkleidercontainer den Weg in einen Sortierbetrieb und kann von da nach Afrika gelangen. Aber was wäre die Alternative? Wer noch tragfähige Kleider und Schuhe einfach wegwirft oder zwecks Verhinderung einer Wiederverwendung absichtlich vor der Abgabe zerstört, vernichtet damit die Generierung von Spendengeld, mit dem viel Gutes - auch und besonders in Afrika - getan werden könnte. PackMee möchte vorhandene Ressourcen - sowohl auf Verbraucherseite wie auch logistisch - unter Berücksichtigung sozialer, ökologischer , ökonomischer und transparenter Aspekte möglichst sinnvoll zusammen führen.

Wer unserer Meinung nach tatsächlich kritisiert werden sollte, sind sehr viele rein kommerziell agierende Sammelunternehmen, die entweder oft unter Vortäuschung eines karitativen Ansatzes gespendete Kleider mittels Altkleidercontainer sammeln und verkaufen ohne auch nur einen Cent zu spenden oder die "Unternehmen", die einfach ohne die erforderlichen Stellplatz - und sonstigen Genehmigungen illegal Container aufstellen. Diese beiden Fälle treffen zur Zeit auf ca. 70.000 deutsche Altkleidercontainer zu.
Mit freundlichen Grüßen, Paul Schmitz

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