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15.05.2014

14:58 Uhr

Luxusgüterhersteller

Richemonts Tintenklecks

VonHolger Alich

Gewinnzuwachs für Richemont: Der Cartier-Schmuck und die Edeluhren des Schweizer Konzerns erfreuen sich vor allem in Asien großer Beliebtheit. Dennoch blieb das Unternehmen unter den Markterwartungen.

Der Uhrenhersteller Piaget ist Teil der Richemont-Luxusgruppe. AFP

Der Uhrenhersteller Piaget ist Teil der Richemont-Luxusgruppe.

ZürichMit einem Plus von über fünf Prozent war die Aktie der Schweizer Luxusholding Richemont der Star an der Schweizer Börse. Grund war eine satte Dividendenerhöhung um 40 Prozent. Das verdeckt, dass das Mutterhaus von Cartier in Deutschland ein Problem hat.

Und das heißt Montblanc. Zu Richemont gehören klangvolle Schmuck- und Uhrenmarken wie Cartier, Van Cleef & Arpels, oder IWC – und eben Montblanc. Die in Hamburg angesiedelte Marke ist weltweit für seine edelen Schreibgeräte bekannt, stellt aber auch Uhren und Lederwaren her. Und steckt mitten in einer Restrukturierung.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/2014 sank der Umsatz Montblancs um fünf Prozent, der Betriebsgewinn brach gar um 64 Prozent ein. „Montblanc und die Assecoire-Marken (Dunhill, Lancel, Chloé) drücken derzeit auf die Margen“, urteilt Rene Weber von der Privatbank Vontobel. Richemont buchte für Montblanc gar Restrukturierungskosten von 25 Millionen Euro. Die Marge hat sich auf nur noch sechs Prozent fast gedrittelt.

Die Probleme der Hamburger sind quasi der Tintenklecks im sonst sehr ordentlichen Zahlenwerk der Luxusholding der südafrikanischen Familie Rupert.

Denn der Umsatz von Richemont insgesamt legte um fünf Prozent auf 10,6 Milliarden Euro zu (Richemont bilanziert in Euro), der Konzerngewinn stieg um drei Prozent auf gut zwei Milliarden Euro – vor allem das Schmuck-Geschäft (Cartier, Van Cleefs & Arpels) und die Luxus-Uhren (IWC, Jaeger-LeCoultre etc) trugen zum Gewinnwachstum bei.

Richemonts Co-CEO Richard Lepeu erklärte die Probleme Montblancs vor allem mit einem Produktangebot, das nicht attraktiv genug sei. Einen Teil der Schmuck-Kollektion Montblancs hat der Konzern bereits eingestampft.

„Montblanc profitiert weniger als andere Marken vom Geschäft mit Touristen“, erklärte Lepeu den Umsatzrückgang. Daher werden auch die Standorte der über 450 eigenen Geschäfte nun überprüft. Ferner habe Montblanc durch eine nachlassende Nachfrage in China gelitten. „Wir sind recht zuversichtlich, dass wir Montblanc in den kommenden 18 Monaten werden drehen können“, so Lepeu.

Denn seit Juli hat Montblanc mit Jérôme Lambert einen neuen Chef; der 45-Jährige gilt als einer der kommenden Männer bei Richemont und hatte zuvor mit Erfolg die Uhrentochter Jaeger-LeCoultre geführt. Im Januar hatte Lambert auf der Uhrenmesse SIHH eine neue Uhrenkollektion Montblancs vorgestellt. Vom Verkauf der neuen Uhren verspricht sich Richemont-Co-CEO Lepeu einen Beitrag zur Wende der Marke. Bei den Lederwaren setzt Montblanc auf Assecoires für Männer.

Immerhin: Ein Verkauf der Hamburger Traditionsmarke „würde uns nie in den Sinn kommen“, versprach Leupeu.

Richtig gutes Geld verdient Richemont mit Schmuck und Uhren. Die Holding eifert aber etwas der französischen LVMH nach, und versucht auch mit Lederaren (Lancel), Damen-Mode (Chloé) und Herren-Mode (Alfred Dunhil) im Luxussegment Fuß zu fassen. Bisher ohne großen Erfolg, die in der Sparte „Übriges“ zusammen Bereiche steigerten die Verluste gar von 38 auf 80 Millionen Euro. Seit April verbucht Richemont auch Montblanc in dieser Krisen-Sparte.

Mit einer Steigerung der Dividende von 1 auf 1,4 Franken je Aktie sowie der Ankündigung eines weiteren Aktienrückkaufprogramms konnte Richemont den Tintenklecks auf seinem Zahlenweg bei Anlegern aber tilgen.

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