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01.03.2011

20:29 Uhr

Luxushonorar

Escada-Insolvenzverwalter kassiert ab

Vondpa

Eine Pleite, die sich gelohnt hat – jedenfalls für den Insolvenzverwalter. Christian Gerloff will für seine Kurzarbeit beim Modekonzern Escada fünf Millionen Euro. Das Amtsgericht stimmt zu, die Gläubiger sind entsetzt.

Schaufenster von Escada: Dem Insolvenzverwalter des Modekonzerns wird "systematische Vergewaltigung des Vergütungssystems" vorgeworfen. Quelle: ZBSP

Schaufenster von Escada: Dem Insolvenzverwalter des Modekonzerns wird "systematische Vergewaltigung des Vergütungssystems" vorgeworfen.

DüsseldorfDer Münchener Anwalt Christian Gerloff verlangt für seine zehnwöchige Arbeit als vorläufiger Insolvenzverwalter des Modekonzerns Escada fünf Millionen Euro. Dies geht aus dem Vergütungsantrag von Gerloff hervor, der dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorliegt. Der Insolvenzverwalter stellt damit das 18fache des Regelvergütungssatzes in Rechnung. Das Amtsgericht München hat dem Antrag stattgegeben. Gläubiger von Escada dagegen haben sofort Widerspruch eingelegt. Dies bestätigte die Deutsche Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dem Handelsblatt auf Anfrage.

„Die Beschwerde ist begründet, da das Amtsgericht ohne jegliche Prüfung die völlig überhöhten Vergütungsansprüche des vorläufigen Insolvenzverwalters übernommen hat“, heißt es in einem Schreiben der SdKAnwälte.  Im Ergebnis finde hier „eine kaum verhohlene Selbstbereicherung des Insolvenzverwalters auf Kosten der Gläubiger“ statt.

Das Amtsgericht München wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Gerloff sagte dem Handelsblatt, bei dem vorläufigen Insolvenzverfahren handele es sich um einen sehr komplexen Vorgang. Er habe unter extrem hohem Zeitdruck einen Investor finden müssen. Die Vergütung bewege sich im üblichen Rahmen für Verfahren dieser Größe und Komplexität.

Führende Insolvenzspezialisten widersprechen Gerloff. „Man mag hier insgesamt auf einen Betrag von 800.000 bis eine Million Euro kommen, aber auch das ist schon systematische Vergewaltigung des Vergütungssystems, das von den Verwaltern ganz bewusst missverstanden und definiert wird“, sagt Professor Hans Haarmeyer, der Direktor des Deutschen Instituts für angewandtes Insolvenzrecht.

In seiner Begründung für seine Millionenforderung hatte sich Gerloff explizit auf Haarmeyers Standard-Fachkommentar für die Insolvenzvergütung bezogen Der jedoch hält Gerloffs Ansprüche für abwegig. „Was hier geschieht, ist ein Zusammenklauben von Zitaten, ohne auf den Zusammenhang zu achten“, sagt Haarmeyer. Der Gesetzgeber habe sich bei seinem Vergütungssystem für Insolvenzverwalter sehr genau Gedanken gemacht. Gerloff aber stelle mit seinem Antrag das System auf den Kopf.

Kommentare (10)

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TooKooShi

01.03.2011, 23:22 Uhr

Das ist nicht neu: Nur wenige Insolvenzverwalter arbeiten seriös. Jeder RA kann mit Wochenendkursen zum Fachanwalt ausgebildet werden. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind dabei eher hinderlich. Grundgedanke dabei ist es, sich mit einem Verfahren dauerhaft zu sanieren...

Schwarz

01.03.2011, 23:42 Uhr

Ein schlecht recherchierter Artikel. Handelsblatt sollte sich doch bitte nicht auf BILD-Niveau begeben: wer spricht denn bitte darüber, dass es dem Verwalter gelungen ist, das Unternehmen, die Marke und vor allem die Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten und das innerhalb sehr kurzer Zeit?? Außerdem muss der Verwalter von dieser Vergütung ja auch seine Angestellten und Mitarbeiter, die bei dem Verfahren mitwirken bezahlen... Immer dasselbe - wenn man solche angeblich hohen Vergütungen hört! Will man denn lieber verbeamtete "Abwickler" und "Liquidatoren" haben oder unternehmerisch denkende Sanierer, die auch selber einmal ein Risiko eingehen zum Wohle des Unternehmens? Beamte und Vollkaskomentalitätenvertreter haben wir ja genug..........................

JWausLE

02.03.2011, 00:38 Uhr

Bei meiner Unernehmensinsolvenz hat der Verwalter vom Kontostand in Höhe von 35.000 Euro rund 24.000 Euro kassiert - für einen lächerlichen Aufwand. Die Vergütung wird übrigens nicht veröffentlicht,ich habe davon nur im Rahmen der Akteneinsicht im Zusammenhang mit den gegen mich eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft (eingestellt) wegen diverser Insolvenzstraftaten erfahren. Die gleiche Kanzlei hat übrigens meinen Eigenantrag auf Eröffnung des Inolvenzverfahrens ausformuliert....1600 Euro für vier DIN A 4 - Seiten.

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