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10.03.2012

11:26 Uhr

Luxusmarkt wächst

Die neue Lust auf Luxus

VonTanja Kewes

Uhren, Schmuck, Mode, Edelkarossen: Die Deutschen haben, trotz Krise, den Luxus für sich entdeckt - und ihre Einstellung scheinbar geändert. Die Mittelschicht investiert lieber in materielle Dinge, als in die Banken.

Der deutsche Luxusmarkt wächst und wächst - und hat noch großes Potenzial. ZBSP

Der deutsche Luxusmarkt wächst und wächst - und hat noch großes Potenzial.

Das Berliner Kaufhaus des Westens ist seit 105 Jahren Abbild deutscher Konsumkultur. Als das goldene Eisengitter vor dem Eingang des Kadewe am 27. März 1907 zum ersten Mal im Boden verschwindet, erwartet die Besucher ein „Sortiment der Superlative“ aus Kaiserreich und Kolonien. Es folgen die dekadenten 20er, die Kriegsjahre, das Wirtschaftswunder mit Weiße-Ware-Wochen und Fresswelle, schließlich die Orientierungslosigkeit der 90er.

Im März 2012 versinkt das originale goldene Gitter immer noch jeden Morgen um 10 Uhr und schon nach wenigen Schritten ist klar, was heute die Sehnsüchte der Deutschen und Deutschlandbesucher sind: Haute Couture, Parfüms, rahmengenähte Schuhe. Ein Gang aus Marmor, der so genannte Luxusboulevard, umschließt das Erdgeschoss. An diesem inszenieren sich mit viel Glas, Gold und Glanz teure Marken wie Bulgari, Dior, Chanel, Prada, Montblanc, Tod’s – und jedes Jahr werden es mehr. 2011 kamen Hermès und Rolex dazu, dieses Jahr werden es zwei weitere sein.

Das Kadewe ist nur ein Beispiel für die neue Lust auf Luxus, die in Deutschland vielerorts spürbar ist. So auch in der tiefsten sächsischen Provinz, in Glashütte. Entlang der Altenbergerstraße gurgelt links die Müglitz und rechts liegen die Uhrenmanufakturen Nomos, Lange & Söhne und Glashütte Original. 328 Mitarbeiter, darunter rund 70 Uhrmacher, beschäftigt allein Glashütte Original. Die Geschäfte laufen so gut, dass die Produktionkapazitäten gerade ausgebaut werden. In den nächsten drei Jahren sollen zudem 100 neue Mitarbeiter eingestellt werden. „Wir erfreuen uns derzeit einer außerordentlich guten Auftragslage. Insofern wachsen wir auch zweistellig“, sagt Dieter Pachner, Mitglied der Geschäftsführung von Glashütte Original.

Geiz ist geil war gestern in Deutschland. Der deutsche Luxusmarkt wächst. Nach einer Studie der Strategieberatung Roland Berger, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, hat der deutsche Luxusmarkt im Jahr 2011 um 16 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro zugelegt.

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Auch in Krisenzeiten lässt sich mit Luxuswaren viel Geld verdienen. Das gilt auch an der Börse.

Deutscher Luxusmarkt – das bedeutet: Was wird in Deutschland für Luxus ausgegeben? Und umfasst: den Umsatz deutscher und internationaler Marken wie Louis Vuitton, Bulgari, Montblanc und Glashütte Original in Deutschland. Die Ergebnisse basieren auf Angaben, die die Verantwortlichen von 50 Marken in Interviews und Umfragen machten. Dazu gehörten die Deutschland-Chefs von Moet Hennessy (Champagner, Whiskey) Jens Gardthausen, der Estée Lauder Gruppe (Kosmetik), Beate Fastrich sowie von Montblanc (Schreibgeräte), Thomas Schnädter.

Kommentare (7)

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JMDGF

10.03.2012, 11:44 Uhr

Na da werden wir den Wulff ja auch bald dort shoppen sehen und nicht etwa Joben !

mauilusie

10.03.2012, 12:38 Uhr

Na, so ein stumpfer Samstagsneidhammel- wie bieder können Geister denn nur sein. Sind sie geistlos, so gleicht der Blick dem in den Abgrund "wulffscher" also eher infantil-materieller Triebe. Wir sollten eine NEIDPARTEI gründen. Sie würde in Deutschland zentralistischen Zulauf haben!

keeper

10.03.2012, 14:02 Uhr

"Neid" ist im übrigen etwas ganz natürliches.
Wer wer hat - oder sonst wie bessergestellt ist - gerät durch den Neid der anderen stets in Bedrängnis, seine position innerhalb der Gesellschaft rechtfertigen zu müssen.

Neid widerspricht natürlich der von den Kirchen stets ans Volk gerichteten Predigt der Demutshaltung zum Schutze der Ausbeuter und Bessergestellten - dementsprechend ist Neid logischerweise auch eine "Sünde"...

Daß aus einer als ungerecht betrachteten gesellschaftlichen Situation sich "Neid" entwickelt, ist wohl eine überflüssige Bemerkung.

... und daß die Übervorteilten stets bemüht sind, den "Neidern" ihren Neid vorzuwerfen, ist auch eine altbekannte Strategie.
Insbesondere von jenen, welche über keinerlei anderer Rechtfertigung für ihre gesellschaftliche Position verfügen - da deren Position nicht auf Eigenleistung, sondern rein auf Eigentum beruht.

Geschwafelt wird stets von einer "Leistungsgesellschaft" - defacto leben wir längst in einer "Eigentumsgesellschaft".

...im übrigen ist diese ungleichverteilung auch der eigentliche Grund für die derzeitige Wirtschaftskrise/ Finanzkrise / Überschuldungskrise:
Das einseitig Verteilte gelangt nur per Kreditfinanzierung in die Realwirtschaft. Der Ansatz "Reiche, ihr müßt mehr Luxusgüter verkonsumieren" geht zwar in die richtige Richtung - greift aber viel zu kurz: "Kapitalerträge zu BGE" wäre der richtige, sich selbst regulierende Ansatz.

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