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28.06.2012

14:50 Uhr

Machtwort der Kanzlerin

Schlecker-Verwalter hoffte auf Merkel

Ein Machtwort Merkels anstelle der Blockade staatlicher Auffanghilfen durch die FDP wäre dem Schlecker-Insolvenzverwalter zupass gekommen. Die hohe Zahl der Klagen hätte nach Ansicht Geiwitz so vermieden werden können.

Wasser regnet über den Schirm einer Figurengruppe vor einer Filiale der insolventen Drogeriekette Schlecker. dpa

Wasser regnet über den Schirm einer Figurengruppe vor einer Filiale der insolventen Drogeriekette Schlecker.

Ehingen/Die Schlecker-Insolvenzverwaltung hat im Ringen um die Rettung der Drogeriemarktkette auf ein Eingreifen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehofft. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundeskanzlerin ein Machtwort gesprochen hätte und die FDP nicht die Möglichkeit bekommen hätte, ihre ordnungspolitischen Vorstellungen über das Schicksal der Mitarbeiter von Schlecker zu stellen“, sagte Verwalter Arndt Geiwitz der „Stuttgarter Zeitung“ (Donnerstag).

Dabei habe er ursprünglich auf die Gewerkschaft Verdi gesetzt: „Eine große Gewerkschaft hat mehr Chancen auf einen Zugang zur Kanzlerin als ein Insolvenzverwalter.“ Ende März war 10 000 Beschäftigten gekündigt worden, nachdem eine staatliche Auffanghilfe an der FDP gescheitert war. 4500 Mitarbeiter klagten dagegen.

Geiwitz ist der Ansicht, dass eine Transfergesellschaft auch die hohe Zahl an Kündigungsklagen vermieden hätte. Die wiederum hatte mögliche Investoren abgeschreckt. „Ohne die Kündigungsschutzklagen, das heißt mit einer Transfergesellschaft, hätte das Unternehmen vermutlich auch mit Verlust und mit den angebotenen Beiträgen von Verdi verkauft werden können“, sagte Geiwitz dem Blatt. Am Ende war die Rettung Schleckers kläglich gescheitert, am Mittwoch wurden alle 2800 Schlecker-Filialen in Deutschland endgültig geschlossen. Dieses Mal verlieren 13 200 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Handelsblatt_Leser

28.06.2012, 15:24 Uhr

Es wurde als nich an einen Investor verkauft, weil
a.) eine Gewerkschaft auf hohe Löhne in einem insolventen Betrieb bestand (wo sollte dieser das Geld dafür hernehmen?)
b.) die Mitarbeiter unbedingt in dem insolventen Unternehmen weiter beschäftigt sein wollten und daher gegen ihre Kündigungen klagten (wer sollte die Gehälter denn zahlen? Das Unternehmen war doch insolvent!)

Und nun wird die Schuld aber auf andere abgeladen: der FDP, weil sie kein staatliches Geld springen lies; den Investoren, weil die die finanziellen Lasten des Kündigungsschutzes nicht übernehmen wollten.

Ändert doch lieber das Kündigungsschutzgesetz, dann könnte man in solchen Situationen auch insolvente Untenehmen besser sanieren.

Account gelöscht!

28.06.2012, 18:15 Uhr

Herr Geiwitz ist von Anfang an gescheitert. Zunächst hat er die Sanierung für möglich gehalten und dies auch allen Medien und somit Mitarbeitern so berichtet.
Aus folgenden Gründen konnte er sein Ziele nicht erreichen:

Über Jahre hinweg hat Verdi das Image von Schlecker zerstört. Verdi hätte etwas vorsichtiger agieren sollen und nicht die Marke Schlecker vollständig zerstören.

Die Gehälter lagen nach der jahrelangen Verdi-Intervention über dem Branchendurchschnitt und man war auch nicht bereit, für die Sanierung auf einen entsprechenden Teil des Lohnes zu verzichten.

Die Klagen der gekündigten Mitarbeiter richtet sich direkt gegen die verbliebenen Mitarbeiter. Entlassungen waren notwendig für das Überleben. Soviel zur Solidarität der "Schleckerfrau"

Das Unternehmen Schlecker hat zu spät Veränderungen eingeleitet, so wie damals Grundig, AEG und wie sie alle heißen. Die Verschuldung war schon zu groß, das Image zerstört, das Geschäftsmodell nicht kurzfristig zu verändern. Jeder BWL-Student weiss, daß es da kaum noch eine Rettung gibt.

Nun der Politik und dem Steuerzahler sein eigenes Versagen, die Fehler von Verdi, den Mitarbeitern und den Inhabern zuzuschieben ist schon ganz schön frech!

black

03.07.2012, 06:03 Uhr

ich finde das ganze System Schlecker völlig daneben; wie kann man so eine Bude als e.K. führen? Das strukturiert man doch mindestens in eine GmbH & Co.KG.
Und letztendlich: Kunden wollen billiger,billiger und nochmal billiger...aber jeder will am Ende des Monats 3T netto auf dem Konto haben.

Man darf einfach festhalten, das die meisten Menschen in diesem Lande nicht ansatzweise eine Ahnung haben, welche Personalkosten ein Unternehmen tatsächlich aufwenden muss; neben der Summe die am Ende des Monats auf dem Arbeiter-/Angestelltenkonto landet. Welcher normal Angestellte kann schon was mit U1/U2 und INSO anfangen.

Und zu Verdi: ich würde mir gerne mal der ihre Gehaltsstruktur und Entlohung anschauen ( wer vertritt eigentlich die Verdiangestellten? ); und aus verlässlicher Quelle weis ich, das die z.B. ihre Mitgliedsbeiträge bereits am 28. des Monats ihren Mitgliedern belasten. Wer hat da denn sein Gehalt schon drauf...? Das erinnert mich irgendwie an: GEZ.

Nochmal zu Schlecker: der einzige der hier noch sein Geld kriegt; ist der Insolvenzverwalter. Mein Berufswunsch im nächsten Leben.

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