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13.08.2015

13:48 Uhr

Macy’s und American Apparel

US-Modeketten spüren den Todeskuss

VonAxel Postinett

Macy’s bricht der Umsatz weg, American Apparel wird nur noch künstlich am Leben gehalten: Amerikas Modehandel steht vor großen Problemen. Und die Branche rutscht weiter abwärts auf der gefährlichen Bahn der Billigläden.

Mitarbeiter der Modefirma forderten Ende Juli den Abgang von Chefin Paula Schneider. AFP

American Apparel

Mitarbeiter der Modefirma forderten Ende Juli den Abgang von Chefin Paula Schneider.

San FranciscoWenn der Moderiese Macy's ein Leuchtturm für den US-Einzelhandel ist, dann stehen der Branche harte Zeiten bevor. Im abgelaufenen Quartal sanken Gewinn und Umsatz. Für das gesamte Jahr wird jetzt statt eines Wachstums von einem Prozent ein Umsatzrückgang um ein Prozent erwartet. Der Umsatz lag mit 6,1 Milliarden etwa 200 Millionen Dollar niedriger als im Vorjahr. Der Nettogewinn sank um 26 Prozent auf 217 Millionen Dollar.

Einen Grund sieht Macy's-Vorstandschef Terry Lundgren darin, dass Touristen aus Europa, China und Brasilien aufgrund des starken Dollars „einfach nicht in die USA kommen“. Diejenigen, die doch nach Amerika reisten, würden ihr Geld dann aber nicht für Mode ausgeben. Auch konnten geplante Preisaktionen, offenbar mit Ware aus Asien, nicht wie geplant abgehalten werden. Die Produkte mussten dann im zweiten Quartal mit hohen Abschlägen verkauft werden. „Wir sind enttäuscht von den Ergebnissen“, räumt Lundgren unumwunden ein.

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American Apparel, GAP oder J.Crew haben in den 90ern die Jugendkultur in den USA geprägt. Doch seit Jahren geht es bergab. Massenentlassungen, Filialsterben und ein Run auf  Billig-Läden sind die Folge. Ist das das Ende?

Um die Probleme der Rabattschlachten zu entschärfen, plant Lundgren einen radikalen Schritt. Mit „Macy’s Backstage“ wird er eine eigene Kette für angekaufte Billigware und ausgemusterte Kollektionen aus der Hochpreiskette starten. Ein riskantes Unterfangen, auf das sich immer mehr Unternehmen einlassen: Erst im Juli verkündete die frühere Exklusiv-Modekette J.Crew in den USA die Eröffnung einer Billigkette namens „J.Crew Mercantile“ für „preisbewusste“ Kunden. Der Trend kreiert ein zusätzliches Angebot zu den ohnehin vorhandenen „Outlet-Stores“, die Artikel der Vorsaison verramschen.

Brillante Strategie oder hilfloses Abrutschen in den Untergang? Die Meinungen sind geteilt. Für den Branchenexperten Robin Lewis ist die hemmungslose Expansion in jede erdenkliche Vertriebsform, um auf allen Preisebenen konkurrieren zu können, schlicht der „Kuss des Todes“ für eine Premiummarke. Das Schicksal habe schon Marken wie Tommy Hilfiger ereilt und drohe auch Nobelmarken wie Michael Kors, die überall ihre Finger drin haben wollen, schreibt Lewis in seinem Blog „The Robinreport“. Er verweist auch auf die Nobelmarke Coach, die mit superteuren Handtaschen startete und heute 70 Prozent ihres Umsatzes aus den Outlet-Stores beziehe. Sein Fazit: Hat sich der Kunde erst einmal an die billigeren Modelle gewöhnt, gibt es keinen Grund mehr, im Original-Laden das Doppelte zu zahlen.

Für die Macy’s-Aktie ging es an der Wall Street am Mittwoch jedenfalls um rund 4,7 Prozent auf 64,42 Dollar abwärts. Einen kompletten Kollaps erlebte dagegen American Apparel – mit einem Minus von 32 Prozent auf nur noch rund 14 Cent pro eine Aktie.

Der bekannten Modemarke aus Kalifornien droht bereits der Todeskuss. Das Unternehmen warnte am Dienstag, der Stichtag für die Vorlage der aktuellen Quartalszahlen werde nicht eingehalten werden. Vorläufigen Ergebnissen zufolge erhöht sich der Verlust auf 19 Millionen Dollar - nach 16 Millionen im Vorjahr. Die Barbestände sind auf sieben Millionen Dollar abgeschmolzen, zusätzlich gibt es noch sechs Millionen aus einer Kreditlinie.

Kommentare (4)

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Herr Chris Frank

13.08.2015, 14:09 Uhr

Na ja. In einem Land, in dem ein immer kleinerer Teil der Einwohner fast sämtliches Vermögen besitzt ist es kein Wunder, dass sich der Großteil irgend wann nur noch in Billigketten mit Kleidung eindeckt...

Herr Thomas Behrends

13.08.2015, 14:40 Uhr

Tja, warum soll es Macy´s und American Apparel besser gehen als Karstadt, Kaufhof & Co. ?

Letztendlich kommen die meisten Anbieter zu der Erkenntnis, dass Shopping ein Vor-Ort-Erlebnis ist und ferngelenkte Internet-Verkäufe nur zu Frust führen, weil man dann Rückgabefristen einhalten sowie zur Post zwecks Retoure gehen muss und lieber gleich im stationären Handel gekauft hätte,

Des weiteren ist auch bedenklich, dass die kleinen Spezialisten sukzessive, gerade durch diese Macy´s & Co´s,, die nur in Fernost fertigen lassen, von der Bildfläche verschwinden.

Herr Marcus Vinicius

13.08.2015, 15:24 Uhr

Im Artikel werden leider die Probleme eines Haendlers (Macy's) mit den Problemen einiger Modelabels (American Apparel, Gap, Coach etc.) vermischt. Ich lebe seit langem in den USA; das Problem bei Macy’s ist, dass die kontinuierliche Modernisierung der Laeden verpasst wurde. Man fuehlt sich wie bei Karstadt in den 80er Jahren. Dazu hat Macy’s hohe Preise, die man durch woechentliche Angebote („Superbuy“) und komplexe Rabattaktionen zu kaschieren versucht. Jede Woche liegen der Zeitung Rabattcoupons ueber 15-20% Discount bei. Da aber mehrere Dutzend Ausnahmen bestehen, z.B. gelten die Coupons nicht fuer Nike-Produkte, blickt kaum noch ein Kunde durch. Das es auch anders geht, beweisen Modelabels wie Ralph Lauren oder Nautica. Beide werden durch Macy’s vertrieben, sind aber auch in den Outlet-Shops vertreten. Im Endeffekt ist doch ein Modelabel dann erfolgreich, wenn die Kollektion den Zeitgeist trifft. Da sind halt Ralph Lauren und Nautica erfolgreicher als Gap oder American Apparel. Der Markt sortiert aus.

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