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30.08.2016

11:56 Uhr

Mängel bei Tank & Rast

„Wir nehmen die Wurst noch mal für die Soljanka“

Abgelaufene Wurst, alter Pudding und neue Etiketten auf alter Ware: TV-Reporter haben unappetitliche Mängel an Autobahn-Raststätten entdeckt. Der Betreiber Tank & Rast spricht von Einzelfällen – und will durchgreifen.

Der Betreiber hat Mängel an einigen Raststätten eingeräumt. dpa

Tank & Rast

Der Betreiber hat Mängel an einigen Raststätten eingeräumt.

Bonn/BerlinDer Raststätten-Betreiber Tank & Rast hat nach einem TV-Bericht Qualitätsmängel an einigen Stationen eingeräumt und in vier Fällen auch Pächter von Raststätten abgemahnt. „Es wurden unmittelbar Sofortmaßnahmen ergriffen, um festgestellte Mängel abzustellen und die Einhaltung der klaren Qualitätsstandards und Hygienevorgaben sicherzustellen“, teilte das Unternehmen am Dienstag in Bonn mit. Die RTL-Sendung „Team Wallraff“ hatte am Montag über monatelange verdeckte Recherchen auf Rasthöfen berichtet.

Zwei Reporterinnen hatten dabei als Servicekräfte an verschiedenen Stationen heimlich Filmaufnahmen gemacht und unter anderem dokumentiert, wie abgelaufene Wurst verkauft wurde. Auf die Frage, was mit Wurstscheiben vom Frühstücksbuffet passieren solle, sagte ein Mitarbeiter: „Wir nehmen die Wurst noch mal für die Soljanka.“

Raststätten in Deutschland

Regelmäßige Abstände

An deutschen Autobahnen findet man in der Regel alle 50 bis 60 Kilometer eine Raststätte, in Ausnahmefällen können es auch bis zu 80 Kilometer sein.

Der Marktführer

Es gibt insgesamt 435 Raststätten mit Tankstellen und Restaurants. Die meisten Anlagen - nämlich 390 einschließlich etwa 50 Hotels sowie 350 Tankstellen - betreibt das Unternehmen Tank & Rast.

Die Besucher

Die Anlagen von Tank & Rast haben nach Unternehmensangaben rund 500 Millionen Besucher jährlich. 58 Prozent der Gäste sind laut Daten aus dem Jahr 2014 Privatreisende, 28 Prozent Geschäftsreisende, 11 Prozent Lkw-Fahrer und 3 Prozent Busreisende.

Autohöfe

Anders ist die Lage bei den Autohöfen. Sie liegen nicht direkt an einer Autobahn, sondern in der Nähe einer Anschlussstelle. Von den fast 200 Autohöfen betreibt Tank & Rast sieben, der Interessenvertretung Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA) sind 65 angeschlossen.

Eine andere Servicekraft bemerkte über tagelang in der Auslage stehenden Pudding: „Es prüft keiner, wie lange die hier stehen. Aber das sieht man dann schon, wenn der blubbert.“ Obstsalat vom Vortag wurde demnach mit Zuckerwasser übergossen, um frisch auszusehen.

Tank & Rast ist der mit Abstand größte Anbieter in Deutschland und betreibt 390 der insgesamt rund 435 Autobahn-Raststätten. Einen Großteil davon verpachtet das Unternehmen an selbstständige Unternehmer. Anders als bei sogenannten Franchise-Systemen, wo die Partner etwa von McDonald's oder Burger King eng an die Kette gebunden sind, hätten die Tank & Rast-Partner größere Freiheiten bei der Führung ihrer Betriebe, sagte ein Sprecher.

Burger King war 2014 nach einem Bericht der RTL-Sendung wegen Hygieneverstößen und schlechten Arbeitsbedingungen bei einem Lizenznehmer in die Schlagzeilen geraten. Mehrere Filialen waren daraufhin zeitweise geschlossen.

Der Raststätten-Betreiber will bis 2017 die Pächter enger an das Unternehmen binden und auf ein „vollwertiges Franchise-System“ umstellen. Details dazu nannte Tank & Rast noch nicht.

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