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16.09.2015

16:45 Uhr

Märklin

Modellbahnbauer will Millionenschätze präsentieren

Seine wertvollsten Loks hielt der Modellbahnbauer Märklin bisher versteckt und verschlossen in einem geheimen Lager. Nun bekommen die kleinen Züge ihren großen Auftritt. Der Wert der Modelle geht in die Millionen.

Märklin will seine wertvollsten Modelle in einer Dauerausstellung präsentieren. dapd

Minizüge für Millionen

Märklin will seine wertvollsten Modelle in einer Dauerausstellung präsentieren.

GöppingenDer Modellbahnbauer Märklin will seine teuersten Modellbau-Schätze in einem neuen Museum im Stammwerk in Göppingen präsentieren. Die dauerhafte Ausstellung solle nicht nur für Sammler interessant sein, kündigte Geschäftsführer Florian Sieber am Mittwoch an. „Wir wollen Kinder anziehen.“ Der Bau soll nächstes Jahr beginnen. Die Modellbau-Welt werde frühestens 2018 fertiggestellt. Sieber erwartet dann jährlich mehr als 150.000 Besucher.

Die älteste Märklin-Lok „Storchenbein“ von 1891, der Budweiser-Bierwagen von 1930, das Pferderennspiel von 1928 - insgesamt 7000 Modellbauschätze sollen in der neuen Ausstellung gezeigt werden. Darunter auch einige Züge, die Märklin vor zehn Jahren geraubt wurden.

Bei dem spektakulären Millionen-Coup hatten zwei Diebe im Januar 2005 rund 180 teils wertvolle Exponate aus dem damaligen Firmenmuseum eingesackt. Die Täter wurden später geschnappt, ihre Beute beschlagnahmt. Im neuen Museum sollen die Schätze teils hinter Panzerglas zu sehen sein.

Märklin auf einen Blick

Historie

Theodor Friedrich Wilhelm Märklin begann 1859 mit dem Bau von Puppenküchen.

Produktion

In Göppingen und Ungarn werden im Jahr 500 000 Lokomotiven und zwei Millionen Wagen der Marken Märklin, Trix und LGB gefertigt.

Umsatz

2011 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz leicht um 1,6 Prozent auf 108,77 Millionen Euro und legte beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 12,6 Prozent auf 12,36 Millionen Euro zu.

80 Prozent des Umsatzes generiert Märklin über Neuheiten. Rund ein Viertel des Jahresumsatzes entfällt auf das Weihnachtsgeschäft. Der Großteil seiner Erlöse erwirtschaftet Märklin im Inland – nur gut 15 Prozent entfallen auf das Auslandsgeschäft.

Die Ära Kingsbridge

2006 stiegen der Finanzinvestor Kingsbridge und Goldmann Sachs bei Märklin ein und bewahrte den Traditionshersteller vor der drohenden Pleite. Der Sanierungsplan hatte allerdings deutliche Schwächen. 2009 musste Märklin Zahlungsunfähigkeit melden. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass allein im Jahr 2007 rund 13 Millionen Euro für Beraterhonorare geflossen waren – mehr als zehn Prozent des Gesamtumsatzes des Jahres 2007 von 126 Millionen Euro.

Die Insolvenz

2009 – im Jahr seines 150-jährigen Bestehens – meldet Märklin Insolvenz. Insolvenzverwalter Michael Pluta gelang es, Märklin wieder auf Kurs zu bringen. Im Dezember 2011 hob das Amtsgericht Göppingen das Insolvenzverfahren auf und erklärte einen zwischen den Gläubigern und Pluta ausgehandelten Insolvenzplan für rechtskräftig.

Die Schrumpfkur

Insolvenzverwalter Pluta verkleinerte die Spitze von ehemals drei Geschäftsführern und 14 Managern auf einen Geschäftsführer und sechs leitende Manager. Bonuszahlungen gibt es seither nur noch, wenn das Unternehmen Gewinn macht. Mehr als 400 Mitarbeiter wurden entlassen. Zwei von vier Standorten wurden geschlossen. 13 Bereiche wurden zu fünf zusammengefasst. Aktuell beschäftigt Märklin noch rund 1000 Mitarbeiter. Stefan Löblich übernahm 2010 die Geschäftsführung – zu diesem Zeitpunkt war er der fünfte Märklin-Chef in fünf Jahren.

Die Strategie

Märklin will Sammler und Kinder für die Modelleisenbahn begeistern. Dafür will der Mittelständler den Fachhandel neu beleben, aber auch über diesen hinaus wieder sichtbarer werden. Derzeit gibt es rund 800 Modellbahnfachhändler, die in der Märklin-Händler-Inititiative (MHI) zusammengeschlossen sind.

Derzeit schlummert die Sammlung aus der über 150-jährigen Firmengeschichte zum größten Teil verschlossen im sogenannten Turmzimmer in der Firma. Der Wert der Turmzimmersammlung liege laut Gutachten bei fünf bis sieben Millionen Euro, sagte Sieber. Für das Museum will die Kreissparkasse Göppingen die Sammlung erwerben und eine Stiftung gründen.

Der 1859 gegründete Traditionshersteller Märklin kam erst 2013 aus einem Insolvenzverfahren und hat seitdem kräftig investiert. Die Firma versucht schon seit längerem, Nachwuchs an die Lok zu locken und junge Kunden zu gewinnen.

Von

dpa

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