Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2013

12:52 Uhr

Mainzer Stellwerksdebakel

Eisenbahnbundesamt fordert Sicherheitsbericht

ExklusivDie Probleme am Mainzer Hauptbahnhof rücken den Umgang der Deutschen Bahn mit ihren Mitarbeitern in den Fokus. Der Chef des Eisenbahnbundesamts fordert nun von dem Unternehmen Informationen über die Personalplanung.

Hauptbahnhof von Mainz: Die Aufsichtsbehörde fordert Auskunft über die Personalplanung. dpa

Hauptbahnhof von Mainz: Die Aufsichtsbehörde fordert Auskunft über die Personalplanung.

DüsseldorfDer Chef des Eisenbahnbundesamts (EBA) nimmt die Probleme im Stellwerk des Hauptbahnhofs Mainz sehr ernst und zum Anlass, umfassend alle sicherheitsrelevanten Betriebsbereiche bei der Deutschen Bahn zu prüfen. „Wir interessieren uns generell für das Thema“, sagte EBA-Präsident Gerald Hörster dem Handelsblatt (Montagausgabe), „nicht nur bei Stellwerken.“

Die Aufsichtsbehörde habe deshalb vom Bahnvorstand Informationen über Besetzung von Stellwerken, Personalbemessung und auch zur Ausbildung von Fachkräften eingefordert, so Hörster. Das EBA sieht sich nicht für die Personalplanung der Bahn „zuständig“. „Aber wir fragen die Bahn jetzt schon, wie sie grundsätzlich zur Besetzung ihrer Stellwerke kommt.“

Die Kritik der Gewerkschaft und Betriebsräte an Millionen von Überstunden und aufgeschobenen Urlaubstagen kommentierte Hörster so: „Ziel jedes Unternehmens sollte es sein, mit seinem Personal schonend umzugehen und Überlastungen zu vermeiden.“

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Das sei allerdings eine unternehmerische Aufgabe, nicht Aufgabe des Bundesamtes. Dort „landet die Sache erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Die Behörde versuche aber die Bahn rechtzeitig „auf Missstände hinzuweisen“.

Generell sieht Hörster die Betriebssicherheit bei der Bahn nicht gefährdet. Auch wenn die Bahn „in den letzten Jahren umfangreich Personal eingespart und erheblich rationalisiert“ habe. „Wenn wir den Eindruck hätten, dass flächendeckend kein sicherer Eisenbahnbetrieb gewährleistet werden könnte, dann würden wir sofort tätig werden“, versichert der EBA-Präsident.

Von

fo

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×