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11.01.2016

15:01 Uhr

Makler in Singapur

Wo der Uber-Fahrer Ihnen Wohnungen verkauft

Wer in Singapur mit Uber unterwegs ist, kann überraschende Angebote bekommen. Der Fahrdienst ist ein beliebter Nebenjob für Immobilienmakler, die unter der Marktflaute leiden. Und die Lage dürfte sich verschärfen.

Viele Immobilienmakler verdienen sich ein Zubrot als Uber-Fahrer. AFP

Auf den Straßen von Singapur

Viele Immobilienmakler verdienen sich ein Zubrot als Uber-Fahrer.

SingapurAls Billy Loh 2008 als Immobilienmakler begann, galt sein Job in Singapur als ein Weg zum Wohlstand. Heute sitzt er hinter einem Lenkrad und fährt Gäste durch den Stadtstaat, um seine Rechnungen bezahlen zu können. Der 50-Jährige fährt für das Milliarden-Start-up in Singapur. Dort haben Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilien-Marktes die Preise für Häuser unter Druck gebracht und das Transaktionen-Volumen um bis zu zwei Drittel im Vergleich zu 2012 einbrechen lassen.

Nach einem halben Jahr ohne einen einzigen Geschäftsabschluss entschied sich Loh, als Uber-Fahrer sein Glück zu versuchen. Er verdient jetzt durchschnittlich 3000 Singapur-Dollar (1940 Euro) im Monat. Das ist nur ein Zehntel der Kommission, die er mit dem Verkauf einer Wohnimmobilie zu Spitzenzeiten des Marktes hätte verdienen können.

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„Der Markt hat sich verlangsamt wegen der Maßnahmen, die zur Abkühlung ergriffen wurden“, sagt Loh, während er mit einem Toyota Corolla – den er seit Oktober angemietet hat – durch die Stadt fährt. „Wir haben keine andere Wahl. Wir müssen irgendwie Wege finden, um über die Runden zu kommen.“

Zwar müssen sich Immobilienmakler auch in anderen Teilen der Welt in der zyklischen Branche mit Zweitjobs über Wasser halten, doch in Singapur sieht die Lage besonders düster aus.

Die Preise für Wohnimmobilien sind in den zwölf Monaten bis Ende September um 4,3 Prozent zurückgegangen – das ist ein größeres Minus als in Hongkong, China, Japan und Australien. Das geht aus dem Knight Frank Global House Price Index hervor, der 55 globale Wohnimmobilien-Märkte abbildet.

Der Kampf der Taxibranche gegen Mytaxi

Worum geht es?

Die Daimler-Tochter Mytaxi hatte im Frühjahr in Deutschland und anderen Staaten mit Rabatten von bis zu 50 Prozent für Fahrten geworben, die über die App vermittelt und bezahlt werden. Die Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale setzte dem mit einer einstweiligen Verfügung ein Ende. Die Begründung: Das Personenbeförderungsgesetz ist dazu da, Taxifahrer vor ruinösem Wettbewerb zu schützen. Demnach dürfen nur die Behörden, also die Kommunen, die Taxipreise festlegen. Diese dürfen weder über- noch unterschritten werden.

Quelle: dpa

Welche Meinung vertritt das Gericht in Stuttgart?

Das Stuttgarter Landgericht entschied im Sinne der Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale - und erklärte die Rabatte für rechtswidrig (Az.: 44 O 23/15 KfH). Der Richter am Oberlandesgericht war aber schon anderer Meinung. Die Rabatte seien nicht grundsätzlich zu verbieten - unter anderem, weil Mytaxi nicht unter das Personenbeförderungsgesetz falle und den Taxifahrern die 50 Prozent erstatte. Der konkrete über zwei Wochen gewährte Rabatt von 50 Prozent könne allerdings als unlauterer Wettbewerb gesehen werden, denen die Taxifahrer ausgesetzt sind. Schon eine zweiwöchige Rabattaktion könne in einem fragilen Markt wie dem Taxi-Geschäft ausreichen, die Verhältnisse zu ändern, so der Richter. Denn durch die Rabattaktionen werde Druck auf die Taxifahrer ausgeübt, sich Mytaxi anzuschließen.

Welche Konsequenz könnte eine Entscheidung nun haben?

Das Oberlandesgericht bot den beiden Parteien einen Vergleich an. Sie hätten sich über die Frage einer tolerierbaren Höhe und Dauer von Rabatten einigen müssen. Das ist nicht gelungen. Es könnte also durchaus sein, dass das Gericht eine solche Grenze zieht – und Mytaxi anders gestaltete Rabatte in Stuttgart gewähren darf.

Warum kann trotzdem bundesweit mit Rabatten geworben werden?

Das Hamburger Landgericht, dass über ein bundesweites Verbot entschieden hatte, hatte wie Mytaxi argumentiert: Das Gesetz gelte eben nicht für die App, da sie nur ein Vermittler sei. Außerdem erhielten die Fahrer, die durch das Gesetz geschützt werden sollen, ja den vollen Fahrpreis (Az: 312 O 225/15).

Welche Entscheidungen stehen noch aus?

In Frankfurt hat die Servicegesellschaft Taxi Deutschland vor dem Landgericht Klage gegen die bundesweit laufenden Rabattaktionen eingereicht. Die Taxi-Zentralen sehen sich einem ruinösem Wettbewerb ausgeliefert. Vor dem Landgericht Frankfurt war schon der Mitfahrerdienst Uber Pop, bei dem Privatleute Fahrten in ihren Autos anbieten, nach einer Klage des deutschen Taxigewerbes für wettbewerbswidrig erklärt worden.

Könnte Mytaxi auch grundsätzlich verboten werden?

Nein. Das machte zumindest der Richter am Stuttgarter Oberlandesgericht sehr klar. Es gehe nicht um die Zulässigkeit des Geschäftsmodells. Mytaxi nutzte die Gunst der Stunde und kündigte eine neue Rabattaktion in mehreren deutschen Großstädten bis 26. November an – Stuttgart gehört selbstverständlich nicht dazu.

In den vergangenen zwölf Monaten ist es Entwicklern in Singapur laut SLP International Property Consultants gerade einmal gelungen, rund 7000 neue Wohnimmobilien zu verkaufen. Das entspricht in etwa demselben Niveau wie 2014, ist jedoch ein Rückgang um die Hälfte im Vergleich zu 2013 und ein Minus von rund 68 Prozent im Vergleich zu 2012.

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