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24.01.2005

08:22 Uhr

Management glaubt an die eigene Zukunft

Euro Disney Paris lässt nicht locker

VonHolger Alich

Trotz Milliardenschulden und gestiegener Verluste – André Lacroix, Chef von Euro Disney SCA, glaubt an das Konzept des Disneyland Resort in Paris. „Die Vision ist richtig“, bekräftigte der Chef der Park-Betreibergesellschaft in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Neue Attraktionen sind geplant.

Das Disney-Management glaubt an eine eigene Zukunft.

HB PARIS. „Wir müssen unser Angebot weiter ausbauen, um neue Gäste zu gewinnen und um die Kunden länger im Gelände zu halten.“ Dazu will er bis 2008 pro Jahr eine neue Attraktion einweihen. Investitionsvolumen: 250 Mill. Euro.

Als letzten Schritt des Refinanzierungsplans kündigte Euro Disney am Freitag an, die geplante Kapitalerhöhung von 253 Mill. Euro nun zu starten. Die neuen Aktien kommen mit einem erheblichen Kursabschlag auf den Markt, sie werden zu neun Cents angeboten. Vor der Ankündigung kosteten Euro-Disney- Aktien etwa 27 Cents. Der Stamm-Aktionär, die Walt Disney Company (39,1 Prozent), will Papiere für 100 Mill. Euro zeichnen. Auch der saudische Prinz Alwaleed, der 16 Prozent des Kapitals hält, will noch einmal 25 Mill. Euro zuschießen. Der Rest der Kapitalerhöhung ist von einem Bankenkonsortium angeführt von BNP Paribas und Crédit Agricole garantiert.

Quasi in letzter Minute konnte das Management Ende September nach monatelangen Verhandlungen mit den Gläubigern einen Refinanzierungsplan für die Schulden in Höhe von zwei Mrd. Euro aushandeln, um die Zahlungsfähigkeit des Parkbetreibers sicher zu stellen.

Doch trotz der frischen Mittel zweifeln Analysten an der Lebensfähigkeit des Geschäftsmodells von Euro Disney. Im vergangenen Jahr stagnierte die Besucherzahl bei 12,4 Millionen und die Bilanz war tiefrot. Nach Analystenschätzungen braucht das Unternehmen pro Jahr 16 bis 17 Mill. Besucher, um profitabel zu sein. Auch das Management selbst stellt den Aktionären noch „mehrere Jahre mit Verlusten" in Aussicht.

Der Euro Disney-Chef verwies auf den leicht gestiegenen Umsatz im ersten Quartal und auf seine Wachstumsstrategie. „Wir wollen neue Erstbesucher mit neuen Attraktionen zu uns zu locken“, sagte er. Denn viele der Besucher, die schon einmal im „magischen Königreich von Mickey & Co. waren, kommen wieder: „Von unseren Besuchern war über die Hälfte schon einmal da.“ Doch die Gleichung „neue Attraktionen gleich neue Kunden“ ist bereits in der Vergangenheit nicht aufgegangen. Der 2002 eröffnete zweite Park „Walt Disney Studios“ brachte nicht den erhofften Besucherstrom.

Diesen Einwand ließ Lacroix nicht gelten: „In den ersten zwölf Monaten war die Entwicklung im neuen Park sehr gut. Anfang 2003 litten wir dann unter der allgemeinen Tourismuskrise, den Folgen des Irak-Kriegs und der Sars-Seuche.“ Mit anderen Worten: Nicht das Management habe versagt, sondern nicht beeinflussbare Faktoren trügen Schuld an der Misere.

Noch nicht zufrieden ist Lacroix mit den Besucherzahlen aus Deutschland. Die Gäste aus dem Nachbarland machten lediglich acht Prozent der Kunden aus, 40 Prozent sind Franzosen. „Wir müssen unser Angebot besser kommunizieren“, sagte der Euro-Disney-Chef und ergänzt: „Wir sind kein Freizeit-Park, sondern ein Ziel für einen Kurz-Urlaub.“

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