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13.01.2010

12:27 Uhr

Managementberatungen

Berater kämpfen hart um Aufträge

VonKatrin Terpitz

Die Krise zwang viele Firmen zum Sparen - auch bei den externen Ratgebern. Dennoch wird versucht auf Entlassungen von Mitarbeitern zu verzichten. Die Branche hofft nach der Umsatzflaute auf eine leichte Erholung.

Der Konzern will sich zukünftig weitgehend auf die hausinternen Ratgeber verlassen Quelle: ap

Der Konzern will sich zukünftig weitgehend auf die hausinternen Ratgeber verlassen

DÜSSELDORF. Beraterstopp - dieser Begriff wird unter den Consultants wohl als (Un -)Wort des Krisenjahres 2009 im Gedächtnis haften bleiben. "Besonders das erste Halbjahr hat den Beratungsunternehmen zu schaffen gemacht", resümiert Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbands deutscher Unternehmensberater (BDU). Schnieder, zugleich Deutschlandchef von Capgemini, geht von einem Umsatzrückgang der Branche von bis zu fünf Prozent aus. Andere Experten wie Marktforscher Thomas Lünendonk oder Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, rechnen mit Einbrüchen bis zehn Prozent.

Noch im Frühjahr hatte die Branche in einer BDU-Marktumfrage auf ein leichtes Umsatzplus von drei Prozent gehofft. Schließlich waren die knapp 14 000 Unternehmensberatungen in Deutschland in den letzten Jahren erfolgsverwöhnt: 2008 erwirtschafteten sie einen Rekordumsatz von 18,2 Mrd. Euro, ein Plus von 10,7 Prozent zum Vorjahr. Konkrete Zahlen zur Geschäftsentwicklung einzelner Häuser im vergangenen Jahr liegen noch nicht vor. Gerade in schwierigen Zeiten lässt sich die ohnehin verschwiegene Zunft nur ungern in die Karten schauen.

Vorausgesetzt, die Konjunktur springt wieder an, rechnet Verbandschef Schnieder in den kommenden Jahren mit einem Umsatzplus von je drei bis fünf Prozent für die Branche. Allerdings hat die Krise bleibende Spuren hinterlassen. "Die Beratungslandschaft ist im Umbruch", sagt Christian Veith, Deutschlandchef von Boston Consulting. Berater müssen sich nach innen wie außen an härtere Bedingungen anpassen.

Im Krisenjahr mussten Consultants knallhart um Aufträge kämpfen. Nie zuvor strichen bedeutende Klientenfirmen ihre Budgets für externe Ratgeber so radikal zusammen. So konnte es den Chef einer großen Beratung kaum trösten, als ihm ein Großkunde sagte: "Wir haben unseren Berateretat um 70 Prozent gesenkt. Aber freuen Sie sich, bei Ihnen nur um die Hälfte."

Einige Konzerne wie SAP oder Siemens kündigten an, soweit möglich ganz auf externe Berater zu verzichten. Siemens verlässt sich nun weitgehend auf die rund 200 hausinternen Ratgeber von Siemens Management Consulting. Projekte mit externen Beratern werden nur noch selten vergeben, sie müssen vom Vorstand genehmigt werden und sich kurzfristig rechnen. "Auf Dauer aber ist ein solcher Verzicht unrealistisch", glaubt Experte Fink. Solche Ankündigungen hätten vor allem Publicity-Wirkung - nach innen wie nach außen. Und nie war der Beratungsbedarf für Unternehmen so groß wie in dieser tiefgreifenden Krise, die traditionelle Geschäftsmodelle ganzer Industrien infrage stellt.

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