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28.08.2014

18:28 Uhr

Manager geht, neue Aufsichtsräte

Benko baut Macht bei Karstadt aus

Und noch ein Führungswechsel: Karstadt-COO Hartmann verabschiedet sich vom kriselnden Warenhauskonzern. Neu-Eigentümer Benko wirbelt auch den Karstadt-Aufsichtsrat durcheinander.

Pure Harmonie noch im Februar 2014 – mittlerweile sind Kai-Uwe Weitz (l.), Eva-Lotta Sjöstedt und Rüdiger Hartmann (3.v.r.) nicht mehr in der Karstadt-Führungsriege. Miguel Müllenbach (2.v.l.) leitet derzeit den Konzern. Karstadt

Pure Harmonie noch im Februar 2014 – mittlerweile sind Kai-Uwe Weitz (l.), Eva-Lotta Sjöstedt und Rüdiger Hartmann (3.v.r.) nicht mehr in der Karstadt-Führungsriege. Miguel Müllenbach (2.v.l.) leitet derzeit den Konzern.

DüsseldorfDer neue Karstadt-Eigner Rene Benko hat nach der Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette eine Reihe von Vertrauten in den Aufsichtsrat des Essener Konzerns entsandt. Neu im Karstadt-Aufsichtsrat ist unter anderem Robert Leingruber, der bei Benkos Signa Holding für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, wie aus einem am Donnerstag auf der Internet-Seite des Bundesanzeigers veröffentlichten Dokument hervorgeht. Das Gremium soll in zwei Wochen über die Karstadt-Sanierung beraten - Benkos Kontrolleure sitzen dann mit am Tisch. Vorsitzender des Gremiums bleibt dem Dokument zufolge Stephan Fanderl, der die rund 17.000 Beschäftigten bereits auf harte Einschnitte eingestimmt hat. Im Karstadt-Management dauerte der personelle Aderlass an: Der unter anderem für Datenverarbeitung und Strategie zuständige Rüdiger Hartmann warf das Handtuch.

Insgesamt rücken acht neue Mitglieder in das Kontrollgremium auf, darunter auch Manager der Signa Holding Benkos. So ist der neue Karstadt-Kontrolleur Wolfram Keil unter anderem Finanzchef der Signa-Tochter Recap. Keil hatte bereits angekündigt, Signa wolle sich auf die Sanierung konzentrieren. Neu-Aufseher Marcus Mühlberger ist „Finanzvorstand in unterschiedlichen Bereichen der Signa“, wie es auf einer Signa-Internetseite heißt. Die frisch bestellten Aufsichtsräte ersetzen Vertreter des ehemaligen Karstadt-Eigners Nicolas Berggruen, von dem Benko die Kette für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen hatte. Ein Karstadt-Sprecher wollte sich nicht zu den Berufungen äußern, Signa war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Das Kontrollgremium soll am 11. September über Sanierungspläne für die Warenhauskette beraten. Investor Benko müsse rasch Klarheit über seine Pläne mit Karstadt schaffen und ein tragfähiges Konzept für die Zukunft der Kette vorlegen, hatte die Gewerkschaft Verdi immer wieder gefordert. Die Karstadt-Übernahme durch Benko hatte auch Spekulationen über eine Warenhausallianz mit der Metro-Tochter Kaufhof neu angefacht. Benko, dessen Signa Holding auch zahlreiche Karstadt-Immobilien besitzt, hatte sich in der Vergangenheit bereits vergeblich um eine Übernahme des Kaufhof bemüht.

Die rund 17.000 Karstadt-Mitarbeiter müssen nun weiter bangen, wie es mit der Kette weitergeht. Karstadt-Aufsichtsratschef Fanderl hatte angekündigt: „Wir werden die Sanierung der Karstadt Warenhaus GmbH zügig und entschlossen angehen.“ Er hatte hinter die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Karstadt-Häusern ein Fragezeichen gesetzt.

Karstadt-Manager Hartmann scheide auf eigenen Wunsch aus, teilte der Essener Konzern weiter mit. Erst vergangene Woche hatte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz den Hut genommen. Damit leitet derzeit übergangsweise Finanzvorstand Miguel Müllenbach allein den Konzern, der seit Jahren mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpft.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Holger Klekar

28.08.2014, 20:17 Uhr

Der Ausverkauf der BRD geht weiter.
Die BRD wird demontiert und ausgeschlachtet.

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