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04.12.2012

15:00 Uhr

Mangelhafte Infrastruktur

Deutsche Wirtschaft auf der Rüttelstrecke

VonMartin Dowideit, Dana Heide, Christof Kerkmann

Wegen der Energiewende drohen Stromausfälle, in mancher Kleinstadt lahmt das Internet und eine Autobahnsperrung für Lkw schreckt die Industrie auf. Wie die marode Infrastruktur das Wirtschaftswachstum behindert.

Die für Lkw gesperrte A1-Brücke zwischen Leverkusen und Köln. Noch gibt es Hoffnung, dass sie bald wieder befahren werden darf – doch sicher ist nichts. dpa

Die für Lkw gesperrte A1-Brücke zwischen Leverkusen und Köln. Noch gibt es Hoffnung, dass sie bald wieder befahren werden darf – doch sicher ist nichts.

DüsseldorfVergangenen Freitag kletterte Ernst Grigat unter eine Autobahnbrücke und begutachtete Risse, die Experten dort bei einer eingehenden Prüfung festgestellt hatten. Die Schäden waren so besorgniserregend, dass die Rheinbrücke der A1 zwischen Leverkusen und dem Kölner Norden auf unbestimmte Zeit für Lkw über 3,5 Tonnen gesperrt wurde. Für Grigat eine Schreckensmeldung, denn der Manager leitet die Chemieparks in Leverkusen, Dormagen und Krefeld – die Autobahnbrücke ist so etwas wie eine Lebensader für die Standorte.

Jetzt müssen nicht nur 500 Lkw, die alleine die Chempark-Mieter wie Bayer oder Lanxess pro Tag über die Brücke schicken, durchschnittlich 20 Kilometer am Tag Umwege in Kauf nehmen. Grigat befürchtet, dass mittelfristig weitere Brücken ein ähnliches Schicksal erleiden könnten. „Wir sehen in der Sperrung schon ein Warnzeichen und fragen uns 'Was passiert denn noch?'“, sagt er.

Interview Chempark-Chef: „Was passiert denn noch?“

Interview Chempark-Chef

„Was passiert denn noch?“

Die Sperrung einer Rheinbrücke für Lkw hat Folgen für einen Chemiepark-Betreiber.

Denn die A1-Rheinquerung war bereits vor der jüngsten Verkehrseinschränkung für Schwerlast-Fahrten mit mehr als 40 Tonnen Gewicht gesperrt. Eine solche Einschränkung gilt allein in Nordrhein-Westfalen derzeit für etwa 30 Autobahnbrücken, wie der Landesbetrieb Straßenbau auf Anfrage von Handelsblatt Online mitteilt.

40 Tonnen sind die Grenze für diese NRW-Autobahnbrücken

A1

A 1 Talbrücke Düte
A 1 Liedbachtal
A 1 Bahnhof Hengstey
A 1 Talbrücke Volmarstein
sowie diverse weitere Brücken entlang der Strecke

A2

A 2 B 233 "Münster Str"

A3

A 3 K9 "Am Langen Kamp"
A 3 Autobahnkreuz Hilden
A 3 Feldweg
A 4 / A 3 Heumar, KVB (162 A)

A40

A 40 Schifffahrtskanal

A45

A 45 Talbrücke Rettelmühle
A 45 Talbrücke Lennetal
A 45 Talbrücke Brunsbecke
A 45 Talbrücke Rahmede
A 45 Talbrücke Germinghausen
A 45 Talbrücke Rinsdorf

Weitere Autobahnen

A 46 Winchenbach
A 52 Ruhrtalbrücke Mintard
A 57 AK Köln Nord
A 59 Berliner Brücke
A 59 AS Porz Wahn
A 544 Haarbachtalbrücke
A 559 Autobahnkreuz Köln Gremberg
A 565 Tausendfüßler Bonn

Quelle

Straßenbaubetrieb Nordrhein-Westfalen, Auskunft vom 4. Dezember 2012.

Die Angaben beziehen sich auf Autobahnbrücken, die für Schwerlastverkehr (>40 Tonnen) gesperrt sind.

Die Autobahnbrücke über den Rhein ist nur ein Zeichen, an dem sich zeigt: Zurückhaltende Investitionen in die Erhaltung und den Neubau von Infrastruktur können das Wirtschaftswachstum bremsen. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) drängt jetzt seinen Bundeskollegen Peter Ramsauer (CSU), den für 2025 geplanten Neubau der A1-Brücke vorzuziehen. Doch das ist mehr ein Bekämpfen von Symptomen denn Ursachen.

Die weltweit besten Industriestandorte

Platz 1

Die USA behaupten sich im IQ-Index auf dem ersten Rang. Dort waren die Vereinigten Staaten bereits 1995 zu finden.

Platz 2

Im Vergleich von 45 Industrienationen belegt Schweden den zweiten Rang. Seit 1995 hat sich Schweden damit um zwei Plätze verbessert.

Platz 3

Dänemark macht zwei Plätze gut und springt auf Rang 3. Skandinavien macht derzeit wirtschaftlich eine gute Figur.

Platz 4

Auch Deutschlands Nachbar Schweiz schafft es auf einen der vorderen Plätze – 1995 stand die Alpenrepublik noch auf Rang 7.

Platz 5

Deutschland macht den größten Sprung bei den Top-Industrienationen. 1995 sah das IW-Institut die Bundesrepublik noch auf Platz 14.

Platz 6

Knapp hinter Deutschland folgt Australien auf Platz 6 – sogar mit dem gleichen Indexwert aus den 58 einzelnen Kategorien.

Platz 7

Platz 7 geht an die Niederlande – damit verschlechtert sich unser Nachbar deutlich. Die Holländer lagen 1995 noch an zweiter Stelle des IW-Rankings.

Platz 8

Auch Kanada muss einen Rückschlag hinnehmen. Der nordische Nachbar der USA stürzt um satte fünf Plätze ab.

Es gibt an vielen Stellen Engpässe in der Infrastruktur. Das betrifft die Straßen und die Bahn, die Energieversorgung und das schnelle Internet. Manche Probleme sind hausgemacht – etwa die vielen Pannen um den Bau des neuen Berliner Flughafens –, andere werden von Unternehmen durch freizügige Interpretation von Vorschriften heraufbeschworen. Handelsblatt Online gibt einen Überblick.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

04.12.2012, 15:14 Uhr

Kann mir dann jemand bitte erklären, warum wir für das Winterhalbjahr 2012/2013 Strom nach Frankreich verkaufen, wenn uns Stromausfälle drohen.

Ben-Wa

04.12.2012, 15:23 Uhr

Prof. Dr. Spethmann erklärt sehr gut den Zusammenhang zwischen Euro für Deutschland und dessen abkackende Infrastruktur. Man kann eben nicht alles haben. "Politische Projekte" können ganz schön ins Auge gehen. Insbesondere die deutschen EUROkraten werden sich noch wundern. So einfach ist es, ein Land ohne Krieg zu zerstören!

Unwaehlbar

04.12.2012, 15:25 Uhr

Diese CDU ist nicht mehr zu retten.
97% für Merkel, da kriechen sie ihr wieder in den Arsch, weil's da schön warm ist.
Diese Partei überaltert und wird bald nur noch Geschichte sein.
Das große Problem ist, dass es auch keine Alternative mehr gibt.
CDU/CSU, FDP, SPD, Bündnis90/Grüne, Die Linke alle unwählbar geworden.
Als Wähler hat man in diesem Land mittlereile die Arschkarte, die Wahl zwischen Dung und Scheisse.

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