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08.09.2012

17:25 Uhr

Mangelware Brummi-Fahrer

Es wird zu still auf deutschen Straßen

VonChristoph Schlautmann

Maue Bezahlung, knappe Freizeit: Die Arbeit des Fernfahrers klingt wenig attraktiv. Die Rache bekommen die Auftraggeber wohl bald zu spüren – denn die Zahl der neuen Brummi-Fahrer ist massiv zu niedrig.

Werbefilme auf Facebook sollen den Fernfahrerjob für Jugendliche attraktiver machen. dpa

Werbefilme auf Facebook sollen den Fernfahrerjob für Jugendliche attraktiver machen.

BerlinLaderampen von Lidl oder Aldi sind nur etwas für Brummifahrer mit starkem Selbstwertgefühl. Verspätungen quittieren die Betreiber der Discounter mit langen Wartezeiten. Und wer von den Fahrern den Waschraum aufzusuchen gedenkt, wird nicht selten mit Verweis auf die Firmensicherheit zur nächsten Autobahnraststätte geschickt.

Auch dort empfängt den deutschen Fernfahrer üblicherweise die Tristesse: überfüllte Parkplätze, heruntergekommene Toiletten und - wie in Hamburg - Polizeibeamte, die ihm schon bei Überschreitung der gesetzlichen Lenkzeiten von einer Minute ein Bußgeld verpassen. Dabei bringen die durchschnittlich 57 Arbeitsstunden, die ein Fernfahrer pro Woche unterwegs ist, im Schnitt kaum mehr als einen Brutto-Verdienst von 2.000 Euro pro Monat.

Die Rache für die wenig freundliche Behandlung der 445 000 deutschen Lkw-Lenker könnten die Auftraggeber bald zu spüren bekommen. Nur noch 13.000 bis 15.000 Neulinge kommen jährlich auf den Arbeitsmarkt in Deutschland, fand eine Untersuchung der Hochschule Heilbronn im Auftrag des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen und der Fachzeitschrift "Fernfahrer" heraus. Dabei wären mindestens 25 000 nötig, um die hohen Rentner-Abgänge auszugleichen. "Das Ausscheiden von 40 Prozent der Beschäftigten in den kommenden zehn Jahren wird eine Lücke hinterlassen, die sich bei weitem nicht füllen lässt", warnte gestern der Heilbronner Professor Dirk Lohre in Berlin.

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Für die deutsche Wirtschaft wäre das fatal. Anders als in Frankreich oder Italien, wo nur noch zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts durch Industriebetriebe erwirtschaftet wird, verdient Deutschland immer noch ein Viertel seines BIP durch Herstellung und Weiterverarbeitung von Gütern. Ohne eine funktionierende Logistik ist der Sektor gefährdet.

Zudem heizt der Onlinehandel das Zustellgeschäft zusätzlich an. Legte der Straßengüterverkehr 2010 noch 434 Billionen Kilometer in Deutschland zurück, rechnen Experten bis 2025 mit einem Lkw-Aufkommen von 500 bis 700 Billionen Kilometern. "Wir brauchen in Zukunft also eher mehr als weniger Fahrer", sagte Lohre.

Kommentare (24)

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Schlesier

08.09.2012, 17:46 Uhr

Keine Angst, die slawische Bevölkerung Europas werden den Job gerne übernehmen.Die meisten LKWs fahren schon sowieso mit polnischen ,czechischen usw.Kennzeichen.

Account gelöscht!

08.09.2012, 17:50 Uhr

Richtig! Aber: früher fuhren sie mit RABA und ähnlichem Schrott; heute wenigstens MB, Scania oder Renault.

Account gelöscht!

08.09.2012, 18:24 Uhr


hier ein Link vom ZDF für alle!

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1724822/ZDFzoom-Pruegelknaben-der-Strasse#/beitrag/video/1724822/ZDFzoom-Pruegelknaben-der-Strasse

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