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20.01.2014

08:02 Uhr

Manipulierte Autowahl

Ex-ADAC-Chefredakteur: „Ich habe Scheiße gebaut“

Der Skandal um manipulierte Abstimmungsergebnisse bei der Wahl zum Autopreis „Gelber Engel“ erschüttert den ADAC. Nicht nur in diesem, auch in den vergangenen Jahren soll es geschönte Ergebnisse gegeben haben.

Verunglücktes ADAC-Fahrzeug: Totalschaden für die Glaubwürdigkeit. dpa

Verunglücktes ADAC-Fahrzeug: Totalschaden für die Glaubwürdigkeit.

MünchenNach den aufgedeckten Manipulationen rund um den Autopreis „Gelber Engel“ hat ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair eine umfassende Aufklärung angekündigt. Dies erklärte Obermair in der „Süddeutschen Zeitung“. Die Zahlen für den ADAC-Autopreis könnten schon seit Jahren manipuliert worden sein. ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter soll die Teilnehmerzahlen zu der Umfrage zum „Lieblingsauto der Deutschen“ über Jahre hinweg nach oben geschönt haben, wie Obermair bestätigte. Ramstetter sagte dem Blatt: „Ich habe Scheiße gebaut und die Zahlen geschönt. Daraus ziehe ich die Konsequenzen und übernehme die Verantwortung.“

Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen Ramstetter hätten Geschäftsführung und Präsidium eine lückenlose interne Prüfung angeordnet, erklärte der ADAC. Wie die „Bild“-Zeitung (Montagausgabe) berichtet, haben erste interne Untersuchungen von Dokumenten beim ADAC ergeben, dass auch in den vergangenen Jahren, mindestens aber 2013 und 2012, die Zahl der abgegebenen Stimmen künstlich erhöht wurden. Dies hatte laut der ADAC-Prüfer aber keinen Einfluss auf die Platzierungen der Autos. Die Prüfung stütze sich auf frühere Aufzeichnungen, die Stimmzettel (Coupons) seien laut ADAC aus datenschutzrechtlichen Gründen vernichtet worden.

Am Sonntag hatte der Autoclub in München zunächst eingeräumt, dass die Teilnehmerzahlen für die diesjährige Wahl höher dargestellt worden waren als sie tatsächlich waren. Ramstetter, der seit Jahren auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ war, habe - so der ADAC in seiner Mitteilung - „die alleinige persönliche Verantwortung“ übernommen und alle Funktionen beim ADAC niedergelegt.

Chronologie: Der ADAC zu den Vorwürfen

13. Januar 2014

Der VW-Golf ist nach einer ADAC-Umfrage das Lieblingsauto der Deutschen. Die Leser der „ADAC Motorwelt“ wählten den Kompaktwagen zu ihrem Favoriten. Der Golf habe sich in der Abstimmung mit großem Vorsprung gegen andere Autos durchgesetzt. Das Magazin hatte den knapp 19 Millionen Vereinsmitgliedern Fahrzeuge aller Klassen zur Wahl gestellt.

14. Januar 2014

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über Manipulationen bei der Wahl: Demnach soll es nur 3409 Stimmen für das Siegerauto gegeben haben. Ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als Ergebnis für den Gewinner des „Gelben Engels“ 34.299 Stimmen genannt. Der Autoclub weist den Vorwurf zurück, will aber keine Zahlen nennen.

16. Januar 2014

Bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem „Gelben Engel“ in München spricht der Vorsitzende der ADAC-Geschäftsführung Karl Obermair von „Unterstellungen und Unwahrheiten“. Nichts sei älter als die Tageszeitung von gestern: „Mit der packt man den Fisch ein.“ Wie viele Leser sich an der Abstimmung beteiligt hatten, teilt der Verein aber weiter nicht mit.

18. Januar 2014

Der ADAC will künftig die Auswertung der Umfrage für den „Gelber Engel“-Preis extern vergeben. Das kündigte der Kommunikationschef des Automobil-Clubs und „Motorwelt“-Chefredakteur Michael Ramstetter in der Zeitung „Euro am Sonntag“ an. Zur Frage, wie viele Teilnehmer bei den Abstimmungen mitmachen, wolle der ADAC aber auch in Zukunft keine konkreten Zahlen nennen.

19. Januar 2014

Der ADAC räumt nun die Manipulationen ein. Die Zahl der abgegebenen Stimmen sei in der Preiskategorie Lieblingsauto der Deutschen „geschönt“ worden, teilt der Automobil-Club mit. Ramstetter habe eingeräumt, die Zahl der Stimmen bei diesem Preis manipuliert zu haben. Er übernehme dafür „die alleinige persönliche Verantwortung“ und habe alle Funktionen beim ADAC niedergelegt.

Obermair hatte noch vor einigen Tagen die Manipulationsvorwürfe als „Unterstellungen“ zurückgewiesen.Der ADAC ist mit rund 19 Millionen Mitgliedern größter Autoclub in Europa und größter Verein in Deutschland.

Nun will der ADAC auch Wahlen der vergangenen Jahre überprüfen. Das könnte jedoch schwierig werden, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. So sollen einige Statistiken „angeblich unmittelbar nach der jeweiligen Preisverleihung vernichtet“ worden sein. Doch: „Auf Nachfrage soll Michael Ramstetter eingeräumt haben, die veröffentlichten Zahlen bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen auch in anderen Jahren weitgehend frei erfunden zu haben.“ Der Betrug soll laut Obermair unentdeckt geblieben sein, weil - so zitiert die Zeitung den Geschäftsführer - Ramstetter dafür gesorgt habe, dass er allein Zugang zu allen Abstimmungsauszählungen gehabt habe.

Ramstetter habe sich für sein Fehlverhalten entschuldigt, hieß es am Sonntag in der Pressemitteilung des ADAC. Der 60-Jährige habe bedauert, der Glaubwürdigkeit des ADAC Schaden zugefügt zu haben. Zur Dimension der Zahlenmanipulation machte der ADAC weiter keine Angaben.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

20.01.2014, 08:20 Uhr

Ex-ADAC-Chefredakteur: „Ich habe Scheiße gebaut“ diese Aussage erscheint mir unglaubwürdig.
Nach allem was man lesen kann, gehen diese Betrügereien sehr weit zurück. Ohne Rückendeckung des ADAC-Vorstand sowie Aufsichtsrat, ist eine solche Sauerei nicht möglich. Dieser Herr, gehört sofort in Untersuchungshaft, wegen Betrug und Vorteilsnahme im Amt.
Nach Verbüßung seiner gerechten Strafe, darf er nur noch Auto waschen, und niedere Arbeiten in einer Waschstraße verrichten, nur eine solche Sprache verstehen diese Verbrecher. nur solche

goldeneye

20.01.2014, 08:33 Uhr

Gut gesagt W.Fischer und entspricht genau meiner Vorstellung. Nur sind Betrügereien in diesem Staat "angesehen" ... dank unserer INKOMPETENTEN Justiz. Ich bin selbst, in anderer Sache schwer geschädigt.Für mich nicht nachvollziehbar, dass die Justiz so handelt.

Wrdlbrmft

20.01.2014, 08:36 Uhr

Man kann sich nur noch wundern, welchen Stellenwert das Auto trotz aller Umweltschädlichkeit, immer noch in unserer Gesellschaft hat. Dass aber deshalb so ein Tamtam um eine, von vielen anderen Wichtigtuern manipulierte Bewertung, gemacht wird, zeigt nur wieder einmal die Kurzsichtigkeit und Eingeschränktheit des modern Automenschen, der seine Beine nur noch hat, um sie bei seiner zweiten "sportlichen" Lieblingsbeschäftigung, dem Fernsehen, hochzulegen:
A wie abartig,
D wie dummdreist,
A wie armselig,
C wie chaotisch.
Mehr sog I net!

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