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28.06.2013

06:59 Uhr

Marktforscher Kohler

„Privatjets legen ihr Luxusimage ab“

VonLukas Bay

Die private Luftfahrt wartet weiter auf die Erholung nach der Euro-Krise. Im Interview erklärt Marktforscher Christoph Kohler, wie sich das Image der Privatflieger wandelt – und wo die Branche noch wächst.

Christoph Kohler ist Managing Director beim Marktforschungsunternehmen WingX Advance.

Christoph Kohler ist Managing Director beim Marktforschungsunternehmen WingX Advance.

Handelsblatt Online: Herr Kohler, in der Euro-Krise galt die private Luftfahrt vielen als überflüssiger Luxus. Hat sich die Branche mittlerweile erholt?

Christoph Kohler: Wir sehen momentan in Gesamteuropa einen Trend, der immer noch eher negativ verläuft. Die Geschäftsluftfahrt ist insgesamt auf dem Sinkflug. Gerade Italien, Griechenland und Spanien haben in den letzten Jahren sehr unter der wirtschaftlichen Unsicherheit gelitten. Es gibt aber auch positive Entwicklungen: In der Ukraine und Russland wächst der Markt beispielsweise zweistellig. Im Vergleich zu Amerika ist die private Luftfahrt in Europa aber immer noch deutlich weniger verbreitet.

In den USA werden Privatflüge immer günstiger. Könnte sich dieser Trend auch in Europa fortsetzen?

Die Kostenstruktur in Europa ist eine andere. Zum Vergleich: In Europa gibt es derzeit ungefähr 4000 Privatflugzeuge, in Amerika 20.000 Maschinen. Nicht nur Jets, sondern auch Turboprop-Maschinen. Ein Flug mit einer solchen Propellermaschine ist in den USA schon ab 900 Dollar pro Stunde möglich. Auch die Nachfrage ist größer: Allein durch die geografische Größe können und wollen viele US-Unternehmen nicht auf die Vorzüge der privaten Luftfahrt verzichten.

Auf welchen europäischen Flughäfen die meisten Privatjets abheben

Platz 10

Kiew-Schuljany (Ukraine) - 552 Abflüge

Mit einem Wachstum von 29 Prozent bei Privatfliegern und mehr als 60 Prozent plus bei Charterfliegern im Jahresvergleich im Monat Dezember kann kein Flughafen bei Privatflügen stärker zulegen als der Hauptstadtflughafen der Ukrainer.

(Stand: Dezember 2013, Quelle: WingX Advance)

Platz 9

Wien-Schwechat (Österreich) - 612 Abflüge

4,6 Prozent mehr Privatjet-Starts als im Vorjahr, bei Charterfliegern 2,7 Prozent plus, das reicht für Österreichs Hauptstadt für einen Platz in der europäischen Top-10 der Flughäfen für Privatflieger.

Platz 8

Mailand-Linate (Italien) - 615 Abflüge

Die italienische Modemetropole hat im Jahresvergleich satte 24,6 Prozent mehr Abflüge von Privatjets zu verbuchen. Bei Charterflügen steht unterm Strich ein Minus von 8,7 Prozent.

Platz 7

Nizza (Frankreich) - 636 Abflüge

Die Metropole der Schönen und Reichen an der Cotê d'Azur gehört auch in diesem Jahr zu den beliebtesten Zielen des Jet-Sets im Dezember. Trotzdem sank die Zahl der Privatabflüge um 0,5 Prozent. Charterflüge legten um 6,7 Prozent zu.

Platz 6

Zürich (Schweiz) - 768 Abflüge

In der Schweiz sinkt das Aufkommen der Privatflieger dagegen. Im Jahresvergleich stiegen die privaten Abflugzahlen im Mai um 1,2 Prozent, bei Chartern um 0,6 Prozent.

Platz 5

London-Farnborough (Großbritannien) - 800 Abflüge

Die Privatjets landen wieder häufiger nahe der britischen Hauptstadt. Die Zahl der Abflüge konnte im Mai um 7,6 Prozent zulegen, Charterflüge um 19,2 Prozent.

Platz 4

London-Luton (Großbritannien) - 918 Abflüge

Der Flughafen im Norden von London ist der wichtigste Abflughafen für Privatflieger in England. Im Vergleich zum Vorjahr hoben 0,3 Prozent weniger Privatjets ab. Bei Chartern legten die Flugzahlen dagegen um 13,9 Prozent zu.

Platz 3

Moskau-Wnukowo (Russland) - 1.045 Abflüge

Russlands Neureiche sind international berühmt berüchtigt. Für die Privatflieger gehören sie zu den wichtigsten Kunden, auch wenn die Zahl der Privatabflüge im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent geschrumpft ist. Charter legten leicht um 3,4 Prozent zu.

Platz 2

Genf (Schweiz) - 1.277 Abflüge

Die Steueroase in der Schweiz ist Hauptsitz vieler großer Unternehmen und damit ein interessantes Ziel für gutbetuchte Fluggäste. Die Zahl der Abflüge ging im vergangenen Jahr allerdings um 11,9 Prozent zurück. Charterflieger starteten 8,9 Prozent weniger.

Platz 1

Paris - Le Bourget (Frankreich) - 1.702 Abflüge

Kunst, Mode und savoir vivre - die französische Hauptstadt versprüht viel Charme, und bleibt bei Privatfliegern die beliebteste Destination. Um 6,1 Prozent steige die Zahl der privaten Abflüge im Jahresvergleich. Charterflieger starteten 2,3 Prozent seltener.

Wie sieht es bei deutschen Konzernen aus?

Eigene Flotten für Langstrecke betreiben eher große Konzerne, in Deutschland beispielsweise BASF, BMW oder VW. Bei internationalen Geschäften oder Werksbesuchen sind Privatjets sehr flexibel einsetzbar. Aber auch für kleine Unternehmen kann ein Privatflug erschwinglich sein.

Welche Folgen hat der Preisdruck für das Image der privaten Luftfahrt?

Der Privatjet wird mittlerweile ganz pragmatisch genutzt. Das hat auch positive Effekte. Immer mehr Kunden wenden sich nicht mehr an einen Broker, also eine Art Vermittler zwischen Fluggesellschaft und Passagier, sondern direkt an die Unternehmen, um die Preise zu vergleichen. Einige Unternehmen haben darum ihre Außendarstellung verändert und so die private Luftfahrt auch für neue Kunden zugänglich gemacht. Das ist ein sehr positiver Trend. Die Geschäftsluftfahrt schafft es immer besser, ihre Vorzüge zu kommunizieren, statt ihr Luxusimage vor sich herzutragen.

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