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03.07.2014

13:24 Uhr

Marktmacht missbraucht

Kartellamt straft Edeka ab

VonLisa Hegemann

Bei der Übernahme von Plus soll der Handelskonzern Edeka Sonderkonditionen von Lieferanten verlangt haben. Das Kartellamt sieht darin einen Missbrauch seiner Marktmacht – und reagiert mit einer Grundsatzentscheidung.

Edeka soll erhebliche Sonderkonditionen von Lieferanten verlangt haben, nachdem der Konzern die Handelskette Plus übernommen hatte. dpa

Edeka soll erhebliche Sonderkonditionen von Lieferanten verlangt haben, nachdem der Konzern die Handelskette Plus übernommen hatte.

DüsseldorfEdeka hat seine Marktmacht missbraucht. Das hat das Bundeskartellamt festgestellt. Bei der Übernahme der Plus-Märkte im Jahr 2009 habe der Handelskonzern missbräuchliche Forderungen gegenüber Lieferanten erhoben. Darunter fallen erhebliche Sonderzahlungen sowie das gezielte Herausgreifen einzelner Vorteile bei Konditionen, die die Lieferanten mit Plus vereinbart hatten. Das Kartellamt spricht von „Rosinenpicken“.

Mit diesem Verhalten hat Edeka nach Ansicht der Kartellwächter gegen das sogenannte „Anzapfverbot“ verstoßen. Ein Handelsunternehmen darf seinen Lieferanten demnach ohne eine sachliche Rechtfertigung keine Vorteile abverlangen. Das Kartellamt hatte bereits 2013 eine Abmahnung gegen Edeka ausgesprochen. Grund für das Verfahren war unter anderem eine Beschwerde des Markenverbands gewesen.

Belangen können die Wettbewerbshüter den Handelskonzern aber nicht mehr, da die Konditionen alle in der Vergangenheit lägen, wie ein Sprecher des Amts zu Handelsblatt Online sagte. Das Verfahren habe „vor allem Signalwirkung für die Zukunft“. Ein Bußgeldverfahren sei auch künftig allerdings unwahrscheinlich, da dies in solchen Fällen unüblich sei.

Die Entscheidung des Bundeskartellamts bleibt aber nicht ohne Folgen. „Das Verfahren trägt dazu bei, auch für die Zukunft die Grenze zwischen – kartellrechtlich zulässigen – „harten Verhandlungen“ und unzulässigen Verhaltensweisen marktmächtiger Handelsunternehmen abzustecken“, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Edeka begrüßte in einer Stellungnahme, dass das Verfahren „nach fünfjähriger Untersuchungsdauer“ nun abgeschlossen sei. Die Entscheidung werde man „detailliert auswerten“ und über das weitere Vorgehen entscheiden. Der Handelskonzern kann innerhalb eines Monats Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen.

Größte Einzelhändler weltweit (Umsatz 2012)

Platz 10

Best Buy (USA)

Die US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota, sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2012 betrug 50,7 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2012 über einen Umsatz von 71,6 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 74,8 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit beschäftigen die Briten 520.000 Mitarbeiter und machten 2012 einen Umsatz in Höhe von 83,5 Milliarden Dollar. Das US-Geschäft mit 5.000 Beschäftigen will Tesco abstoßen.

Platz 6

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 87,8 Milliarden Dollar im Jahr 2012 ebenfalls einen Spitzenplatz, auch wenn das Unternehmen mit Schwierigkeiten kämpft.

Platz 5

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2012 setzte der Lebensmittelhändler 96,8 Milliarden Dollar um.

Platz 4

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 99,1 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2012 gigantisch aus.

Platz 3

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit fast 500.000 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2011 einen Umsatz von 104 Milliarden Dollar.

Platz 2

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Der Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2012 rund 123 Milliarden Dollar um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 443,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2012 um - bei einem Gewinn von 15,7 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als zwei Millionen Mitarbeiter.

Quelle: Eigene Recherche.

Edeka soll seine Marktmacht gegenüber rund 500 Lieferanten ausgeübt haben und Sonderkonditionen gefordert haben. Nach der Plus-Übernahme habe das Unternehmen beispielsweise günstigere Konditionen, die für Plus-Märkte galten, für die gesamte Edeka-Gruppe gefordert. Außerdem sollten die Lieferanten Geldbeträge mit Titeln wie „Synergiebonus“ oder „Partnerschaftsvergütung“ zahlen. Das schade dem Wettbewerb, resümiert das Bundeskartellamt.

Die Grundsatzentscheidung soll auch andere Handelskonzerne vorwarnen. Die Entscheidung beinhalte „wichtige Signale für den Lebensmitteleinzelhandel“, warnte Mundt. Die Wettbewerbshüter beäugen die Marktmacht der vier großen Supermarktketten ohnehin kritisch. Rewe, Edeka, Aldi sowie die Schwarz-Gruppe mit ihrem Discounter Lidl und Kaufland vereinen rund 85 Prozent des Lebensmittelmarkts auf sich. Edeka ist dabei nach Einschätzung des Kartellamts bei vielen Produkten „der stärkste Nachfrager“. Das Bundeskartellamt beschäftigt sich in einer gesonderten Untersuchung damit, wie groß die Nachfragemacht des Handels ist.

Edeka hatte Plus im Jahr 2009 übernommen. Die Märkte laufen inzwischen unter dem Label Netto, einem Tochterunternehmen von Edeka.

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