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24.02.2016

17:27 Uhr

Mars, Snickers, Milky Way

Wie läuft der gigantische Schoko-Rückruf?

VonChristoph Kapalschinski

Der Schoko-Konzern Mars muss Millionen von Riegeln seiner wichtigsten Marken zurückrufen. Doch wie läuft so eine Riesenaktion eigentlich ab? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Mega-Rückruf.

Hamburgat

In der Fertigung ist mindestens ein Plastikteil in die Schokoriegel geraten. AFP; Files; Francois Guillot

Mars-Riegel in der Fabrik

In der Fertigung ist mindestens ein Plastikteil in die Schokoriegel geraten.

Großer Wirbel um ein kleines Stück Plastik: Der US-Süßwarengigant Mars will mit einem massenhaften Rückruf Schokoriegel in 55 Ländern aus dem Verkehr ziehen. In einem Produkt sei ein Kunststoffteilchen gefunden worden, erklärte das Unternehmen am Dienstag. Erstickungsgefahr sei nicht auszuschließen. Mars habe sich deshalb zu einem freiwilligen Rückruf entschlossen. Außer Deutschland sind Dutzende Länder weltweit betroffen.

Wie viele Riegel werden zurückgerufen?
Mars nennt die genaue Anzahl nicht. Klar ist aber, dass es sich um viele Millionen Stück handeln muss. Allein für die Niederlande hat der Konzern die Zahl von vier Millionen genannt. Insgesamt sind 55 Länder von dem Rückruf betroffen. Allerdings: In vielen dieser Länder sind nur Flughafen-Shops betroffen, die nicht über die reguläre Logistik beliefert werden.

Warum sind so viele Riegel betroffen?
Mars betreibt im niederländischen Veghel eine der weltgrößten Schokoladenfabriken. Dort werden Riegel für den gesamten europäischen Markt produziert. Das ermöglicht eine kostengünstige Produktion – bringt in diesem Fall jedoch teure Probleme mit sich. In dem Werk sollen mehrere Wochen lang Umbaumaßnahmen durchgeführt worden sein. Mindestens einmal ist dabei ein gut einen halben Zentimeter großes Plastikteilchen in die flüssige Schokolade gefallen. Ungewiss ist, ob sich der Fehler noch einmal wiederholt hat. Daher ruft Mars vorsorglich all jene Produkte zurück, die mit der in dem Zeitraum hergestellten Schokolade übergossen wurden.

Die beliebtesten Schokolademarken Deutschlands

Platz 10

Sarotti

Die Schokomarke mit dem Mohr hat ihre Wurzeln in Berlin, doch kommt heute aus dem Hause Stollwerck und wird in Köln produziert.

Umfrage: Ifak Institut, Ipsos, GfK Media and Communication Research.

Platz 9

Toblerone

Die dreieckige Schokolade aus der Schweiz ist auch hierzulande ein Verkaufshit. Die Schokomarke gehört dem Lebensmittelmulti Mondelēz, der auch Milka produziert.

Platz 8

Trumpf/Schogetten

In Aachen begann die Erfolgsgeschichte der vorportionierten Tafeln. Mittlerweile gehört die Schokoladenmarke zur Krüger-Gruppe und wird auch in den großen Discountern vertrieben.

Platz 7

Kinderschokolade

„Mit der Extra-Portion Milch“ wirbt der Hersteller Ferrero für seine süßen Tafeln. Dabei bleibt die Hauptzutat natürlich Zucker.

Platz 6

Alpia

Auch die rosa Schokomarke kommt aus dem Hause Stollwerck und soll vor allem preisbewusste Kunden ansprechen.

Platz 5

Merci

Das schokoladige Dankeschön in Form kleiner Schokoriegel aus dem Hause Storck ist in Deutschland weiterhin gefragt. Inzwischen wird es in 70 Ländern weltweit vertrieben.

Platz 4

Yogurette

„Jung, Schwung, Stimmung“. Die Schokoriegel mit Erdbeer-Joghurt-Geschmack haben mittlerweile viele saisonabhängige Ableger.

Platz 3

Lindt

Der internationale Schokokonzern aus der Schweiz genießt auch in Deutschland einen guten Ruf - von Schokohasen bis Pralines.

Platz 2

Ritter Sport

Zuletzt machte der Mittelständler aus Waldenbuch durch einen Streit mit der Stiftung Warentest von sich reden. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch.

Platz 1

Milka

Der lila Riese dominiert die deutsche Schokobranche. Mittlerweile wird die Marke auch auf etlichen anderen Produkten vermarktet.

Wie gefährlich sind die Mars-Riegel?
Der Kunststoff Polyethylen (PE) selbst ist beim Verschlucken wohl ungefährlich, weil er meist unverdaut den Körper wieder verlässt. Die Gefahr liegt darin, dass sich ein Mensch verschluckt. Vor allem kleine Kinder können dann sogar ersticken.

Sind Fremdkörper in Nahrung ein häufiges Problem?
Für die industriellen Nahrungsmittelproduzenten sind solche Fremdkörper tatsächlich ein wesentliches Problem. Sie setzen daher sehr häufig Metallscanner ein, durch die alle fertigen Produkte laufen. So können etwa Schräubchen, die sich aus Maschinen gelöst haben, aufgespürt werden. Bei Plastik funktioniert das natürlich nicht.

Mars, Snickers, Milky Way: US-Konzern startet riesigen Schoko-Rückruf

Mars, Snickers, Milky Way

Riesiger Schoko-Rückruf betrifft jetzt 59 Länder

Der abermillionenfache Rückruf von Schokoprodukten des US-Herstellers Mars weitet sich immer mehr aus. Eine Kundin hatte in einem Produkt Kunststoffteilchen gefunden. Offenbar sind mittlerweile 59 Länder betroffen.

Wie häufig gibt es Lebensmittel-Rückrufe?
Rückrufe bei Lebensmitteln kommen immer wieder vor. Die Molkerei Bergader etwa ruft gerade Käse zurück, der Metallsplitter enthalten könnte. Ungewöhnlich ist bei Mars die Größe des Rückrufs. Meist können betroffene Margen deutlich enger eingegrenzt werden und betreffen nicht so viele unterschiedliche Produktformate und Marken.

Ist es das erste Mal, dass Plastik in Mars-Produkten gefunden wurde?
Eine schleswig-holsteinische Regionalzeitung berichtet über einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2014. Damals soll sich ein Dithmarscher an einem Plastikstück in einem Snickers-Riegel einen Zahn abgebrochen haben. Für Mars ist dieser Bericht brisant, weil der Konzern bislang von lediglich einem Fall gesprochen hat. Zudem soll Mars vor zwei Jahren schlecht reagiert haben: Der Hersteller habe dem betroffenen Kunden ein Paket Schokolade geschickt – obwohl dieser sich den Zahn inzwischen ziehen lassen musste. Damals habe die deutsche Mars-Tochter dem Kunden mitgeteilt, dass der Riegel im Ausland hergestellt worden sei. Daher liege die Verantwortung woanders. Auf dem Zeitungsportal shz.de sind Fotos mit dem angeblichen Fund zu sehen. Es passt zu der Beschreibung einer Kunststoffabdeckung, die laut Mars auch im jüngsten Fall gefunden worden ist. Am Nachmittag teilte der Konzern auf Anfrage mit, der Fall sei damals untersucht worden. Dabei habe die interne Kontrolle ergeben, dass das Teil keinesfalls im Produktionsprozess in den Riegel gelangt sein könne. Auch sei dem Kunden damals angeboten worden, die Zahnarztrechnung zu übernehmen. Dieser sei aber nicht darauf eingegangen. Ein Mars-Manager in den Niederlanden berichtete zudem, dieses Mal sei eine zersplitterte Kunststoffabdeckung von einer Leitung in die Produktion geraten. Das sei zu spät bemerkt worden.

Was geschieht mit den Riegeln?
Es gibt nur eine Möglichkeit: Mars muss die Produkte entsorgen. Schließlich können Schokoriegel nicht wieder repariert, eingeschmolzen oder in ihre Bestandteile zerlegt werden.

Kommentare (38)

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Herr Marc Otto

24.02.2016, 13:05 Uhr

Ich hoffe, dass die Kontrollorgane der EU hier mit aller Härte vorgehen. Denn Mars nimmt mit seiner schlampigen Fertigung und den nicht wirklich vorhandenen Qualitätskontrollen ganz bewusst in Kauf, dass Kinder ersticken. Ich bin diplomierter Fertigungs-Ingenieur und weiß, dass so etwas nicht vorkommen kann, wenn man seinen Laden im Griff hat.

Ich vermute allerdings, dass Mars davon gewusst hat und hat nur gehofft, es fällt keinem auf.

Das ist ein Vorgang, der eigentlich ganz Europa beleidigt, denn hier spielt ein Ami-Konzern mit Menschenleben in der EU.

Herr Hellmutt Bimbes

24.02.2016, 13:10 Uhr

Ich frage mich schon manchmal, ob man beim "Handelsblatt" noch einen Blick für die Prioritäten hat.

Da wird auf die Titelseite ein Bericht über eine "Schoko-Rückrufaktion" des U.S. Produzenten gestellt.

Gleichzeitig zerfällt Europa dank Muttis Katastrophenpolitik und der Globus nähert sich in unangenehm großen Schritten den nächsten kriegerischen Auseinandersetzungen.

Und das "Handelsblättchen" berichtet vom Schoko-Rückruf. Das ist jetzt so bedeutsam, wie der berühmte Sack Reis, der in Chicago umfällt.
Langsam wundert mich nicht mehr, daß der deutschen Presse die Leser in Scharen weglaufen.

Herr Marc Otto

24.02.2016, 13:18 Uhr

Immerhin geht es hier um Menschenleben.

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