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12.04.2013

13:46 Uhr

Master Blenders

Milliardärsfamilie Reimann kauft Senseo-Hersteller

Die Familie Reimann investiert seit einiger Zeit in Kaffee. Jetzt kaufen die verschwiegenen Milliardäre den niederländischen Konzern Master Blenders, bekannt durch das Senseo-System. Der Kaufpreis ist Milliarden schwer.

Senseo-Kaffeemaschine: Die Familie Reimann schlägt für 7,5 Milliarden Euro zu. dpa - picture-alliance

Senseo-Kaffeemaschine: Die Familie Reimann schlägt für 7,5 Milliarden Euro zu.

AmsterdamDie deutsche Milliardärsfamilie Reimann kauft den niederländischen Kaffee- und Tee-Spezialisten Master Blenders (DEMB), zu dem auch die Marke Senseo gehört. Die Familien-Holding Joh. A. Benckiser (JAB) wolle je Aktie 12,50 Euro zahlen, teilte Master Blenders am Freitag mit, was in Summe etwa 6,4 Milliarden Euro bedeutet.

Damit liegt er unter der ursprünglichen Offerte, aber über dem Schlusskurs von Master Blenders am Donnerstag von 12,23 Euro. Am Freitag tendierte die Aktie leicht im Minus. Der Aufsichtsrat unterstütze die Offerte und empfehle sie den Aktionären zur Annahme.

Kaffeemarkt: Die Kapselisierung der Deutschen

Kaffeemarkt

Die Kapselisierung der Deutschen

Deutschland ist ein Kaffeeland: Das Heißgetränk ist beliebter als Wasser und Bier. Weil die Zubereitung oft schnell gehen soll, sind Einzelportionen gefragt – vor allem Kapseln. Vorne liegt aber immer noch ein Klassiker.

Gerüchte über eine bevorstehende Übernahme hatte es schon seit längerem gegeben. Ende März räumte dann Master Blenders, zu dem neben den Senseo-Kaffepads unter anderem die Kaffee-Marke Douwe Egberts gehört, Gespräche ein. Allerdings war damals noch von einem möglichen Preis von 12,75 Euro je Papier die Rede gewesen. Master Blenders erzielte 2012 einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro und beschäftigt rund 7500 Mitarbeiter.

Welcher Kaffeetyp sind Sie?

Ländervergleich

6,4 Kilogramm Kaffee hat jeder Deutsche im Jahr 2010 verbraucht. Insgesamt gingen also 526.860 Tonnen Kaffeebohnen beziehungsweise gemahlener Kaffee über deutsche Ladentheken. Damit schaffen es deutsche Kaffeetrinker im internationalen Vergleich auf Platz drei hinter Brasilien und den USA. Grund genug für die Redaktion von brandeins Wissen, das Magazin "Kaffee in Zahlen" herauszugeben. Demnach gibt es verschiedene Kaffeetypen, wie beispielsweise den...

Puristen

Der Purist legt wenig wert auf die Kaffeemaschine an sich - oft hat er nicht einmal ein elektrisches Gerät sondern brüht per Hand. Er ist etwas älter und trinkt seinen Kaffee gern schwarz. Einmal am Tag Kaffee genügt dem Puristen. Er trinkt ihn meist morgens oder im Lauf des Vormittags. 16 Prozent der Deutschen gehören zu dieser Kategorie.

Pragmatiker

Der Pragmatiker

17 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland gehören zu den Pragmatikern: Ihnen hilft Kaffee vor allem dabei, morgens schnell wach zu werden. Abends trinken sie daher kaum Kaffee. Die Pragmatiker werden als mittelalt und eher weniger zufrieden mit ihrer Lebenssituation beschrieben.

Zucker und Milch

33 Prozent der Pragmatiker trinken ihren Kaffee am liebsten mit Zucker und Milch, nur 27 Prozent bestehen auf schwarzem Kaffee. Bei 24 Prozent kommt der aus dem Espresso-Vollautomaten. Wer so ein modernes Gerät hat, nutzt es zwar entsprechend häufig, spät abends greifen nur noch 28 Prozent der Pragmatiker zur Kaffeetasse.

Die Anspruchsvollen

Die Anspruchsvollen

Für 19 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland ist Kaffee ein Genussmittel und dementsprechend viel erwarten sie von der Qualität. Die Anspruchsvollen greifen zu jeder Uhrzeit zum schwarzen Wachmacher, etwas mehr als ein Drittel trinkt ihn gern weiß und süß. Spätabends greifen immer noch 50 Prozent der Anspruchsvollen zu Kaffee und 14 Prozent haben zuhause vier oder mehr verschiedene Versionen.

Vollautomaten

Die Anspruchsvollen sind auch die Gruppe, in der die meisten Menschen einen Kaffee-Vollautomaten besitzen. 24 Prozent haben ein solches Gerät statt herkömmlicher Kaffee- oder Padmaschinen. 86 Prozent gaben an, ihren Kaffeewunderautomaten regelmäßig zu benutzen.

Schlemmer

Schlemmer

17 Prozent der Kaffeetrinker mögen es weiß und süß, sie bevorzugen die Milchschaumvarianten wie Latte macchiato und Cappuccino gegenüber klassischem Filterkaffee. Diese sogenannten Schlemmer sind in der Regel junge Frauen. Viele von ihnen haben zuhause eine Pad- oder Kapselkaffeemaschine. 46 Prozent von ihnen schlürfen auch spät abends noch gern einen Milchkaffee.

Variationen

Kaffeevariationen mögen übrigens alle Gruppen gerne: Sowohl Cappuccino und Latte macchiato als auch Eiskaffees und süße Milchkaffees sind überall beliebt. Außer bei der Gruppe der Puristen und der Klassiker trinkt mehr als ein Drittel der unterschiedlichen Kaffeetypen gerne süß und mit Milch.

Klassiker

Klassiker

19 Prozent der Konsumenten gehören zu den Klassikern. Das heißt, sie wollen gute, qualitativ hochwertige Kaffeemaschinen und Kaffees. Variationen mit Macadamia-Aroma und Sojamilchschaum sind dagegen nichts für sie. Zu dieser Gruppe gehören viele ältere Menschen, die eher in kleineren Ortschaften als in den Metropolen leben. Kaffee trinken sie zu jeder Tageszeit, bevorzugt Filterkaffee.

Die Genügsamen

Die Genügsamen

Rund 12 Prozent der Kaffeetrinker zählen zur Gruppe der Genügsamen. Sie achten mehr auf den Preis als auf die Qualität, sie trinken aber auch deutlich weniger als die anderen Gruppen. Außer Haus trinken sie eher selten Kaffee. Zu den Genügsamen gehören überwiegend junge Männer.

Offenbar mangelte es Master Blenders auch an Alternative: Kontakt zu anderen Interessenten habe es nicht gegeben, sagte DEMB-Chef Jan Bennink. Er wird nach eigener Aussage nach Abschluss der Übernahme zurücktreten, JAB-Chef Bart Brecht soll dann das Unternehmen führen. „JAB und seine Partner wollen DEMB als Plattform nutzen sowohl für organisches Wachstum als auch für Akquisitionen in dem schnell wachsenden Markt für Kaffee und Tee“, umriss Brecht die Pläne mit der niederländischen Firma.

JAB baut mit dem Kauf sein Kaffee-Geschäft weiter aus. Erst im Dezember kaufte JAB Caribou Coffee für 340 Millionen Dollar, vergangenen Sommer bereits Peet's Coffee & Tea für eine Milliarde Dollar. Master Blenders war im vergangenen Jahr vom früheren Mutterkonzern, dem US-Unternehmen Sara Lee, an die Börse gebracht worden. Nur Wochen nach dem Listing schockierte das Unternehmen Investoren mit der Nachricht, dass seine brasilianische Tochter von Betrug und Steuerproblemen betroffen sei. Im Dezember legte der damalige Chef Michael Herkemij sein Amt nieder. Zuletzt musste das Unternehmen nach unerwartet schlechten Zahlen seine Prognose für 2013 reduzieren.

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