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02.05.2014

00:13 Uhr

Mastercard und Visa

Zerrieben zwischen den politischen Fronten

VonAxel Postinett

Unternehmen bekommen einen Vorgeschmack auf mögliche Auswirkungen eines anhaltenden Wirtschaftskrieges zwischen West und Ost. Kreditkartenunternehmen wie Visa und Mastercard könnten zwischen den Fronten zerrieben werden.

Kreditkartenunternehmen wie Visa oder Mastercard können die Auswirkungen der Ukraine-Krise zu spüren bekommen. dpa

Kreditkartenunternehmen wie Visa oder Mastercard können die Auswirkungen der Ukraine-Krise zu spüren bekommen.

New York„Russland wird nicht einfach werden“. Ajay Banga, CEO von Mastercard zeigte sich bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag trotz guter Zahlen betont zurückhaltend. Russland mache nur gut zwei Prozent des Umsatzes aus und wird nur geringe Auswirkungen auf das Finanzjahr 2014 haben, ist er überzeugt. Aber die Situation ist beunruhigend und langfristig nicht vorhersehbar.

Ohne die russische Drohkulisse wäre eigentlich alles gut. Der Umsatz im Quartal stieg um 14 Prozent auf 2,14 Milliarden Dollar. Als Nettogewinn blieben gesunde 870 Millionen Dollar. Der von einem gigantischen Datendiebstahl geplagte Handelsriese Target will mit Mastercard in Zukunft zusammenarbeiten und die Sicherheit der Karten erhöhen. Dagegen stand der Verlust eines Kreditkartenbestands bei J.P. Morgan.

Insgesamt werde deshalb das Wachstum im Jahr eher am unteren Ende der prognostizierten elf bis 14 Prozent liegen. Doch für die Börse reichte das aus, die Aktie lag am Donnerstag leicht im Plus. Aber wegdiskutieren will Banga die russische Problematik nicht. Die Sanktionen zeigten Wirkung und die kommende Gesetzgebung in Russland in Reaktion darauf sei „herausfordernd“ für die Kreditkartenindustrie und damit auch Mastercard.

Zur Lage in der Ukraine

Wie ist die Situation in der Ostukraine?

Die prorussischen Separatisten weiten ihren Einfluss aus. Auch in der Großstadt Lugansk besetzen sie jetzt mehrere öffentliche Gebäude – unter anderem die Gebietsverwaltung. Die von den USA und der EU unterstützte ukrainische Regierung wirkt nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch macht- und hilflos. „Heute kontrolliert die Regierung die Lage in Teilen des Gebietes Donezk nicht mehr“, räumt jüngst Interimspräsident Alexander Turtschinow ein. Polizei und Geheimdienst würden ihre Pflichten nicht erfüllen und teils mit den Aufständischen zusammenarbeiten, schimpft er.

Läuft der angekündigte „Anti-Terror-Einsatz“ ins Leere?

Wegen schlechter Bezahlung, der trüben wirtschaftlichen Ausblicke und einer insgesamt instabilen Lage ist die Moral bei Militär und anderen Sicherheitsstrukturen auf dem Tiefpunkt. Zwar behauptet Interimspräsident Alexander Turtschinow, dass die Streitkräfte „in voller Kampfbereitschaft“ seien. Doch immer wieder gibt es Berichte von Überläufern ins Lager der Aufständischen. Außerdem droht Russland mit einem Militäreinsatz, sollte die Ukraine erneut Panzer und Geschütze gegen die Aufständischen auffahren.

Was bietet die Regierung in Kiew ihren Gegnern?

Bisher ist nur sehr vage eine Verfassungsreform angekündigt. Sie soll den Regionen mehr Autonomie bringen und die russische Sprache schützen. Im Gespräch ist, über eine neue Verfassung am 15. Juni abstimmen zu lassen. Die prorussischen Aktivisten sehen sich als Separatisten und Terroristen verunglimpft. Sie haben für den 11. Mai ein Referendum angesetzt - für eine Loslösung der Gebiete Donezk und Lugansk von Kiew. Ein Dialog zwischen Repräsentanten aus Kiew und den prorussischen Wortführern ist nicht in Sicht.

Wie kann die Präsidentenwahl über die Bühne gehen?

In den Gebieten Lugansk und Donezk gilt die Abstimmung am 25. Mai als gefährdet. Die prorussischen Kräfte rufen zum Boykott auf. Kandidat Oleg Zarjow, der seine Wählerbasis am ehesten dort hat, zog seine Kandidatur demonstrativ zurück und appelliert an andere Bewerber, ihm zu folgen. Die Zentralregierung kann bislang weder die Sicherheit der Kandidaten noch den reibungslosen Ablauf in den Wahllokalen garantieren. Bei einem Ausfall der bevölkerungsreichen Gebiete wäre die Legitimität des neuen Präsidenten gefährdet.

Warum können die Separatisten so frei agieren?

Die Sicherheitskräfte überlassen ihnen im Grunde widerstandslos das Feld. Viele Milizionäre hatten die monatelange Protestbewegung proeuropäischer Demonstranten in Kiew, die Präsident Viktor Janukowitsch letztlich stürzte, von Anfang an abgelehnt. Die prorussischen Kräfte besetzen deshalb ohne Gegenwehr Gebäude und plündern Waffenkammern. Allerdings beklagen Sicherheitskräfte auch unklare oder fehlende Befehle aus Kiew. Auch Löhne von im Schnitt umgerechnet 200 Euro sind für viele Milizionäre kein Anreiz zum Kämpfen gegen die bisweilen schwer bewaffneten Aufständischen.

Es droht ein Staatsbankrott – wie hilft der Westen?

Die Europäische Union hat die Einfuhrzölle für die Ukraine abgeschafft. Aus Polen, der Slowakei und Ungarn kann das Land zudem Gas 30 Prozent billiger beziehen und die kostspieligen russischen Importe so teils ersetzen. Die US-Regierung vergab der Ukraine Kreditgarantien von einer Milliarde US-Dollar. Was fehlt, ist aber eine echte Finanzspritze. Der Internationale Währungsfonds will dem klammen Land knapp 17 Milliarden US-Dollar an neuen Krediten helfen.

Wo lauern neue Gefahren?

Die prowestliche ukrainische Regierung sieht die Gefahr eines Flächenbrandes und will verhindern, dass zum Beispiel in Odessa am Schwarzen Meer oder in Charkow Gebäude besetzt werden. Dafür werden in den einzelnen Gebieten Verteidigungskomitees gebildet. Das Chaos dürfte sich aber verschlimmern, wie Beobachter meinen. Die vor dem Bankrott stehende Ukraine ist unter anderem wegen nicht bezahlter milliardenschwerer Gasrechnungen bei Russland verschuldet. Kremlchef Wladimir Putin hat eine Zahlungsfrist bis Anfang Mai gesetzt.

Was passiert dann?

Angedroht hat Russland, Gas nur noch gegen Vorkasse zu liefern. Wenn kein Geld fließt, wird kein Gas strömen. Und weil die Ukraine das wichtigste Transitland für Gaslieferungen in den Westen ist, kann es zu Lieferengpässen in der EU kommen. Schon beim „Gaskrieg“ 2009 zwischen Kiew und Moskau hatte Russland den Hahn zugedreht, weshalb es auch in der EU zu Engpässen kam.

Welche Lösung ist denkbar?

Die Ukraine hofft, dass der Westen Milliarden vorstreckt, damit die Schulden bei Russland beglichen werden und das Schlimmste abgewendet wird. Aber Kiew weigert sich, den vertraglich mit Moskau vereinbarten Preis von 485 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas zu zahlen, weil der deutlich über Marktniveau liegt. Die ukrainische Regierung will nur 268,5 US-Dollar ausgeben.

Wie kompromissbereit sind die Russen?

Sie wollen eine Lösung, damit ihre eigene Wirtschaft nicht weiter leidet. Kremlchef Wladimir Putin hat bereits eingeräumt, dass die vom Westen gegen Russland im Ukraine-Konflikt verhängten Sanktionen sich schädlich auf die Wirtschaft auswirken. Die Führung in Moskau kämpft mit Konjunkturproblemen, Kapitalflucht, aufziehender Rezession, Wertverfall des Rubel und mit einem schlechteren Investitionsklima.

Die einen beschließen halt Sanktionen, und die anderen baden sie aus. Was sich für amerikanische Bürger wie ein Ding der Unmöglichkeit anhört, könnte für die russische Oberschicht bald Realität sein. Ein Leben ohne Kreditkarten. Jedenfalls ohne Kreditkarten, die von einem ausländischen Unternehmen aus gegeben werden. Russlands Regierung hat am vergangenen Wochenende ein Gesetz mit weitreichenden Auswirkungen für amerikanische Kreditkarten-Dienste verabschiedet. Unter anderem müssen ausländische Anbieter ab 1. Juli eine Sicherheitsleistung in Höhe von zwei Tagesumsätzen bei der russischen Zentralbank hinterlegen.

Die beiden größten Anbieter, Visa und Mastercard, verarbeiten pro Tag im Schnitt Zahlungen über 1,9 Milliarden Dollar in Russland, müssen also zusammen 3,8 Milliarden Dollar aufbringen, um weiterhin dort Geschäfte machen zu dürfen. Die Einführung der Kaution ist eine direkte Folge der ersten Welle von US-Sanktionen gegen Russland nach der Annexion der Krim.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

02.05.2014, 08:54 Uhr

Warum gibt es keinen europäischen Kreditkartenanbieter ?

Account gelöscht!

02.05.2014, 09:00 Uhr

Gibt es keinen europäischen Kartenanbieter ?

Account gelöscht!

02.05.2014, 10:41 Uhr

»Ohne die russische Drohkulisse wäre eigentlich alles gut«.

Was die USA-dominierte NATO seit geraumer Zeit veranstaltet nennt man in der Fußballsprache »Pressing«.

Mal seh'n was Mutti an Befehlen vom lupenreinen Demokraten Obama mitbringt.

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